Autor Thema: neue Musik  (Gelesen 7249 mal)

Offline Melan

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neue Musik
« Antwort #15 am: 6. August 2004, 17:37 »
Holla den Thread ganz vergessen  :entsetzt:

Hallo Finsbury

Nein, habe leider noch nie was davon gehört, vom Komponisten auch nicht. Auch neue Musik nehm ich an?!

Hallo Hubert

Tut mir Leid das ich dir bisher nicht geantwortet habe. Ich bin leider nicht jeden Tag hier im Klassikerforum und bei der Fülle an interessanten Beiträgen vergesse ich, wo ich selber was geschrieben habe oder etwas schreiben sollte.

Von Reich kenne ich ausser Different Trains nur Electric Counterpoint, welches ja auf der Different Trains CD ist und soweit ich mich erinnere hab ich auch mal in City Life reingehört.
Die sogenannte "Neue Musik" etabliert sich ca. ab 1910 mit dem Durchbruch der Atonalität. Sie wird als einer der tiefsten Einschnitte in der Musikgeschichte betrachtet und soweit ich weiss auch viele Komponisten wie Richard Wagner und Gustav Mahler standen ihr eher kritisch oder sogar verständnislos gegenüber, vor allem wegen der herrschenden Dissonanz.
Schönberg zählt man zur "neuen Musik" allerdings gibt es da laut Lehrbuch mehrere Einteilungen. Schönberg zählt in diesen Einteilungen zur Spätromantik (wie auch Wagner und Mahler - Spätromantik gehört aber nicht zur "Neuen Musik"), begründet aber mit der Zwölftonmethode die Neue Wiener Schule, zu der auch seine Schüler Webern und Berg gezählt werden. Weiter gibt es z.B. den Neoklassizismus mit Strawinsky, Hindemith (die Werke der beiden kenne ich persönlich nicht), den Impressionismus und den Expressionismus (Bartok und ebenfalls Strawinsky). Ab ca 1950 entstehen weitere Formen der "Neuen Musik" z.b. Elektronische Musik, Serielle Musik, Klangflächenmusik, Aleatorik, Postmoderne neue Einfachheit oder eben die Minimal Music mit Reich und Philipp Glass.
Der Begriff "Neue Musik" bezeichnet also eigentlich lediglich die Entwicklungen des 20 Jahrhunderts im Bereich der Musik. (Natürlich ohne die unzähligen Jazz Formen und als Folge davon Rock oder Metal.)

Achtung: Soweit ich mich entsinne habe ich nicht geschrieben dass mir Klassische Musik nicht gefällt, lediglich dass ich sie nicht oder nur sehr selten höre. Auch mag ich Schönberg nicht so wie ich zum Beispiel Pink Floyd mag; Schönberg kann man sich nicht zwischendurch mal anhören, man muss seiner Musik schon aktiv zuhören, was ja auch eine Folge der Neuen Musik ist, das Neue Hören, sogenanntes Strukturelles Hören.

In den Schulen wird wohl auch nicht überall einheitlich eingeteilt. Bei uns wurde es nur sehr grob eingeteilt, wir konzentrierten uns primär auf das 20 Jahrhundert. So im groben würde ich sagen ist die Einteilung folgende:
Mittelalter, Renaissance, Barock, Klassik, Romantik, 20 Jahrhundert, was natürlich der Vielfalt der Stilrichtungen nicht gerecht wird (wie in der Kunst).

Alles hier natürlich sehr Musiktheoretisch, aber wie bei der Frage was den ein Literaturklassiker ist, muss auch hier ein Konsens gefunden werden damit man darüber sprechen kann. (Ohne den Anspruch erheben zu wollen dass oben geschriebenes alles stimmt, ist lediglich dass was ich so gelernt habe ;))

Sorry nochmal für die sehr verspätete Antwort.
Gruss
Melan

Offline finsbury

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Shostkovitch und neue Musik
« Antwort #16 am: 7. August 2004, 06:29 »
Zitat von: Melan


Nein, habe leider noch nie was davon gehört, vom Komponisten auch nicht. Auch neue Musik nehm ich an?!


