Mich hat die "Schleifenstruktur" des Romans fasziniert: aus einer Gegenwart heraus (1801) wird erzählend in die ferne Vergangenheit zurückgegangen und dann von dort wieder an die Gegenwart herangeführt, um dann auf den letzten 40, 50 Seiten die Uhr 1 Jahr vorzustellen, und dann nochmal rückblickend dieses Jahr darzustellen.
Bei der Entwicklung der Figuren fand ich interessant, die Paare Heathcliff-Cathy I. und Hareton-Cathy II. einander gegenüberzustellen: was beim ersten Paar scheiterte, vollendet sich dann beim zweiten und Heathcliff hatte seinen Anteil daran, dass es dazu kam - obwohl er es, glaube ich, nicht anstrebte. Aber ich glaube es war sein Schicksal, der Entwicklung dieser Liebe, die die positive Spiegelung seiner katastrophalen Liebe war, noch zuzusehen. Eigentlich mußte er dann seinen Frieden finden - und tat es ja auch: im Tod.
Ich finde das Ende sehr versöhnlich und irgendwie schließt sich ein Kreis.
Interessant fand ich auch die Person Haretons: in ihm spiegelt sich ja Heathcliff. Es ist sozusagen sein Ziehsohn, so wie er der Ziehsohn Earnshaws war. Und er liebt ihn mehr als seinen eigenen, so wie es bei ihm war. Das wird ganz deutlich auf dtv, S.290:
"[...]weißt du, daß ich mir zwanzigmal am Tag Hareton zum Sohn wünsche, so verkommen er auch ist? Ich hätte den Jungen geliebt, wäre er nur jemand anders." Nämlich nicht der Sohn Hindleys!
Alles in Allem: mir hat diese (meine erste) Leserunde viel Spass gemacht. Ich denke, es war nicht meine letzte ...
Gruß
Klaus
