Autor Thema: Emily Brontë: Wuthering Heights (deutsch: Sturmhöhe)  (Gelesen 753 mal)

Offline montaigne

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gusty weather
« Antwort #30 am: 26. Januar 2012, 18:24 »
Beim Warten auf weitere Beiträge, ich lese i.M. mit gezügeltem Tempo weiter, habe ich mir das Titelbild unserer DTV-Ausgabe etwas näher betrachtet. Es handelt sich um das Gemälde „gusty weather“ (böiges Wetter) von 1878 des in Edinburgh geborenen schottischen Landschaftsmalers Peter Graham (1836 – 1921)
http://www.amazon.de/Sturmh%C3%B6he-Roman-Emily-Bront%C3%AB/dp/3423123486#reader_3423123486
Vermutlich in den schottischen Highlands gemalt passt es doch auch in die nordenglische Gegend in der der Roman Sturmhöhe spielt. Die karge Heidelandschaft – und die windschiefen Bäume werden ja auch gleich am Anfang des Romans als typisch für die menschenfeindliche Gegend erwähnt. 

Noch besser allerdings könnte ich mir das Bild als Titelbild zum Roman „Jane Eyre“ von Emilys Schwester Charlotte vorstellen. Peter Graham scheint genau die Stelle des Romans gemalt zu haben als Mr. Rochester begleitet von seinem Hund auf sein Anwesen Thornfield Hall zurückkehrt, und kurz bevor sein Pferd scheut  und ihn abwirft weil die neue Gouvernante, Jane Eyre, ihm zum ersten Mal über den Weg läuft. Was meint ihr? Oder kennt ihr „Jane Eyre“ gar nicht?

Hier noch ein Link zu einem von Peter Grahams bekanntestem Bild, „Hochwasser in den Highlands“ von 1868:   
http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Graham_Peter_Spate_in_the_Highlands_1868.jpg&filetimestamp=20100909163234

Offline riff-raff

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Antw:"Sturmhöhe" nach dem 14. Kapitel
« Antwort #31 am: 26. Januar 2012, 19:31 »
Ich bin jetzt schon recht weit in den zweiten Teil des Romans vorgedrungen. Das Buch liest sich sehr angenehm und ist spannend genug, um einen zum Weiterlesen zu animieren.

Manchmal bin ich froh, dass am Anfang des Buches diese Genealogie zu finden ist, wo man nachschlagen kann, wenn man etwas den Überblick verloren hat. Andererseits geht dadurch natürlich auch etwas Spannung verloren, wenn  z.B. von Anfang an klar ist, dass Catherine I eben nicht Heathcliff heiratet, wie man zunächst ja vermuten könnte und jetzt schon bekannt ist, wer Catherine II heiratet und in welcher Reihenfolge. Zuerst hatte ich gedacht, dass der Verlag oder die Übersetzerin sich diese Arbeit gemacht haben, aber anscheinend ist diese Personentafel von  Emily Brontë. Was meint ihr? und greift ihr auch manchmal darauf zurück oder würdet ihr lieber auf diesen Spoiler verzichten?   

Auf die Genealogie greife ich noch öfter zurück, auch wenn es schon stimmt, dass sie vieles vorwegnimmt, was man eigentlich lieber erst im Verlauf der Lektüre hätte erfahren wollen. Normalerweise schreibe ich mir bei umfangreicheren Werken aber sowieso die Hauptcharaktere und ihre Beziehungen untereinander auf ein Blatt Papier, um den Überblick nicht zu verlieren. So gesehen wär's auch ohne gegangen ...  :smile:

Offline riff-raff

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Antw:gusty weather
« Antwort #32 am: 26. Januar 2012, 19:39 »
Noch besser allerdings könnte ich mir das Bild als Titelbild zum Roman „Jane Eyre“ von Emilys Schwester Charlotte vorstellen. Peter Graham scheint genau die Stelle des Romans gemalt zu haben als Mr. Rochester begleitet von seinem Hund auf sein Anwesen Thornfield Hall zurückkehrt, und kurz bevor sein Pferd scheut  und ihn abwirft weil die neue Gouvernante, Jane Eyre, ihm zum ersten Mal über den Weg läuft. Was meint ihr? Oder kennt ihr „Jane Eyre“ gar nicht?

"Jane Eyre" hab ich leider nicht gelesen, aber das Bild scheint tatsächlich auf die von dir beschriebene Szene zu passen.

