Autor Thema: Halldór Laxness: Weltlicht  (Gelesen 2481 mal)

Offline Sir Thomas

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Antw:Halldór Laxness: Weltlicht
« Antwort #75 am: 3. Februar 2012, 10:00 »
... die traurige Gestalt, die uns dreiundzwanzigjährig in dem III. Buch präsentiert wird, schreckt mich eher ab.

Im dritten Teil erfahren wir Interessantes über das Selbstverständnis unseres Dichters. In einer kurzen Rede vor den versammelten Arbeitern betont Olafur: Es ist viel schwieriger, ein Dichter zu sein und über die Welt zu schreiben, als ein Mensch zu sein und in der Welt zu leben. … Der Dichter ist das Gefühl der Welt, und im Dichter leiden alle anderen Menschen. … Der Dichter kann nicht von einem einzelnen Glücksfall … von diesem Schmerz geheilt werden, sondern nur duch eine bessere Welt. … Dichter zu sein, das bedeutet Gast zu sein an einer fernen Küste, bis man stirbt.

Das hört sich für mich sehr messianisch an.

Viele Seiten später dann diese Reflektion:
Er sah, wie er sich selbst in zwei Hälften teilte: Der Freiheitsheld, der Wahnsinnige, der Bösewicht, der poetische Mensch blieb in einiger Entfernung zurück, und hervor trat der soziale, christliche, langweilige und unpoetische Mensch, … der demütige Bekenner des allgemein anerkannten Verhaltens.

Wahnsinn als Preis für ein Poetenleben? Dass dem Künstler immer etwas Unbürgerliches, Unzuverlässiges und von der "normalen" Welt Trennendes anhaftet, hat schon Thomas Mann in "Tonio Kröger" thematisiert. Bei Laxness verdichtet sich diese Trennung zu einem künstlerischen Grundkonflikt. Sehr interessant! Mal sehen, ob noch weitere Einlassungen dieser Art folgen.

Offline JMaria

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Antw:Halldór Laxness: Weltlicht
« Antwort #76 am: 3. Februar 2012, 17:24 »
Hallo zusammen,

die letzten Kapitel im 2. Teil fand ich sehr stark.
Seine Versorgerin, die Dichterin Holmfridur, verschwindet und wird für ihn zur Meerfrau, ein Fabelwesen.
Sie gab ihm Speis und Trank, gab ihm Unterkunft, flickte und säuberte seine Sachen.... Sie hatte auf selbstverständliche und schlichte Weise für das  gesorgt, was er brauchte, daß er es gar nicht bemerkte...

Ist es nicht oft in Biographien von Künstler und Genies zu lesen, dass sie von jemanden protegiert wurden und dies auch als selbstverständlich hinnahmen und auch erwarteten. So ist es eigentlich garnicht so befremdlich, dass sich der junge Dichter des Lebens nicht fähig fühlt, jetzt ohne seine Gönnerin.

Schmunzeln mußte ich im 29. Kapitel, als Olafur beim Arzt festsitzt. Könnte es nicht sein, dass Laxness sich selbst als Dichter und sein Buch aufs Korn nimmt?

Mir kam es im Dialog über den "Roman des Arztes" so vor:

Wie gesagt, sagte der Arzt, das Schiff ist untergegangen, und die großen Fische herrschen im Meer. Was soll geschehen?....

Ich weiß es nicht, sagte der Dichter.

Überleg es dir.... Was willst du tun?

Ich bin völlig ratlos, sagte der Dichter.

Herrgott, das ist kein großer Dichter, der nicht  weiß, was man tun soll....

Dem Dichter perlte noch immer der Schweiß von der Stirn. Er zerbrach sich den Kopf darüber.... und starrte in unendlicher Dummheiit vor sich hin und sah keinen anderen Ausweg mehr aus diesem schrecklichen Roman, als sich vom Arzt ermorden zu lassen...



 :breitgrins:

vielleicht war sich Laxness mit seinem Dichter auch nicht mehr sicher, wo es ihn hinführt.

