Autor Thema: Marcel Proust - Auf der Suche nach der verlorenen Zeit  (Gelesen 21958 mal)

Offline sandhofer

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Re: Marcel Proust - Im Schatten junger Mädchenblüte
« Antwort #30 am: 6. Mai 2007, 18:58 »
Kann man auch mit " Im Schatten junger Mädchenblüte" die Lektüre von Proust beginnen - oder macht das keinen Sinn?

Eher weniger. Separat gelesen werden kann m.M.n. am ehesten noch "Eine Liebe von Swann".  :winken:
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus: Beim Wort genommen

Offline klassikfreund

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Re: Marcel Proust - Im Schatten junger Mädchenblüte
« Antwort #31 am: 14. Mai 2007, 09:11 »
Hallo Ihr Proust Leser!
Ihr habt doch so viel Erfahrung. Kann man auch mit " Im Schatten junger Mädchenblüte" die Lektüre von Proust beginnen - oder macht das keinen Sinn?
Traeumerle

Hallo,

ich lese gerade Gerken: Proust für Eilige. Eine recht ausführliche Inhaltsbeschreibung (zu jedem Band ca. 25 gut verständliche Seiten, die auch Zusammenhänge nicht unbeleuchtet lassen). Liest man diese Zusammenfassungen kann man auch mit anderen Bänden beginnen (nur zur Info: ich habe bereits alle 7 Bände gelesen).

Interessant finde ich auch den dort vorgeschlagenen Leseplan: Nach Gerken kann man ruhig mit jedem der Bände 1-6 anfangen (die Autorin kam mit dem 1. Band seinerzeit nicht zu Recht und fing mit dem 5. Band an und war von da an Feuer und Flamme für Proust).

Mit dieser Lesehilfe ist der Start bei einem anderen Band noch einfacher möglich.

Schöne Grüße,
Thomas
« Letzte Änderung: 14. Mai 2007, 09:18 von klassikfreund »

Offline sandhofer

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Re: Marcel Proust - Im Schatten junger Mädchenblüte
« Antwort #32 am: 14. Mai 2007, 09:51 »
Hallo zusammen!

Ich habe jetzt diese Frage aus der Leserunde herausgelöst, da sie mit der aktuellen Diskussion dort nichts zu tun hat und auch länger zu werden droht.

ich lese gerade Gerken: Proust für Eilige. Eine recht ausführliche Inhaltsbeschreibung (zu jedem Band ca. 25 gut verständliche Seiten, die auch Zusammenhänge nicht unbeleuchtet lassen). Liest man diese Zusammenfassungen kann man auch mit anderen Bänden beginnen (nur zur Info: ich habe bereits alle 7 Bände gelesen).

Proust für Eilige
- eine (vom Autor sicher beabsichtigte) contradictio in adiecto. Ich sehe ehrlich gesagt nicht, warum man das erste Buch von A la recherche du temps perdu weglassen sollte. Proust legt m.E. darin den Boden für den Rest des Werks. Wenn ich ein Haus baue, zimmere ich ja das Erdgeschoss auch nicht aus ein paar Brettern zusammen, um dann das erste Geschoss in Beton und Marmor darüber zu setzen.

Proust für Eilige
mag Sinn machen, wenn man das Werk schon gelesen hat und seine Erinnerungen auffrischen will. Als Ersatz für eine Lektüre kann es per defintionem nicht taugen. Sorry.

Edit: Tippfehler korr.
« Letzte Änderung: 14. Mai 2007, 10:20 von sandhofer »
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Offline klassikfreund

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Re: Marcel Proust - Im Schatten junger Mädchenblüte
« Antwort #33 am: 14. Mai 2007, 11:17 »
Ich sehe ehrlich gesagt nicht, warum man das erste Buch von A la recherche du temps perdu weglassen sollte.

Es geht nicht um Weglassen, es geht darum, dass es für manchen Leser laut Gerken sogar sinnvoller ist, mit einem anderen Band als Nr. 1 zu beginnen. Die Bände sind ja nun nicht so aufgebaut, dass man diese dann gar nicht verstehen könnte.

Und um auf die Frage des Ursprungs-Postings zurückzukommen: Warum sollte man sich nicht von der Leserunde hier anstecken lassen und zunächst zu Band 2 greifen? Gerade der Auftenthalt in Balbec lässt sich auch unabhängig von Band 1 lesen. Und wenn man dann erst mal "angesteckt" ist, wird man ohnehin wissen wollen, was in Band 1 steht... Ich halte das gerade bei Proust für möglich.