Nein, kein Zwölftöner und nur eingeschränkt atonaler, wobei ich von den Definitionen wenig bis keine Ahnung habe,
Aber er definiert die Form und den Inhalt der Musik anders: Er betreibt z.B. mit Musik Kritik am Einmarsch der Deutschen und am Faschismus, aber auch am Stalinismus. Ich bin erst im Rahmen eines Musikseminars darauf aufmerksam geworden, wie er mit klassischer Musik Gesellschaftskritik betrieben hat, und zwar so sehr, dass er mit den Herrschenden Schwierigkeiten bekam. Wenn er auch später  verbal zurückgerudert ist, um in der UdSSR bleiben zu können, hat er  doch mit seiner musikalischenKritik nie aufgehört.

Gruß
finsbury
Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene
Meer in uns. (Kafka)

Offline Gitta

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Re: Shostkovitch und neue Musik
« Antwort #17 am: 7. August 2004, 12:21 »
Zitat von: finsbury
   
...wie er mit klassischer Musik Gesellschaftskritik betrieben hat, und zwar so sehr, dass er mit den Herrschenden Schwierigkeiten bekam. Wenn er auch später  verbal zurückgerudert ist, um in der UdSSR bleiben zu können, hat er  doch mit seiner musikalischenKritik nie aufgehört.


Hallo finsbury,

leider durfte sich Schostakowitsch in der Sowjetunion auch musikalisch nicht so ausdrücken wie er wollte. Er hätte sich gern - u. seinem Können angemessen - den westlichen modernen Schulen angeschlossen (u.a. der atonalen Richtung). Seine Oper "Lady Macbeth von Minsk" z. B. erregte bei den Herrschenden Mißfallen u. Sch. mußte sich "bessern". Ich meine, irgendwo gelesen zu haben, daß er Werke in seinem Sinn zurückgehalten hat, da sie eine Gefahr für ihn gewesen wären. Eigentlich schlidderte Sch. immer gerade so am Lager vorbei, weil er halt ein Aushängeschild für die Partei war.

@ Melan: Ja, Schönberg hat bis zu seiner Erfindung der Zwölftonmusik durchaus noch im spätromantischen Stil geschrieben.
Eine kleine Berichtigung: Wagner starb 1883, konnte also kaum etwas von der atonalen Musik mitbekommen haben. :zwinker:
Zitat
Strawinsky, Hindemith (die Werke der beiden kenne ich persönlich nicht

Empfehlung: Anhören, es lohnt sich!  :smile:

Grüße,
Gitta
the show must go on. Queen

Offline Melan

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Re: Shostkovitch und neue Musik
« Antwort #18 am: 7. August 2004, 12:40 »
Zitat von: Gitta

Eine kleine Berichtigung: Wagner starb 1883, konnte also kaum etwas von der atonalen Musik mitbekommen haben. :zwinker:


Hallo Gitta

Wäre dann die logische Schlussfolgerungen, ja.  :breitgrins:
Um mich zu verteidigen und meine mangelnde musikalische Kompetenz auf dem Gebiet (welche ich zweifellos mein eigenen nennen "darf") zu vertuschen, möchte ich folgendes Zitat, welches aus meinem Musik Lehrbuch aus der Schule stammt, hier anbringen: "Selbst die Komponisten, die bis dahin die Entwicklung vorangetrieben hatten - wie Richard Wagner, Gustav Mahler und Max Reger - stehen ihr (der neuen Musik) verständnislos gegenüber."
Aus dem hab ich gefolgert, dass Richard Wagner wohl mit Atonaler Musik konfrontiert war. Vielleicht mit ersten frühen Formen oder Versuchen. Naja, schlussendlich eigentlich unwichtig.  :zwinker:

