... sollte er nun „Mozarts Geist aus Haydens Händen“ empfangen.
Hi montaigne,
ich staune immer wieder, wie zäh sich diese stark vereinfachenden Bonmots halten.
Ich wollte in meinem Beitrag keineswegs ausdrücken, dass Mozart und Haydn die wichtigsten Lehrer oder sogar die einzigen gewesen wären. Vielmehr wollte ich in „Beethoven I. Von Bonn nach Wien“ zeigen was die wesentlichen Komponenten waren, die dazu führten, dass Beethoven heute als Genie gilt. Ich denke es waren drei Komponenten, die ich versucht habe in je einem Abschnitt meines Beitrages herauszuarbeiten:
1. Sein Vater war Musiklehrer und als Sänger beim kurfürstlichen Hof angestellt, so lernte Beethoven ähnlich wie Mozart als Kind mehrere Instrumente und wurde quasi mit 13. Jahren professioneller Musiker.
2. Sein Mäzen, der Kurfürst, war Mozartfan und schickte Beethoven deshalb zur Ausbildung nach Wien, weil er an seinem Hof einen zweiten Mozart haben wollte und als Mozart gestorben war, sollte Beethoven „Mozarts Geist aus Haydens Händen“ empfangen. Das ist übrigens kein Bonmot, sondern ein Zitat aus einem Zeitdokument, einem Stammbucheintrag von Graf Ferdinand Ernst von Waldstein, einem frühen Förderer und Anreger Beethovens. Wohlgemerkt ich habe „sollte...empfangen“ geschrieben und nicht „hat...empfangen“ Tatsächlich hat sich Beethoven ja dahingegen geäußert, dass er nie etwas von Haydn gelernt hätte. Was natürlich auch nicht stimmt. Hör Dir nur mal Haydns Streichquartette an und dann die frühen Streichquartette von Beethoven – da gibt’s nichts zu leugnen. Wie dem auch sei, ich bin davon überzeugt, wäre Beethoven nicht nach Wien gekommen, sondern in Bonn geblieben, wär’s mit dem Genie nichts geworden.
3. Beethoven fand in Wien reiche Förderer und konnte dadurch ohne finanzielle Sorgen studieren (er hat ja nicht nur bei Haydn Unterricht genommen, sondern auch bei Johann Baptist Schenk, Antonio Salieri u.a.) und komponieren. Und seine Mäzene kannten sich aus im Musikgeschäft, sie hatten vorher mit Haydn und Mozart gearbeitet.