an sekundärliteratur über kafka kenne ich nur 2 schriften seines freundes, herausgebers und biographen, max brod: franz kafkas glauben und lehre, sowie verzwiefelung und erlösung im werk franz kafkas (zu sammen mit einer biographie in -max brod -über franz kafka, fischer tb). Brod analysiert das werk tasächlich in einem religiösen sinne, allerdings auf zwie ebenen: in der einleitung zu glauben und lehre heißt es:
Der kafka der aphorismen hat das 'unzerstörbare' im menschen erkannt, er hat zu dem metaphysischen kern der welt ein positives gläubiges verhältnis. Er ist ein held vom rang eines propheten, der um seinen glauben unter tausend anfechtungen ringt, wobei er aber des himmels, des transcendenten im wesentlichen gewiß ist.
Der kafka der romane und novellen zeigt den irrenden menschen in all seinen schrecken, seiner verlassenheit, -den menschen, der den zusammenhang mit eben jenem 'unzerstörbaren', von dem die aphorismen und oft auch die tagebücher melden, vrloren hat, -den menschen, der im glauben unsicher geworden, gestört ist, den halt- und ratlosen menschen, zu dem hin jener urglaube nur noch von ferne, fast unerreichbar, fast unverständlich, wie eine dunkle ahnung erklingt...
In den aphorismen gibt kafka...das postive wort, das er der menschheit zu sagen hat, einen glauben, eine strenge aufforderung, das persönliche leben jedes einzelnenzu ändern...
In den romanen und erzählungen schildert er die grauenhaften strafsanktionen, die eintreten, wenn man das wort nicht hört, den rechten weg verläßt. Das negative wort ertönt hier, das urteil, das gericht."
Brod weist andere interpretationen zurück, zB die, die kafka in die ecke des nihilismus oder des existenzialismus rücken wollen.
Im nachwort (zum schloß oder prozeß) sieht er demgemäß das schloß als die instanz der gnade, als die göttliche lenkung menschlichen schicksals und die wirksamkeit der zufälle. Der prozeß und das schloß seien die beiden erscheinungsformen der gottheit (im sinne der kabbala) -gericht und gnade. Sie zeigen auch den abstand menschlichen begeifens und göttlicher gnadenfügung. Der mensch ist scheinbar im recht und hat dennoch auf unbegreifliche art unrecht.
Mir erscheint diese sichtweise nicht als unplausibel. Die welt kafkas mit ihren verwandlungen in tiere, den gerichten auf dachböden, und den zugängen zu den gerichtssälen durch die betten der hausbewohner ist IMO viel zu irreal, um als aller transzendenz beraubt zugelten. Sofern ich mich richtig erinnere, sind die figuren kafkas zu verschieden von denen camus oder sartre's, um als existenzialistisch oder nihilistisch zu gelten.
Inwieweit die aphorismen jetzt dazu noch als religionsstiftend gelten können, vermag ich nicht zu beurteilen, weil ich sie nicht kenne.
Wahrscheinlich gibt es noch ganz andere interpretatitionsschienen (zB psychoanalytisch), die diese nur religiös motivierte sichtweise ablehnen. Aber vielleicht macht diese letztlich nicht zu beseitigende unverstehbarkeit und rätselhaftigkeit wirkliche kunst aus.
gruß hafis