Auch ich bin seit zwei Tagen mit der Erzählung durch. Etwas Zeit zum Verarbeiten habe ich mir gelassen.
Eine bedrückende Schilderung eines Prozesses des Sich-selbst-Verlierens.
Sprachlich sehr knapp, wohl bewußt so von Frisch gewählt.
Frisch hat ja wohl immer in Abrede gestellt, daß die Erzählung autobiografisch sei. Dennoch hatte ich diesen Eindruck.
Der Schriftsteller Frisch kommt mEn zB dann durch, wenn Geiser fragend auf seine Zettel schreibt: „Seit wann gibt es Wörter?“ (Suhrkamp Ausgabe 2011, S. 54) Sollte das Geiser in seiner Abgeschiedenheit, seinem Siechtum tatsächlich interessieren? Oder ist das nicht eher eine Frage für einen Schriftsteller? Damit auch verbunden die Angst vor dem Verlust der Sinne, des Gedächtnisses. Was kann einem Schriftsteller eigentlich mehr treffen, als die Fähigkeit der Kommunikation zu verlieren?
Ob es sich nun um das „beste“ Werk von Max Frisch handelt, weiß ich nicht und ich bin auch der Ansicht, daß diese Kategorien in der Beurteilung auch im Kern überflüssig sind.
Fazit: Beeindruckende, ein bisschen angstmachende Erzählung, wenn man an das eigene Älterwerden denkt.
Das Frisch hier so „wenig gemocht“ wird, liegt sicherlich nicht daran, daß er „langweilt“ (was i. ü. erst einmal zu definieren wäre), sondern eher daran, daß er „zu modern“ ist!

Vielen Dank an alle Teilnehmer für die interessanten Gedanken und den Austausch über die Erzählung!

josmar