Gruss
Melan

Offline Hubert

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Die Vielfalt der Musik im 20. Jahrhundert
« Antwort #19 am: 15. August 2004, 17:11 »
Zitat von: Melan
Schönberg zählt man zur "neuen Musik" allerdings gibt es da laut Lehrbuch mehrere Einteilungen. Schönberg zählt in diesen Einteilungen zur Spätromantik (wie auch Wagner und Mahler - Spätromantik gehört aber nicht zur "Neuen Musik"), begründet aber mit der Zwölftonmethode die Neue Wiener Schule, zu der auch seine Schüler Webern und Berg gezählt werden. Weiter gibt es z.B. den Neoklassizismus mit Strawinsky, Hindemith (die Werke der beiden kenne ich persönlich nicht), den Impressionismus und den Expressionismus (Bartok und ebenfalls Strawinsky). Ab ca 1950 entstehen weitere Formen der "Neuen Musik" z.b. Elektronische Musik, Serielle Musik, Klangflächenmusik, Aleatorik, Postmoderne neue Einfachheit oder eben die Minimal Music mit Reich und Philipp Glass.
Der Begriff "Neue Musik" bezeichnet also eigentlich lediglich die Entwicklungen des 20 Jahrhunderts im Bereich der Musik.



Hallo Melan,

vielen Dank für Deine ausführliche Antwort. Im Prinzip sehe ich das genauso. Mein Anliegen wäre höchstens, dass man den Begriff „Neue Musik“ (da inzwischen meist nicht mehr neu und außerdem zu vielfältig) auflöst und die Musik des 20. Jahrhunderts als Zwölftonmusik (Schönberg, Berg, Webern), Elektronische Musik (Stockhausen), Fluxus (John Cage), Minimal Music (Reich, Glass) oder was auch immer bezeichnet. Dann kann man auch sagen, ich mag Elektronische Musik oder ich mag Minimal Music, aber die Frage was man von  „Neuer Musik“ hält, was dieser Thread eigentlich fragt, ist wegen der Artenvielfalt, m.M.n. nicht zu beantworten.

Gruß von Hubert

Offline Gitta

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neue Musik
« Antwort #20 am: 17. Oktober 2004, 15:55 »
Zitat von: Hubert
  aber die Frage was man von  „Neuer Musik“ hält, was dieser Thread eigentlich fragt, ist wegen der Artenvielfalt, m.M.n. nicht zu beantworten.

Hallo,

absolut. Zur Umfrage noch: Wenn man sich denn für eine der Alternativen entscheiden solllte, fehlt m. M. nach eine Frage etwa im Sinne von "Ich finde schwer Zugang zu neuer Musik". Ansonsten könnte ich keine der Fragen als für mich passend beantworten.

Gruß,
Gitta
the show must go on. Queen

Offline Locis

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neue Musik
« Antwort #21 am: 25. Oktober 2004, 22:53 »
Hallo. Hier bin ich neu und will gleich in so einen schweren Thread rein; und zwar mit Empfehlungen. Schostakowitsch wurde ja erwähnt und da wir im klassikerforum sind, wollte ich noch einige Klassiker der Moderne anführen, um dem einen oder anderen vielleicht einen Einstieg zu erleichtern.

Ich beanspruche auch keine Vollständigkeit, sondern gehe von meinen Hörerfahrungen aus.

Hören lohnt sich:

Sinfonien, Violinkonzert, Streichquartette, Klaviermusik von Schostakowisch
Sinfonien, violinkonzerte, Klaviersonaten, Lieder von Prokofieff,
Orchesterwerke von Stravinsky (besonders: Le Sacre du printemps)
Orchesterwerke von Bartok (besonders: Konzert für Orchester)
Violinkonzert von A. Berg
Westsidestory, Candide von Bernstein

weitere Komponisten: Barber, Britten, Copland, Dukas, Hindemith, Honegger, Penderecki.

Offline Gitta

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neue Musik
« Antwort #22 am: 25. Oktober 2004, 23:34 »
Hallo Locis,

willkommen hier! Eine Verstärkung bei der Musikabteilung ist nicht schlecht!  :smile:
Zitat von: Locis
....   Violinkonzert von A. Berg

Welche Aufnahme(n) hast Du? Ich kann diese wärmstens empfehlen. D. Hope hat vor kurzem den Brits Award gewonnen, das ist die höchste Auszeichnung für Musiker in GB.



Fast alle Deiner anderen Tipps finde ich auch gut.

Gruß,
Gitta
the show must go on. Queen

Offline Locis

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neue Musik
« Antwort #23 am: 25. Oktober 2004, 23:41 »
Ich habe eine ältere Aufnahme der Deutschen Grammophon mit Szeryng und Kubelik am Pult.

Schön, gleichgesinnte zu treffen...

Lieben Gruß,
L.