Autor Thema: Juli 2003: Jens Peter Jacobsen - Niels Lyhne  (Gelesen 4514 mal)

Offline Karin

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Juli 2003: Jens Peter Jacobsen - Niels Lyhne
« am: 22. Juli 2003, 12:23 »
Eines der besten Bücher, die ich je gelesen habe. Ich war fasziniert von Anfang bis zum Ende. Wehmutig, melancholisch, suchend...niemals findend...Bin im Zuge einer Rilke-Biographie darauf gestossen, Rilke hat Jacobsen ja sehr verehrt. Und da ich Rilke sehr verehre, war's nur ein kleiner Schritt...

Ciao  :winken:
Karin
« Letzte Änderung: 20. August 2006, 17:28 von sandhofer »
Wie soll ich meine Seele halten, daß sie nicht an Deine rührt...?

Offline nimue

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Re: Jens Peter Jacobsen - Niels Lyhne
« Antwort #1 am: 22. Juli 2003, 13:17 »
Hallo Karin,

leider kenne ich das Buch nicht, aber ich habe es mir mal geistig notiert! Vielen Dank für den Tipp!

Und nun natürlich noch ein herzliches Willkommen in unserem Klassikerforum. Viel Spaß!  :klatschen:

Liebe Grüße
nimue

Offline Hubert

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Jens Peter Jacobsen
« Antwort #2 am: 23. Juli 2003, 22:58 »
Hallo Karin,

herzlich willkommen hier im Klassikerforum und vielen Dank, dass Du uns eines Deiner Lieblingsbücher vorgestellt hast. „Niels Lyhne“ von Jens Peter Jacobsen, ist das nicht ein Buch, das man gemeinhin als Entwicklungsroman bezeichnen könnte? Kannst Du noch etwas mehr zu dem Buch sagen, (das Rilke den Autor verehrte, sagt ja nichts über die Qualität des Buches aus)? Hat Dir auch der eine oder andere von unseren Lesevorschlägen gefallen?

Ciao  

Hubert

Offline Karin

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Karin
« Antwort #3 am: 24. Juli 2003, 12:25 »
Hallo Hubert!

Oh, das schmerz mein Rilke-Herz! Für mich ist alles, was er verehrte, ebenfalls verehrungswürdig, so auch JPJ. Lies das Buch mal und sag mir, ob's Dir gefallen hat, ich will gar nicht so viel vorweg erzählen. Empfinde ohne Vorwissen! Die Reclam-Ausgabe ist ziemlich dünn und schnell zu lesen. Viel Spaß dabei!
 :sonne:

Ciao, Karin
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Offline litfink

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Rilke
« Antwort #4 am: 24. Juli 2003, 22:46 »
Karin,
schön deine Buch-Empfehlung!

Hoffe du bist der Paula Modersohn-Becker nicht böse, die von Rilke in der Worpsweder Zeit gesagt hat

"er hält es mit jedem".

Ich bin sicher, dass Rilkes Bedeutung zunehmen wird.
Eine Folge konsequenter Augenblicke ist immer eine Art von Ewigkeit selbst.

Offline Lucien

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@ Karin: Niels Lyhne
« Antwort #5 am: 6. August 2003, 12:57 »
Habe das Buch in diesem Frühjahr gelesen, aus eben denselben Motiven heraus wie du auch... War von der Sprachkraft und der gefühlsmäßigen Dichte des Buches sehr angetan... Einige Passagen sind wirklich zum Einrahmen wunderschön...

Negativ anzumerken ist allerdings, dass das Buch gegen Ende unheimlich abbaut gerade was den Handlungsverlauf betrifft. Jacobsen hat ja insgesamt 8 Jahre an dem Buch gearbeitet, und die Vermutung liegt nahe, dass er es dann irgendwann einfach abschließen wollte; so steht es auch in dem Nachwort meiner Reclam-Ausgabe...

Aber auf jeden Fall sehr zu empfehlen (für Rilke-Begeisterte sogar ein "Muss" !).

bye,  :winken:
Lucien

Offline Hubert

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Rilkes Urteil
« Antwort #6 am: 10. August 2003, 20:26 »
Hallo Karin,

da Du nicht mehr zu „Niels Lyhne“ sagen wolltest, außer dass Rilke den Autor verehrte, und auch die Postings von litfink und Lucien mich nicht überzeugten, habe ich selbst noch recheriert.

Die Meinung von Paula Modersohn über Rilke, teile ich: : "er hält es mit jedem". Und wer über Baudelaires „Les fleurs du mal“ : „ein Buch fürs Leben, für alle Leben“, urteilt, dessen literarisches Urteil kann ich nicht mehr ernst nehmen. Außerdem kann ich nicht verstehen, wieso Du  „alles, was er verehrte, ebenfalls verehrungswürdig“ findest. Ich z.B. finde Stierkampf, den Rilke verehrte, abscheulich!  Soviel zu Rilke, jetzt zu Jacobsens Roman:

„Sprachkraft und gefühlsmäßige Dichte“ die Lucien für den Roman reklamierte, sind für mich Kriterien für Lyrik und ev. noch für Dramatik. .Bei Romanen die mehr von meiner Lebenszeit in Anspruch nehmen, als ein Gedicht oder ein Schauspiel, muss mich zumindest noch das Thema interessieren und da ergaben meine Recherchen das folgende:

Der Protagonist Niels Lyhne scheitert an dem Versuch einer Versöhnung von Phantasterei und Atheismus. Da ich mich aber weder für Phantasterei noch für Atheismus und deshalb auch nicht für eine Versöhnung der Beiden interessiere wirst Du sicher verstehen, dass ich mit der Lektüre des Romans noch warte, bis Du mich mit Argumenten die für das Buch sprechen, überzeugst.