Offline montaigne

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Antw:"Sturmhöhe" nach dem 14. Kapitel
« Antwort #33 am: 26. Januar 2012, 20:44 »
Ich bin jetzt schon recht weit in den zweiten Teil des Romans vorgedrungen. Das Buch liest sich sehr angenehm und ist spannend genug, um einen zum Weiterlesen zu animieren.
....
Auf die Genealogie greife ich noch öfter zurück, auch wenn es schon stimmt, dass sie vieles vorwegnimmt, was man eigentlich lieber erst im Verlauf der Lektüre hätte erfahren wollen.

Dann will ich auch mal die Zügel wieder anziehen. Der Roman ist ja für einen Klassiker wirklich sehr spannend und inzwischen denke ich, dass diese Genealogie obwohl sie vieles vorwegnimmt, gerade auch dadurch die Spannung steigert. Im Rückblick auf das erste Buch, muss ich gestehen, habe ich mich manchmal gefragt wie kriegt Emily die Kurve, dass Caty I nicht Heathcliff heiratet, sondern Linton, und jetzt kann ich es kaum erwarten, zu erfahren was passiert damit Caty II ein zweites Mal heiratet. Die Emily, glaube ich, war eine ganz raffinierte Autorin!

Offline montaigne

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Weiteres von den Schwestern?
« Antwort #34 am: 26. Januar 2012, 20:45 »
"Jane Eyre" hab ich leider nicht gelesen, ...

Da hast du was verpasst, solltest du unbedingt gelegentlich nachholen. Ich hab’ mal an der Uni Bonn ein Seminar gehört, da ging es hauptsächlich darum wie Charlotte in „Jane Eyre“ das Wetter beschreibt um die dann folgenden Situationen anzudeuten. Sehr interessant.

Aber es gibt ja noch einen interessanteren Lesevorschlag und zwar zu Anne Bronte die jüngsten der drei Bronte-Sisters und zwar zu ihrem zweiten Roman: „Die Herrin von Wildfell Hall“
http://www.klassikerforum.de/index.php/topic,4499.0.html

und ich würde mich freuen, wenn du und klaus daran teilnehmen würdest. Ob wir Anne vor oder nach Theodor Fontanes „Irrungen, Wirrungen“ lesen, diese Entscheidung würde ich klaus überlassen.
http://www.klassikerforum.de/index.php/topic,4516.0.html
« Letzte Änderung: 26. Januar 2012, 22:27 von montaigne »

Offline klaus

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Antw:Weiteres von den Schwestern?
« Antwort #35 am: 26. Januar 2012, 22:13 »
Ich hab’ mal an der Uni Bonn ein Seminar gehört, da ging es hauptsächlich darum wie Charlotte in „Jane Eyre“ das Wetter beschreibt um die dann folgenden Situationen anzudeuten. Sehr interessant.

Das hört sich wirklich interessant an. Hast Du sowas evtl. auch in Wuthering Heights entdeckt?

Aber es gibt ja noch einen interessanteren Lesevorschlag und zwar zu Anne Bronte die jüngsten der drei Bronte-Sisters und zwar zu ihrem zweiten Roman: „Die Herrin von Wildfell Hall“
http://www.klassikerforum.de/index.php/topic,4499.0.html

und ich würde mich freuen, wenn du und klaus daran teilnehmen würdest. Ob wir Anne vor oder nach Theodor Fontanes „Irrunggen, Wirrungen“ lesen, diese Entscheidung würde ich klaus überlassen.
http://www.klassikerforum.de/index.php/topic,4516.0.html

Das finde ich sehr nett von Dir. Den Fontane will ich auf jeden Fall lesen, gerne im Anschluß. Einen weiteren Brontë würde ich aber lieber auf einen späteren Zeitpunkt verschieben. Ich gehöre zu den Kreuzundquer-Lesern und liebäugele gerade mit den Dämonen/Böse Geister ab 1. März. Schaffen wir bis dahin den Fontane?

Gruß, Klaus  :winken:

Offline montaigne

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Antw:Weiteres von den Schwestern?
« Antwort #36 am: 26. Januar 2012, 22:40 »
Schaffen wir bis dahin den Fontane?

Nun, mein Reclam-Büchlein hat 200 Seiten. Ich gebe die Frage zurück - Schaffen wir das? -  Andererseits geht der Fontane etwas tiefer und ist nicht so schnell zu lesen wie die Bronte. Ich habe also volles Verständnis wenn du jetzt erst mal die Dämonen lesen willst.   :winken:

Offline riff-raff

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Antw:"Sturmhöhe" nach dem 14. Kapitel
« Antwort #37 am: 27. Januar 2012, 08:53 »
Sehr kompliziert sind die Familienverhältnisse nicht, da hast du Recht, mir erscheinen sie geradezu so vereinfacht, dass man direkt merkt wie Emily das konstruiert hat, [...]