Jedenfalls hat der Herbst Einzug gehalten, auch im Gemüt unseren Dichters, sogar in der Liebe, als er einen Brief von Jarthrudur bekommt (Kapitel 27), die sich mit ihm verheiratet sieht. Er nennt sie die Geliebte des Herbstes.

den 2. Teil habe ich beendet und beginne am WE mit dem 3.Teil "Das Haus des Dichters".

LG
Maria
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Offline Sir Thomas

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Antw:Halldór Laxness: Weltlicht
« Antwort #77 am: 3. Februar 2012, 17:39 »
Er ... sah keinen anderen Ausweg mehr aus diesem schrecklichen Roman, als sich vom Arzt ermorden zu lassen...[/i]

Wunderbarer Humor!

... den 2. Teil habe ich beendet und beginne am WE mit dem 3.Teil ...

Bin ich Dir zu schnell? Ich versuche immer möglichst nichts vom Inhalt zu verraten, wenn ich schon aus dem 3. Teil berichte. Wenn es trotzdem nervt, halte ich mich zurück.

 :winken:

Tom

Offline JMaria

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Antw:Halldór Laxness: Weltlicht
« Antwort #78 am: 3. Februar 2012, 18:00 »

Bin ich Dir zu schnell? Ich versuche immer möglichst nichts vom Inhalt zu verraten, wenn ich schon aus dem 3. Teil berichte. Wenn es trotzdem nervt, halte ich mich zurück.

 :winken:

Tom

hallo Tom,

das sollte dir keine Sorgen bereiten. Ich finde es durchaus auch hilfreich im voraus deine Eindrücke (oder die der anderen) zu lesen.  :winken:

auf der anderen Seite habe ich etwas Gewissensbisse ob ich durch mein langsameres Lesen eher als Bremse wirke. Also halte ich bitte nicht zurück.

LG
Maria
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Antw:Halldór Laxness: Weltlicht
« Antwort #79 am: 3. Februar 2012, 18:22 »
das sollte dir keine Sorgen bereiten.

Prima. Genau das wollte ich hören ...  :breitgrins:  :wegrenn:

... auf der anderen Seite habe ich etwas Gewissensbisse ob ich durch mein langsameres Lesen eher als Bremse wirke.

Das sollte Dir nun ebenfalls keine Sorgen bereiten!

Schönes Wochenende!

Tom

Offline finsbury

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Antw:Halldór Laxness: Weltlicht
« Antwort #80 am: 4. Februar 2012, 11:35 »
Hallo,

bin vorgestern und gestern nicht mehr  weitergekommen.
Manchmal fällt es mir auch schwer, mich weiter mit dieser Person des Olafur zu beschäftigen. deshalb bin ich auch erleichtert, @Maria, dass du auch nicht so schnell vorankommst.

Du hast, @Tom sehr Recht, wenn du Olafurs Auslassungen als "messianisch" kennzeichnest, der Rest seines Verhaltens wirkt auf mich dann oft hilflos oder auf eine kindische Weise egoistisch.

Übrigens denke ich, dass Laxness seinen Helden auch durchaus kritisch sieht, andererseits hatte er, wie sein Biograph Gudmundsson ausführt, ebenfalls wie Olafur, keine Probleme, seine Mitmenschen in den Dienst seines dichterischen Auftrags zu stellen. Er hat sich viele Jahre durchgeschnorrt, wenn er das sicher auch nicht als Schnorren, sondern als Selbstverständlichkeit ansah.

Natürlich ist es anders oft auch nicht möglich, einem Lebensziel zu folgen, das sich nicht mit den Lebenswegen der bürgerlichen Mehrheit deckt, wie du auch, Maria, hier ausführst.