Gruß, Thomas

Offline sandhofer

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Re: Marcel Proust - Im Schatten junger Mädchenblüte
« Antwort #34 am: 14. Mai 2007, 12:02 »
Warum sollte man [...] nicht [...] zunächst zu Band 2 greifen? Gerade der Auftenthalt in Balbec lässt sich auch unabhängig von Band 1 lesen. Und wenn man dann erst mal "angesteckt" ist, wird man ohnehin wissen wollen, was in Band 1 steht... Ich halte das gerade bei Proust für möglich.

Ich halte gerade das bei Proust, bei A la recherche du temps perdu, für unmöglich. (Vielleicht mit Ausnahme von der - nur schon durch den Wechsel der Erzählperspektive deutlich abgesetzten - Liebesgeschichte von Swann.) Es mag Ausnahmeleser geben, die sollten sich aber nicht als Vorbild hinstellen :breitgrins: . Wenn Du jetzt gesagt hättest, dass man 20 Jahre danach lesen könne, bevor man Die drei Musketiere gelesen habe, hätte ich Dir zustimmen können. Aber Proust legt im ersten Band einen derart dichten Teppich an Ver-, Hin- und andern Weisen für den Rest des Textes an, dass ich ein Einsteigen woanders nicht empfehlen würde.

Wenn sich jemand mit Proust beschäftigen, ev. anfixen möchte, ohne gleich zum Riesen der Recherche zu greifen, empfehle ich Les plaisirs et les jours (dt.: Freuden und Tage). Das ist schon echter Proust, nur noch ohne die Grösse der Recherche.
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Offline klassikfreund

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Re: Marcel Proust - Im Schatten junger Mädchenblüte
« Antwort #35 am: 14. Mai 2007, 15:40 »
@sandhofer: Mich überzeugen Deine Argumente letztlich nicht, da Proust eben auch ohne diesen Teppich gelesen werden kann. Gerken beispielsweise fand den 5. Band im Gegensatz zum abgebrochenen 1. Band äußerst spannend zu lesen. Nachdem sie diesen Band gelesen hatte, war sie in der Sprache Prousts drin und fand nun plötzlich auch den 1. Band toll. Ich halte sie jedoch nicht für eine Ausnahmeleserin. Ich kann ihre

Es mag einem das ein oder andere entgehen, die Figuren leben aber - auch wenn man nicht jeden Bezug versteht - auch innerhalb eines Bandes. Und welcher Durchschnittsleser versteht schon jede Anspielung. Erst jetzt, wo ich Gerken lese, sehe ich wie viel mir beim Lesen entgangen ist. Bei Beginn in Band 2 kann man durchaus Spaß an dem Buch haben.  Mir hat Proust (obwohl viel unentdeckt) schon bei der ersten Lektüre so viel gegeben, dass ich es für eine meiner besten Leseerlebnisse halte.

Schöne Grüße,
Thomas



Schöne Grüße,
Thomas



Offline sandhofer

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Re: Marcel Proust - Im Schatten junger Mädchenblüte
« Antwort #36 am: 14. Mai 2007, 17:11 »
@sandhofer: Mich überzeugen Deine Argumente letztlich nicht,

Das ist mir schon klar ...  :breitgrins:

[...] da Proust eben auch ohne diesen Teppich gelesen werden kann.

Natürlich. Man kann auch die Unterhosen über die Jeans anziehen und heute kann man sogar so auf die Strasse ohne aufzufallen. Anything goes - ich weiss, ich weiss.

Gerken beispielsweise fand den 5. Band im Gegensatz zum abgebrochenen 1. Band äußerst spannend zu lesen.

Der fünfte - das wäre La Prisonnière, ja? Hm ... mir will scheinen, das wirft ein bezeichnenderes Licht auf Gerken als auf Proust ...

Und welcher Durchschnittsleser versteht schon jede Anspielung. Erst jetzt, wo ich Gerken lese, sehe ich wie viel mir beim Lesen entgangen ist.

Ja, aber Du hast den ganzen Text schon durchgelesen. Erhellende Sekundärliteratur nach (oder meinethalben auch vor) Lektüre des ganzen Textes ist etwas ganz anderes als mitten im Text einsteigen. Natürlich gehört A la recherche du temps perdu zu den Texten, die man wieder und wieder lesen sollte, weil sie einem immer neue Dimensionen erschliessen. Aber deswegen würde ich einem Anfänger in Sachen Recherche nie empfehlen, mitten drin einzusteigen.
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Offline klassikfreund

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Re: Marcel Proust - Im Schatten junger Mädchenblüte
« Antwort #37 am: 14. Mai 2007, 17:14 »
Gerken beispielsweise fand den 5. Band im Gegensatz zum abgebrochenen 1. Band äußerst spannend zu lesen.