Mir ergeht es ähnlich ... Manchmal erscheint mir die Geschichte wie am Reissbrett konstruiert. Das meine ich gar nicht mal negativ, aber die beiden Familien leben so abgeschottet von der Aussenwelt, dass es mir manchmal vorkommt als würde man zwei Mäusepopulationen unter experimentellen Bedingungen betrachten. Da ist zwar ab zu zu von einem Village namens Gimmerton die Rede und am Anfang des Romans wird Liverpool erwähnt, von wo Mr. Earnshaw den kleinen Heathcliff mitbringt, aber ansonsten könnte man meinen ganz England sei bis auf die beiden Familien Linton und Earnshaw ausgestorben. Da gibt es auch keine weitere Verwandten oder Freunde. Wobei ich mir schon denken kann, dass man damals wirklich so abgeschnitten von der Umwelt lebte. Kein Telefon, Fernsehen oder Internet halt wie in unserem heutigen globalen Dorf. Dazu passt auch das Inzestuöse ... Wenn unsere Vermutung stimmt, dass Heatcliff ein unehelicher Sohn von Earnshaw ist, dann würde es sich beim Liebespaar ja um Geschwister handeln. Auch Catherine II und Linton, die laut Genealogie miteinander heiraten (bis jetzt bin ich mit dem Lesen noch nicht so weit), sind Vettern/Cousins.

Ich habe manchmal Schwierigkeiten, die Handlung und vor allem Handlungsmotive nachzuvollziehen, [...] Wie kann sich die so behütet aufgewachsene Isabella so in Heathcliff verlieben, dass sie alles für ihn aufgibt?

Je mehr ich lese und je mehr ich Isabellas Bruder Edgar kennenlerne umso weniger erstaunt mich deren Entscheidung. Edgar ist ein dermassen lebloser und fader Typ wie die ganze Familie Linton. Die Lintons mögen zwar kultivierter und vielleicht auch standesmässig höherstehend sein als die Earnshaws, aber sie sind auch wesentlich langweiliger. Da muss Isabella ein solch unterschiedlicher und machohafter Charakter wie Heathcliff geradezu magisch angezogen haben. Ich habe weitaus mehr Mühe zu verstehen, was Catherine II eigentlich an diesem Hypochonder Linton findet ...

Abgesehen von Heatcliff erscheint mit die Gouvernante Ellen Dean eigentlich die zupackendste Figur im Buch. Ich meine, wie sie eigenwillig in das Leben ihrer Herrschaften eingreift und all die Freiheiten, die sie sich nimmt ... Sie ist nicht nur die teilnahmslose Beobachterin und Erzählerin, aus deren Mund wir den grössten Teil der Geschichte erfahren, sie lenkt durchaus auch die Fäden des Geschehens. Manchmal findet ich es amüsant zu sehen, wie es Brontë gelingt, es immer wieder so hinzubiegen, dass Mrs. Dean bei allen wichtigen Handlungen des Buches persönlich anwesend ist. Der grösste Teil des Romans wird ja aus ihrem Blickwinkel erzählt und was sie nicht selbst erlebt (oder von Bekannten mitgeteilt kriegt) könnten wir anders ja gar nicht erfahren  :smile:

Offline riff-raff

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Antw:Weiteres von den Schwestern?
« Antwort #38 am: 27. Januar 2012, 08:58 »
Aber es gibt ja noch einen interessanteren Lesevorschlag und zwar zu Anne Bronte die jüngsten der drei Bronte-Sisters und zwar zu ihrem zweiten Roman: „Die Herrin von Wildfell Hall“
http://www.klassikerforum.de/index.php/topic,4499.0.html

und ich würde mich freuen, wenn du und klaus daran teilnehmen würdest. Ob wir Anne vor oder nach Theodor Fontanes „Irrungen, Wirrungen“ lesen, diese Entscheidung würde ich klaus überlassen.
http://www.klassikerforum.de/index.php/topic,4516.0.html

Fontane würde mich schon reizen, aber ich habe mich für den nächsten Monat schon im Schwesterforum (http://www.literaturschock.de/literaturforum/index.php) für Anna Karenina angemeldet und ich denke, dieser Wälzer wird mich für geraume Zeit beschäftigt halten. Trotzdem danke  :winken:

Offline klaus

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Antw:Weiteres von den Schwestern?
« Antwort #39 am: 27. Januar 2012, 09:29 »
Schaffen wir bis dahin den Fontane?