Ist es nicht oft in Biographien von Künstler und Genies zu lesen, dass sie von jemanden protegiert wurden und dies auch als selbstverständlich hinnahmen und auch erwarteten. So ist es eigentlich garnicht so befremdlich, dass sich der junge Dichter des Lebens nicht fähig fühlt, jetzt ohne seine Gönnerin.


die letzten Kapitel im 2. Teil fand ich sehr stark.
Seine Versorgerin, die Dichterin Holmfridur, verschwindet und wird für ihn zur Meerfrau, ein Fabelwesen.
[...]

Wie gesagt, sagte der Arzt, das Schiff ist untergegangen, und die großen Fische herrschen im Meer. Was soll geschehen?....

Ich weiß es nicht, sagte der Dichter.

Überleg es dir.... Was willst du tun?

Ich bin völlig ratlos, sagte der Dichter.

Herrgott, das ist kein großer Dichter, der nicht  weiß, was man tun soll....

Dem Dichter perlte noch immer der Schweiß von der Stirn. Er zerbrach sich den Kopf darüber.... und starrte in unendlicher Dummheiit vor sich hin und sah keinen anderen Ausweg mehr aus diesem schrecklichen Roman, als sich vom Arzt ermorden zu lassen...


 :breitgrins:

vielleicht war sich Laxness mit seinem Dichter auch nicht mehr sicher, wo es ihn hinführt.


Es fällt auf, wie sehr das Meer als Motiv und auch als Metapher diesen Roman, wie alle bisherigen von Laxness, die ich gelesen habe, prägt. Ob nun im Humoristischen oder als Lebenesmetapher, immer ist es den Romanfiguren oder dem auktorialen Erzähler vor Augen. Das ist natürlich gut zu verstehen, wenn man auf einer relativ kleinen Insel im sturmumtosten Nordatlantik groß geworden ist.
Was ich immer auch faszinierend finde, ist, dass Laxness, obwohl er ein solcher Weltbürger war, der jahrzehntelang unterwegs war, seine Romane eigentlich immer auf seiner Heimatinsel spielen lässt. Diese karge, einsame und naturlandschaftlich großartige Insel hat ihn nie losgelassen.
Deine Annahme, Maria, dass Laxness selber nicht so genau weiß, womit es mit der Handlung in seinem Roman weitergehen soll und dies hier ironisiert, ist schon nachvollziehbar. Nach seiner Biografie aber würde ich eher annehmen, dass er das Ganze schon recht deutlich geplant im Kopf hatte.

Wahnsinn als Preis für ein Poetenleben? Dass dem Künstler immer etwas Unbürgerliches, Unzuverlässiges und von der "normalen" Welt Trennendes anhaftet, hat schon Thomas Mann in "Tonio Kröger" thematisiert. Bei Laxness verdichtet sich diese Trennung zu einem künstlerischen Grundkonflikt. Sehr interessant! Mal sehen, ob noch weitere Einlassungen dieser Art folgen.

Nun, da bin ich dann schon gespannt, wie Olafur sich im dritten Buch weiterentwickelt!

finsbury
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Offline JMaria

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Antw:Halldór Laxness: Weltlicht
« Antwort #81 am: 7. Februar 2012, 11:04 »
Hallo zusammen,

ich komme gerade nur langsam voran; ich suche nach einer Läuterung unseres Dichters. Das Feuer, das seine Gedichte verbrannte, sollte dies erwartungsgemäß symbolisieren, oder?

ich bin über den Begriff 1000jähriges Reich im 3/3. Kapitel gestolpert und habe das Gefühl, dass ich irgendetwas überlesen habe, aber das zurückblättern gab auch keinen Aufschluß.

Ich komme zu 3/6. Kapitel.

Gruß,
Maria
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Antw:Halldór Laxness: Weltlicht
« Antwort #82 am: 7. Februar 2012, 14:04 »
Das Feuer, das seine Gedichte verbrannte, sollte dies erwartungsgemäß symbolisieren, oder?

Eine bessere "Erklärung" habe ich derzeit auch nicht, Maria.

ich bin über den Begriff 1000jähriges Reich im 3/3. Kapitel gestolpert und habe das Gefühl, dass ich irgendetwas überlesen habe, aber das zurückblättern gab auch keinen Aufschluß.

