Autor Thema: Stendhal  (Gelesen 2132 mal)

Offline Hubert

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Antw:Stendhal
« Antwort #15 am: 5. September 2011, 22:35 »
Danke, Hubert. Von Stefan Zweig halte ich aus dem von Dir genannten Grund nicht allzuviel.

Hallo Tom,

als Kind habe ich sehr gerne Zweig gelesen, inzwischen halte ich auch nicht mehr viel von ihm, aber manchmal hat er halt doch Recht.


Anbei noch ein Link

http://www.lyrikwelt.de/rezensionen/rotundschwarz-r.htm

bei dem sich  Daniel Kehlmann über Stendhal äußert, zwar über "Rot und Schwarz", aber bedingt gilt das natürlich auch für die "Kartause ...". Besonders hat mir der folgende Satz gefallen: "All dies ist ...... eine Eigenschaft, die er mit den großen vormodernen Schnellschreibern des 19. Jahrhunderts teilt, denen Makellosigkeit noch kein Stilideal war und die kein Problem darin sahen, dem Leser zu signalisieren, dass sie Wichtigeres zu vollbringen hatten als perfekte Prosa – mit Balzac also, mit Dickens und vor allem mit Fjodor Michailovitsch Dostojewskij,"

und daran anknüpfend möchte ich, ohne unsere Diskussion abbrechen zu wollen, mal zusammen fassen was das Ergebnis unserer bisherigen Diskussion sein könnte und hoffe auf Deine Zustimmung:

Stendhal war es, anders als Flaubert, nicht wichtig, dass seine Romane stilistisch perfekt waren, aber dafür war er mit seinem psychologischen Blick seiner Zeit weit voraus.   

LG

Hubert

Offline Sir Thomas

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Antw:Stendhal
« Antwort #16 am: 6. September 2011, 08:52 »
Stendhal war es, anders als Flaubert, nicht wichtig, dass seine Romane stilistisch perfekt waren, aber dafür war er mit seinem psychologischen Blick seiner Zeit weit voraus.

Hallo Hubert,

ich stimme Dir grundsätzlich zu.

Zwei Bemerkungen:

1) Ich glaube nicht, dass ein Mensch seiner Zeit voraus sein kann. Das ist, sorry Hubert, nur eine Floskel. Stendhal war ein guter Beobachter sowie ein brillanter Analyst menschlicher Antriebe und gesellschaftlicher Regeln. Sein Personal ist zeitlos - und nicht etwa "der Zeit voraus". Julien Sorel u.a. arbeiten heute auf allen Ebenen des politischen Betriebs und in den Chefetagen der Konzerne. Das macht den "vormodernen" Schnellschreiber zum Klassiker - wie auch Balzac, den wir hier ebenfalls erwähnten.     

2) Der offensichtlich bewusste Verzicht auf stilistische Anstrengungen ist ein interessanter Aspekt - zumindest innerhalb der sog. Hochliteratur. Dass Volksschriftsteller wie Dickens, Balzac oder Eugène Sue ihre Feuilletonromane nicht anders als "schlampig" schreiben konnten, war mir bewusst. Wenn Kehlmann (danke übrigens für den Link!) nun aber auch Stendhal und Dostojewski in diese Riege einreiht, macht mich das nachdenklich.

Nur am Rande: Diese Diskussion wird vermutlich dazu führen, dass "Rouge et Noir" demnächst eine Wiederholungslektüre wird. 

Soviel für den Augenblick. Die Arbeit ruft.

LG

Tom     

Offline Hubert

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Stendhal: Ein erstes Fazit
« Antwort #17 am: 6. September 2011, 22:38 »
Hallo Hubert,

ich stimme Dir grundsätzlich zu.