Nun, mein Reclam-Büchlein hat 200 Seiten. Ich gebe die Frage zurück - Schaffen wir das? -  Andererseits geht der Fontane etwas tiefer und ist nicht so schnell zu lesen wie die Bronte. Ich habe also volles Verständnis wenn du jetzt erst mal die Dämonen lesen willst.   :winken:

Ich würde sagen: wenn wir spätestens Mitte Februar mit den Irrungen anfangen, bin ich dabei - sonst erst nach den Dämonen.

Offline klaus

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Antw:"Sturmhöhe" nach dem 14. Kapitel
« Antwort #40 am: 27. Januar 2012, 09:49 »
Manchmal erscheint mir die Geschichte wie am Reissbrett konstruiert. Das meine ich gar nicht mal negativ, aber die beiden Familien leben so abgeschottet von der Aussenwelt, dass es mir manchmal vorkommt als würde man zwei Mäusepopulationen unter experimentellen Bedingungen betrachten. Da ist zwar ab zu zu von einem Village namens Gimmerton die Rede und am Anfang des Romans wird Liverpool erwähnt, von wo Mr. Earnshaw den kleinen Heathcliff mitbringt, aber ansonsten könnte man meinen ganz England sei bis auf die beiden Familien Linton und Earnshaw ausgestorben. Da gibt es auch keine weitere Verwandten oder Freunde. Wobei ich mir schon denken kann, dass man damals wirklich so abgeschnitten von der Umwelt lebte. Kein Telefon, Fernsehen oder Internet halt wie in unserem heutigen globalen Dorf.

Genau das ist auch mein Eindruck: es ist so wenig von der restlichen Welt außerhalb der beiden Häuser Wuthering Heights und Thrushcross Crange vorhanden, dass es schon etwas Beklemmendes hat. Auch das Personal ist ja für einen Roman dieser Länge äußerst beschränkt. Es gibt so gut wie keine Menschen außerhalb der Familien Earnshaw und Linton. Und wenn dann doch einmal ein Arzt (Kenneth) für die Handlung benötigt wird, taucht er wie aus der Versenkung auf.

Abgesehen von Heatcliff erscheint mit die Gouvernante Ellen Dean eigentlich die zupackendste Figur im Buch. Ich meine, wie sie eigenwillig in das Leben ihrer Herrschaften eingreift und all die Freiheiten, die sie sich nimmt ... Sie ist nicht nur die teilnahmslose Beobachterin und Erzählerin, aus deren Mund wir den grössten Teil der Geschichte erfahren, sie lenkt durchaus auch die Fäden des Geschehens. Manchmal findet ich es amüsant zu sehen, wie es Brontë gelingt, es immer wieder so hinzubiegen, dass Mrs. Dean bei allen wichtigen Handlungen des Buches persönlich anwesend ist. Der grösste Teil des Romans wird ja aus ihrem Blickwinkel erzählt und was sie nicht selbst erlebt (oder von Bekannten mitgeteilt kriegt) könnten wir anders ja gar nicht erfahren  :smile:

Ja die Ellen, da hab ich mir auch so meine Gedanken gemacht. Sie kriegt ja wirklich alles mit, selbst intimste Gespräche. Aber weil Emily nun mal diese Konstruktion gewählt hat, muß sie auch viel mitkriegen. Aber ist das realistisch? Einen allwissenden Erzähler wollte sie wohl nicht nehmen. Heathcliff oder Cathy (I.) konnte sie als Ich-Erzähler nicht nehmen, weil beide sterben. Also hat sie eine ihnen nahestehende Person gewählt und weil diese sich aus eigenem Antrieb nicht hinsetzen wird um die Geschichte aufzuschreiben, hat sie noch die Rahmenhandlung mit Lockwood erfunden, dem Ellen dann die Geschichte erzählt. Es wird immer das Multiperspektivische an dem Roman gerühmt. Aber bis auf wenige Ausnahmen ist es doch die Perspektive Ellens - oder?

Offline klaus

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Antw:"Sturmhöhe" nach dem 14. Kapitel
« Antwort #41 am: 27. Januar 2012, 12:06 »
Noch 2 Anmerkungen:

... aber die beiden Familien leben so abgeschottet von der Aussenwelt ...

Zu diesem Eindruck der Abgetrenntheit von der ganzen Welt paßt Cathys Bemerkung kurz vor ihrem Tod (dtv, S.213):

"Und dann [...] ist letztlich das, was mich am meisten verdrießt, dieses verfallene Gefängnis. Ich bin es leid, so leid, hier eingeschlossen zu sein."