Das muss ich noch mal nachlesen. Wenn das eine Anspielung auf die Nazidiktatur sein soll, dann kann dieser Begriff eigentlich nur in das Umfeld der "Wahren Isländer" und deren Parolen gehören.

Mir geht es übrigens wie Euch: Ich schleppe mich dahin mit dem Buch, es ermüdet mich derzeit schnell.

 :winken:

Tom   

Offline JMaria

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Antw:Halldór Laxness: Weltlicht
« Antwort #83 am: 7. Februar 2012, 14:22 »
Das muss ich noch mal nachlesen. Wenn das eine Anspielung auf die Nazidiktatur sein soll, dann kann dieser Begriff eigentlich nur in das Umfeld der "Wahren Isländer" und deren Parolen gehören.

Mir geht es übrigens wie Euch: Ich schleppe mich dahin mit dem Buch, es ermüdet mich derzeit schnell.

 :winken:

Tom   


Tom, das ist ein sehr guter Gedanke. Den 'wahren Isländer" war mir als Gedankentum schon etwas befremdlich, konnte es aber nicht mit dem Ausspruch des 1000jährigen Reiches bringen. Ich muß es mir nochmals unter diesem Gesichtspunkt durchlesen.

LG
Maria
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Antw:Halldór Laxness: Weltlicht
« Antwort #84 am: 7. Februar 2012, 15:01 »
Der 'wahren Isländer" war mir als Gedankentum schon etwas befremdlich, konnte es aber nicht mit dem Ausspruch des 1000jährigen Reiches bringen.

In 3/5 kommt Licht ins dunkle Geraune. Petur Palsson, der umtriebige "Geschäftsführer", definiert den Nazi-Charakter der "Wahren Isländer": Die moderne Zeit, das ist Loyalität, das ist, ein Vaterland zu haben, für das man hungert und für das man ertrinkt, wenn das Wirtschaftsleben es erfordert. Die moderne Zeit, das ist, bereit zu sein, den letzten Blutstropfen für die Geschichte der Nation und für ihre Zukunftshoffnungen zu opfern. Die moderne Zeit, das ist, kein Russe zu sein. 

LG

Tom

Offline JMaria

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Antw:Halldór Laxness: Weltlicht
« Antwort #85 am: 7. Februar 2012, 15:55 »
Der 'wahren Isländer" war mir als Gedankentum schon etwas befremdlich, konnte es aber nicht mit dem Ausspruch des 1000jährigen Reiches bringen.

In 3/5 kommt Licht ins dunkle Geraune. Petur Palsson, der umtriebige "Geschäftsführer", definiert den Nazi-Charakter der "Wahren Isländer": Die moderne Zeit, das ist Loyalität, das ist, ein Vaterland zu haben, für das man hungert und für das man ertrinkt, wenn das Wirtschaftsleben es erfordert. Die moderne Zeit, das ist, bereit zu sein, den letzten Blutstropfen für die Geschichte der Nation und für ihre Zukunftshoffnungen zu opfern. Die moderne Zeit, das ist, kein Russe zu sein. 

LG

Tom

Hallo zusammen,

aus diesem Aspekt heraus verändert sich nun auch, meiner Meinung nach, der Blick auf den Lichtvikinger oder zumindest mein Verständnis zum Dichter. Angesichts von nationalistischem Gedankengut und der drohenden Kriegsgefahr, bleibt nur das Licht der Welt, oder anders gesagt, die Schönheit der Welt als Erlösung (oder muß die Welt durchs 'Feuer'gefecht um geläutert zu werden  :rollen: war das vielleicht auch Laxness Intention)... ich bin gespannt wie es weitergeht...

Gruß,
Maria
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Offline finsbury

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Antw:Halldór Laxness: Weltlicht
« Antwort #86 am: 7. Februar 2012, 21:16 »
Hallo Maria, Tom und alle

zum Tausendjährigen Reich: den Begriff haben die Nazis wohl der christlichen Mythologie entlehnt. Ich könnte mir denken, dass Laxness als gut informierter Weltbürger zwar auch an das Tausendjährige Reich der Nazis denkt - wofür  auch der von dir, @ Tom,  benannte "Nazi-Charakter" der wahren Isländer  spricht, dass er aber hier auch besonders den christlichen Begriff meint.