Der fünfte - das wäre La Prisonnière, ja? Hm ... mir will scheinen, das wirft ein bezeichnenderes Licht auf Gerken als auf Proust ...

Ja, Die Gefangene. Welches Licht wirft das denn Deines Erachtens auf die Autorin Gerken?

Gruß, Thomas

Offline sandhofer

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Re: Marcel Proust - Im Schatten junger Mädchenblüte
« Antwort #38 am: 14. Mai 2007, 17:24 »
Ja, Die Gefangene. Welches Licht wirft das denn Deines Erachtens auf die Autorin Gerken?

Es war für mich, als ich A la recherche du temps perdu auch noch nicht gelesen hatte, anhand der Sekundärliteratur der Teil, der am meisten "Äggschen" versprach. (Er hat es dann, Gott sei Dank, nicht gehalten  :breitgrins: ... )
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Offline JMaria

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Re: Marcel Proust - Auf der Suche nach der verlorenen Zeit
« Antwort #39 am: 6. März 2009, 15:45 »
Hallo zusammen,

ich hol mal für folgende Buchvorstellung, diesen älteren allgemeinen Thread über Proust hervor.
Deutschlandfunk stellt ein Buch vor, eigentlich ein Essay, das mir sehr erwähnenswert erscheint:

Aus Liebe zu Marcel Proust

vorgestellt wird das Buch "Proust: Vorträge im Lager Grjasowez" von Joseph Czapski



Viele Grüße
Maria
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Re: Marcel Proust - Auf der Suche nach der verlorenen Zeit
« Antwort #40 am: 6. März 2009, 16:41 »
Habe ich auch gelesen. Sehr lesenswerter Essay.

Gruß, Thomas

Offline Manjula

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Re: Marcel Proust - Auf der Suche nach der verlorenen Zeit
« Antwort #41 am: 6. März 2009, 18:15 »
Hallo Maria,

das klingt sehr interessant und ist schon auf die Wunschliste gewandert.

Zitat
Erst als sein Französisch besser wurde und eine Typhus-Erkrankung ihm die nötige Muße bescherte, konnte er die "Suche nach der verlorenen Zeit" genießen und bewundern.

Ich stelle es mir merkwürdig vor, dieses Buch als Kranker zu lesen. Andererseits hätte er sich später sicher in sein Krankenbett zurückgewünscht.

Zitat
Als Leser ist er ein Amateur, übersetzt heißt das, ja, ein Liebender.

 :smile:

Viele Grüße und ein schönes Wochenende
Manjula
"Kunst soll keine Schulaufgabe und Mühseligkeit sein, keine Beschäftigung contre cœur, sondern sie will und soll Freude bereiten, unterhalten und beleben, und auf wen ein Werk diese Wirkung nicht übt, der soll es liegen lassen und sich zu andrem wenden."

Offline Steffi

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Re: Marcel Proust - Auf der Suche nach der verlorenen Zeit
« Antwort #42 am: 7. März 2009, 14:58 »
Hallo Maria,

das klingt sehr interessant, danke für den Hinweis.

Es erinnert mich auch an eine Biografie, in der die Häftlinge sich Moby Dick aufgeteilt und gelesen haben und diese Teile wie einen Schatz gehütet haben.

Gruß von Steffi
Gruß von Steffi

Offline JMaria

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Re: Marcel Proust - Auf der Suche nach der verlorenen Zeit
« Antwort #43 am: 28. März 2009, 09:42 »
Hallo zusammen,

in München und Köln gibt es in diesem Jahr eine Ausstellung einiger noch unbekannter Briefe des Autors:

Briefe aus dem Papierkorb

Cher ami . . . - Marcel Proust im Spiegel seiner Korrespondenz. Literaturhaus München, bis 7. Juni.
Danach von 28. Juni bis 6. September im Museum für Angewandte Kunst Köln.


Gruß
Maria
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Offline JMaria

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Re: Marcel Proust - Auf der Suche nach der verlorenen Zeit
« Antwort #44 am: 19. Mai 2009, 11:17 »
Hallo zusammen,

anlässlich der Proust Ausstellung in München (siehe obiger Beitrag), gibt es eine Lesung aus dem Jahre 1971 von Percy Adlon, damals zum 100. Geburtstag Marcel Proust aufgenommen.

http://www.br-online.de/podcast/mp3-download/bayern2/mp3-download-podcast-radiotexte.shtml

Viele Grüße
Maria
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