Die Welt, nach der sie sich sehnt, ist aber wohl mehr eine jenseitige, als die reale Welt, von der sie kaum etwas mitkriegt:

"Ich brenne darauf, in jene herrliche Welt zu entfliehen und ewig dort zu bleiben [...]"

Abgesehen von Heatcliff erscheint mit die Gouvernante Ellen Dean eigentlich die zupackendste Figur im Buch. Ich meine, wie sie eigenwillig in das Leben ihrer Herrschaften eingreift und all die Freiheiten, die sie sich nimmt ... Sie ist nicht nur die teilnahmslose Beobachterin und Erzählerin, aus deren Mund wir den grössten Teil der Geschichte erfahren, sie lenkt durchaus auch die Fäden des Geschehens.

Ein schönes Beispiel für Ellens lenkende Hand (dtv, S.225): Nach Cathys Tod entdeckt sie ein Medaillon, in der sich eine schwarze Locke (Heathcliffs) befindet. Eine blonde Locke (Lintons) befindet sich, von Heathcliff entfernt, auf dem Boden. Sie nimmt beide, schlingt sie zusammen und legt sie beide wieder in das Medaillon hinein. Es deutet sich hier bereits eine Versöhnung an, die aber vermutlich in diesem Moment noch weit in der Zukunft liegt.

Offline Theresa

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Antw:Emily Brontë: Wuthering Heights (deutsch: Sturmhöhe)
« Antwort #42 am: 27. Januar 2012, 22:23 »
Ach du Schreck. Ihr seid ja schon fertig.

Entschuldigt bitte, dass ich die Leserunde nicht richtig auf die Reihe bekommen habe, ich dachte die ganze Woche, dass ihr länger brauchen würdet und dass ich noch Zeit hätte. Jetzt habe ich gerade mal angefangen.  :redface:

Das nächste Mal beteilige ich mich richtig an der Leserunde, jetzt habe ichs einfach verpasst. Für mich selber ist es nicht so schlimm, ich werde einfach nach und nach die Anmerkungen mitlesen.

Offline meier

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Antw:Emily Brontë: Wuthering Heights (deutsch: Sturmhöhe)
« Antwort #43 am: 28. Januar 2012, 11:58 »
Zitat
Das nächste Mal beteilige ich mich richtig an der Leserunde, jetzt habe ichs einfach verpasst

Nicht so schlimm, Theresa. Ich selbst war, offen gestanden, bereits fast fertig, bevor die LR überhaupt begonnen hatte. Dies ist auch immer einermaßen problematisch, da man bereits mehr als die anderen Mitleser weiß, aber auch keinesfalls zuviel verraten möchte. Wie weit bist du im Moment genau? Ein wenig wird die LR sicherlich noch andauern.

Gruß
Meier

Offline montaigne

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„Sturmhöhe“ – Fazit
« Antwort #44 am: 29. Januar 2012, 17:06 »
So, ich habe den Roman heute Vormittag beendet. Es wurde ja immer spannender, so dass ich gar nicht mehr unterbrechen wollte.

Zu den Erzählebenen: Ich denke schon, dass die Handlung aus mehreren Perspektiven erzählt wird, zwar ist Ellen die Haupterzählerin, aber wenn Lockwood erzählt wird doch klar, dass man alles auch anders sehen kann und dann gibt es ja mehrmals noch eine dritte Erzählebene (z.B. wenn Ellen einen Brief bekommt) und es scheint wieder alles ganz anders. Im Gegensatz zu anderen Schriftstellern in der Zeit, macht Emily meiner Meinung nach das sehr gut, erinnern will ich nur mal an Moby-Dick, vier Jahre nach „Sturmhöhe“ geschrieben und da erzählt Ismael oft von Sachen die er überhaupt nicht wissen kann, z.B. was in der Kapitänskajüte beim Essen gesprochen wird usw.

Zu den Handlungsmotiven: Für mich ist das meiste sehr gut nachvollziehbar, vor allem, dass sich Isabella in Heathcliff verliebt ist durchaus vorstellbar (Gegensätze ziehen sich an) und eine große Auswahl an Männern hatte sie in der abgelegenen Gegend ja nicht zur Verfügung. Revolutionär für die damalige Zeit finde ich dagegen, dass Isabella Heathcliff verlässt und mit ihrem kleinen Kind nach London zieht.

Alles in allem: ein gut geschriebenes Buch aus einer für uns fernen Zeit mit einer spannenden aber durchaus nachvollziehbaren Handlung.