Man erfährt im III. Buch eine Menge über die Rolle des Schriftstellers und so langsam kann ich mich in den Charakter der Hauptperson einfinden, ohne ihn jedoch schätzen zu können. Olafur ist Einzelcharakter und als solcher ausgestaltet, aber manchmal wohl auch Sprachrohr des Autors, was die Rolle des Autors in der Gesellschaft angeht. Dazu findet man viel in III/ 3: Der Dichter hat es so schwerer als die anderen Menschen, denn

der Dichter ist das Gefühl der Welt, und im Dichter leiden alle anderen Menschen.

Hier bemerkt man wieder das messianische Bewusstsein Olafurs, das zumindest zeitweise Laxness wohl teilte.
Die Gesellschaftskritik wird im dritten Buch wieder stärker, aber immer wieder gebrochen durch die unterschiedlichen Sichtweisen, wobei sich Olafur wohl mit den Kapiteln immer mehr einer sozialkritischen Sichtweise nähert.

Ich bin jetzt in III, 11, brauche aber zwischendrin Entspannung in weniger kargen literarischen Gefilden. Mag es ruhig weiter langsam gehen ...

finsbury
Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene
Meer in uns. (Kafka)

Offline Sir Thomas

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Antw:Halldór Laxness: Weltlicht
« Antwort #87 am: 8. Februar 2012, 12:30 »
Mag es ruhig weiter langsam gehen ...

Das kommt mir entgegen. Ich bin fast durch mit dem dritten Band - und nehme eine klitzekleine Auszeit.

LG

Tom

Offline Anna Magdalena

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Antw:Halldór Laxness: Weltlicht
« Antwort #88 am: 8. Februar 2012, 23:27 »
Hallo allerseits!

Erst war ich tagelang ohne Internetverbindung, dann krank, deswegen melde ich mich erst jetzt wieder. Inzwischen bin ich schon weit im vierten Teil.

Der 'wahren Isländer" war mir als Gedankentum schon etwas befremdlich, konnte es aber nicht mit dem Ausspruch des 1000jährigen Reiches bringen.

In 3/5 kommt Licht ins dunkle Geraune. Petur Palsson, der umtriebige "Geschäftsführer", definiert den Nazi-Charakter der "Wahren Isländer": Die moderne Zeit, das ist Loyalität, das ist, ein Vaterland zu haben, für das man hungert und für das man ertrinkt, wenn das Wirtschaftsleben es erfordert. Die moderne Zeit, das ist, bereit zu sein, den letzten Blutstropfen für die Geschichte der Nation und für ihre Zukunftshoffnungen zu opfern. Die moderne Zeit, das ist, kein Russe zu sein. 
 

aus diesem Aspekt heraus verändert sich nun auch, meiner Meinung nach, der Blick auf den Lichtvikinger oder zumindest mein Verständnis zum Dichter. Angesichts von nationalistischem Gedankengut und der drohenden Kriegsgefahr, bleibt nur das Licht der Welt, oder anders gesagt, die Schönheit der Welt als Erlösung (oder muß die Welt durchs 'Feuer'gefecht um geläutert zu werden  :rollen: war das vielleicht auch Laxness Intention)... ich bin gespannt wie es weitergeht...
 