Hallo Tom,

es war ja nur ein vager Vorschlag und damit es wirklich ein gemeinsames Fazit wird, bin ich gerne bereit den zweiten und sogar längeren Halbsatz von Dir zu übernehmen; also wie wär’s damit:

Stendhal war es, anders als Flaubert, nicht wichtig, dass seine Romane stilistisch perfekt sind, aber er war, wie Dostojewski, ein guter Beobachter sowie ein brillanter Analyst menschlicher Antriebe und gesellschaftlicher Regeln und da sein Personal zeitlos ist, lohnt es sich auch heute noch seine Romane zu lesen.

und in diesem Zusammenhang finde ich natürlich Deine Idee den Roman "Rouge et Noir" noch mal ins Auge zu fassen nicht schlecht, aber das sollten wir erst so in einem Jahr einplanen, denn nach der „Kartause...“  steht bei mir erst mal ein russischer und dann ein deutscher Meister auf dem Leseplan.

LG

Hubert     



Offline Sir Thomas

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Antw:Stendhal: Ein erstes Fazit
« Antwort #18 am: 7. September 2011, 10:03 »
Stendhal war es, anders als Flaubert, nicht wichtig, dass seine Romane stilistisch perfekt sind, aber er war, wie Dostojewski, ein guter Beobachter sowie ein brillanter Analyst menschlicher Antriebe und gesellschaftlicher Regeln und da sein Personal zeitlos ist, lohnt es sich auch heute noch seine Romane zu lesen.

Ja, einverstanden.

... und in diesem Zusammenhang finde ich natürlich Deine Idee den Roman "Rouge et Noir" noch mal ins Auge zu fassen nicht schlecht ...

Warten wir es mal ab, Hubert. Im Moment bin ich nicht sicher, ob ich die Lektüre in Form einer Leserunde haben möchte. Wahrscheinlich hole ich "Rouge ..." spontan aus dem Regal.

LG

Tom 

Offline Hubert

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Seiner Zeit voraus?
« Antwort #19 am: 7. September 2011, 21:22 »
Ich glaube nicht, dass ein Mensch seiner Zeit voraus sein kann. Das ist, sorry Hubert, nur eine Floskel.

Halo Tom,

in der Rhetorik der Antike bezeichnete flosculus einen Denkspruch oder eine Sentenz, heute versteht man unter einer Floskel eine formale Redewendung. Beide Bedeutungen kann man imo auf den Satz „Stendhal war seiner Zeit voraus“ nicht anwenden.

Da in Art. 4 des GG die Glaubensfreiheit verfassungsrechtlich geschützt ist, muss Du natürlich nicht glauben, dass ein Mensch seiner Zeit voraus sein kann, da diese Glaubensfreiheit aber auch für mich gilt, glaube ich es trotzdem und fühle mich dabei mit den Verfassern der Texte die sich hinter folgenden Links verbergen, verbunden. Es wird hier Luther, Goethe, Beethoven, Otto Wagner und Einstein zugestanden, dass sie ihrer Zeit voraus bzw. weit voraus waren und Du kannst mir glauben, dass sich diese Liste beliebig erweitern läßt.

http://www.sachsen-anhalt.de/?id=26199
Martin Luther war seiner Zeit weit voraus

http://www.verlag-weimar.de/de/wv/kultur-kunstgeschichte/390-musik-goethe-leben.html
Der besondere Fokus dieses Buches liegt auf den Erkenntnissen, in denen Goethe seiner Zeit weit voraus war.

http://www.bonn2011.de/bonn/wir-sind-dabei/ilona-schmiel/
Beethoven war ein Revolutionär, ein Kosmopolit und ein Visionär, der stets seiner Zeit voraus war.

http://www.planet-wissen.de/kultur_medien/architektur/von_der_gruenderzeit_zum_bauhaus/portraet_otto_wagner.jsp
Otto Wagner war seiner Zeit Jahrzehnte voraus.

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-8805979.html
Auch politisch war der Meisterdenker (Einstein) seiner Zeit voraus.

LG

Hubert