Und nun meine erste Stellungnahme:
Bin noch nicht weit gekommen, habe erst die Kapitelchen I,1 und I,2 gelesen. Ein trübes Szenario baut sich auf: Der "Held" Olafur Karason, Gemeindekind, da von der Mutter, die vom Vater verlassen wurde, weggegeben, muss auf einem Einöd?hof bei einer Familie mit Pflegemutter, zwei Söhnen, einer Tochter sowie Magd und deren Tochter aufwachsen und hart für seinen Unterhalt arbeiten. Dabei erfährt er zwar keine schlimme Misshandlung, aber auch keinerlei Form von Zuwendung.
Im Alter von acht Jahren hat er eine nachhaltige Gottesvision, als er sich im Sommer draußen an der Bucht oder vielleicht auch woanders aufhält (hier zeigt Laxness erste Anwandlungen von "Modernität": Der Leser kann sich den Schauplatz der Vision selbst aussuchen). Diese Vision beruht laut seinem Biografen Halldór Gudmundsson, auf einem autobiografischen Erlebnis, das Laxness im ähnlichen Alter in der Nähe des heimischen Hofes beim Anblick eines großen Findlings hatte. Den Findling hat er sich später neben das Haus Gljufrasteinn, seinem späteren Wohnsitz auf Island, setzen lassen.
Für Laxness hatte diese Vision starke Auswirkungen auf sein weiteres Leben, auf sein Verhältnis zu Gott, aber auch auf seine Auffassung seines Künstlertums, wie sie sich bei Olafur auswirkt, werden wir sehen.
Neben der Beschreibung der unglaublichen Einsamkeit des Kindes finden sich aber auch jetzt schon einige satirische Einschiebsel und Betrachtungen der handelnden Personen, die ich auch aus den späteren Werken Laxness' kenne und die die Lektüre immer auch unterhaltsam macht: Die zankenden Brüder, die durch ihre Konkurrenz den Hof verkommen lassen, die in sich ruhende, schlampige Schwester, die wie nebenbei Gutes an Olaf tut und ihn dennoch immer wieder wegstößt, wenn er denkt, er hab endlich Zuneigung gefunden ... .
Und erst die Pflegemutter, für die jegliches Geschriebene Teufelszeug ist.
Schön sind auch die sprechenden Namen, die das Gegenteilige von dem behaupten, was die Personen tun:
die Magd Karitas, also Mildtätigkeit, die Pflegemutter Camarilla, wobei dieser Name zwei Bedeutungen haben kann: einmal nichtregierungsabhängige Beratung eines Fürsten (diese Bedeutung hat Laxness wohl kaum im Sinn gehabt), ein andermal ist die Camarilla eine Geheimorganisation zum Schutz von Vampiren. Ob der Autor diese Bedeutung kannte und den Namen bewusst gesetzt hat, weiß ich nicht, finde ihn aber für einen isländischen Frauennamen ungewöhnlich und für diese Frau bisher durchaus passend.
finsbury