Olafur Karason meint, wie finsbury schon angedeutet hat, mit dem Tausendjährigen Reich nicht die Nazidiktatur, sondern in Anlehnung an das im Buch der Offenbarung erwähnte tausendjährige Friedensreich Christi auf Erden seine eigene dichterische Vision von einem irdischen Paradies, das er auf der Arbeiterversammlung ausführlich beschreibt („In dem Land, in dem ich zu Hause bin, in das ich nie komme, dort haben die Menschen keine Sorgen, ….“). Jana nennt diese Vision den „Traum vom Glück“. Der Nationalsozialismus spielte auf Island keine Rolle, das Gerede vom „wahren Isländer“ bezieht sich wohl eher auf die Loslösungsbestrebungen Islands vom übermächtigen Dänemark, die erst 1944 endgültig Erfolg hatten, und auf den Einfluss sozialistischer Ideen auf die Arbeiterklasse. Im Grunde geht es bei Petur Palsson doch um reine Unternehmerinteressen, die dem einfachen, obrigkeitshörigem Volk in bewährter Manier als patriotische und religiöse Ziele verkauft werden, für die es Opfer zu bringen gilt, während der Kampf der Arbeiter um gerechtere Löhne als kommunistische Umtriebe angeprangert werden.

@ JMaria, die göttliche Offenbarung, d.h. die Anschauung ewig-zeitloser, das unvollkommene irdische Leben übersteigender Schönheit erfährt Olafur Karason als Klang und mehr noch als Licht, als „inneres Licht“, „Freudenlicht“, „Allmachtslicht“. Wie Du sagst, sieht er in der Dichtung die Erlösung der Welt (er spricht von Erlösung der Seele), wobei für ihn die Welt grundsätzlich eine Welt des Leidens ist.

So, da ich immer noch nicht richtig auf dem Damm bin, werde ich mich jetzt mit meinem Buch, einem Glas Rotwein und einer Wärmflasche aufs Sofa zurückziehen. Morgen dann mehr zur Figur des Dichters.

Gruß
Anna

Offline JMaria

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Antw:Halldór Laxness: Weltlicht
« Antwort #89 am: 9. Februar 2012, 14:58 »
Hallo Anna,
hallo zusammen,


@ JMaria, die göttliche Offenbarung, d.h. die Anschauung ewig-zeitloser, das unvollkommene irdische Leben übersteigender Schönheit erfährt Olafur Karason als Klang und mehr noch als Licht, als „inneres Licht“, „Freudenlicht“, „Allmachtslicht“. Wie Du sagst, sieht er in der Dichtung die Erlösung der Welt (er spricht von Erlösung der Seele), wobei für ihn die Welt grundsätzlich eine Welt des Leidens ist.

So, da ich immer noch nicht richtig auf dem Damm bin, werde ich mich jetzt mit meinem Buch, einem Glas Rotwein und einer Wärmflasche aufs Sofa zurückziehen. Morgen dann mehr zur Figur des Dichters.
 

 
Der Klang der Offenbarung - so nennt es Olafur immer wieder und er sehnt sich danach.


Zitat von: Anna Magdalena
sondern in Anlehnung an das im Buch der Offenbarung erwähnte tausendjährige Friedensreich Christi auf Erden seine eigene dichterische Vision von einem irdischen Paradies, das er auf der Arbeiterversammlung ausführlich beschreibt („In dem Land, in dem ich zu Hause bin, in das ich nie komme, dort haben die Menschen keine Sorgen, ….“). Jana nennt diese Vision den „Traum vom Glück“.


interessant, dass er sich das Reich Christi auf Erden wünscht; aber das passt wieder zu seiner Aussage, dass er glaube, keine Seele zu haben. Es fügt sich alles zusammen. Nur wird vom ihm verlangt Partei zu ergreifen. Freund oder Feind - so sagt die "Riesin" Jorunn.

Doch Olafur möchte keinen Konflikt: Der schönste Reichtum eines Menschen in Island sind die Wolken, die sich zusammenballen und wieder auflösen. So sollen sich auch Konflikte auflösen. [3/Kapitel 6]

Anderes Thema:
an Frauen mangelt es unserem Dichter wirklich nicht. Nun taucht auch noch rückblickend eine Stina auf im 3/Kapitel 7.

@Anna,
gute Besserung; werde schnell wieder gesund !

Gruß,
Maria
« Letzte Änderung: 9. Februar 2012, 16:43 von JMaria »
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