Ciao, Hubert

Offline Karin

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September 2003: Jens Peter Jacobsen: „Niels Lyhne“
« Antwort #7 am: 12. August 2003, 12:34 »
Lieber Hubert!

Für mich ist es eines der besten Bücher der Welt! Und sollte es nie wieder wer lesen, was kümmert's mich?
Nachstehend eine Kurzbeschreibung vom Werk selbst, falls das Deine negative Haltung doch noch beeinflussen sollte!!

Kurzbeschreibung:
Geschildert wird die Entwicklung der Hauptfigur Niels Lyhne, der auf einem Gut in Jütland im Spannungsfeld elterlicher Gegensätzlichkeiten heranwächst. Die Auswirkungen determinierender Erbfaktoren werden verstärkt durch Erziehung und prägende Erlebnisse, sie >>formen an dem weichen Ton, alles formt daran, alles hat Bedeutung<<. Die Begegnung mit seiner jungen, Züge einer Femme fatale tragenden Tante Edele lässt in dem zwölfjährigen Niels erste erotische Empfindungen erwachen. Ihr Tod führt zum Verlust des kindlichen Glaubens. Als Student in Kopenhagen verliebt sich Niels in Tema Boye, hinter deren ostentativ zur Schau gestellten unkonventionellen Ansichten sich eine zutiefst bürgerlich-konservative Lebenshaltung verbirgt. Der Tod der Mutter und die Verlobung von Frau Boye mit einem Mann der Kopenhagener Gesellschaft lassen Niels vereinsamen. Später verliebt er sich in seine Kusine Fennimore, die ihm aber seinen Freund Erik, einen Maler und Bildhauer, vorzieht. Drei Jahre später besucht Niels das Paar und zwischen ihm und Fennimore entwickelt sich eine Liebesbeziehung, die nach Eriks plötzlichem Tod durch einen Hassausbruch Fennimores jäh beendet wird. Nach einsamen Jahren im Ausland kehrt Niels auf das väterliche Gut zurück und heiratet die 17-jährige Gerda, die aus Verehrung und Liebe zu ihm seine atheistische Weltanschauung übernimmt, in ihrer Sterbestunde jedoch zum Glauben zurückkehrt. Auch Niels gibt angesichts des Leidens seines todkranken Kindes vorübergehend seine Überzeugung preis - eine >>Fahnenflucht<<, ein >>Abfall von sich selbst<<, der ihn halb bewusst im Deutsch-Dänischen Krieg von 1864 den Tod suchen lässt. Schwer verwundet fantasiert er davon, dass er >>stehend sterben<< wolle und weist das Angebot geistlicher Betreuung zurück.

Ciao, Karin
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Offline Hubert

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Niels Lyhne
« Antwort #8 am: 13. August 2003, 10:28 »
Liebe Karin,

Du hast es geschafft. Ich werde den Roman „Niels Lyhne“ von Jens Peter Jacobsen lesen. Zugegeben, auch die von Dir nun nachgelieferte Beschreibung hat mich nicht ganz überzeugt, mehr allerdings als die von mir vorher gefundene Kurzbeschreibung (1 Satz) in einem Bücherkanon. Was mich aber überzeugt hat, ist Deine Begeisterung für das Buch und so habe ich mir gedacht, wenn sich die Karin so für das Buch einsetzt, dann ist da wahrscheinlich mehr dahinter als alle Beschreibungen ahnen lassen.

Wenn ich es gelesen habe (das kann aber noch etwas dauern) werde ich Dir berichten.

Liebe Grüße

Hubert

Offline Karin

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September 2003: Jens Peter Jacobsen: „Niels Lyhne“
« Antwort #9 am: 13. August 2003, 12:07 »
Hallo Hubert  :blume: !

So, jetzt bin ich aber sehr froh, daß ich Dich doch noch überzeugen konnte! Natürlich nehme ich von einer Person (z.B. RMR) nicht alles gedankenlos an, Gutes wie Schlechtes, natürlich hinterfrage ich. Und das alles hat ja eigentlich gar nichts mit ihm zu tun...
Ich freu mich schon, wenn Du es liest und hoffe, Du wirst mir berichten!

Bis bald, Karin
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Offline amelie

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September 2003: Jens Peter Jacobsen: „Niels Lyhne“
« Antwort #10 am: 13. August 2003, 12:22 »
Hallo Karin!

Ich finde, das Buch hört sich äusserst interessant an, und da ich nicht nur RMR sehr mag, sondern auch Bücher, die die Seele mitreissen und bewegen werde ich es wohl lesen  :winken:
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Offline Hubert

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Nils ..
« Antwort #11 am: 7. September 2003, 22:11 »
Hallo Amelie,

hast Du schon angefangen? Wenn nicht, könnten wir es ja vielleicht zusammen lesen.

Gruß

Hubert

Offline amelie

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September 2003: Jens Peter Jacobsen: „Niels Lyhne“
« Antwort #12 am: 8. September 2003, 12:05 »
Hallo Hubert,
eine gute Idee!
Ich bin allerdings schon auf Seite 100, würde mir aber nichts machen, auf dich zu warten. Demnächst bin ich eh für einige Tage verreist, da werde ich kaum zum lesen kommen :rollen:
Aber ich bin mir sicher, du wirst recht schnell aufgeholt haben, da es sich ser gut liesst.

liebe Grüße von amelie
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Offline Hubert

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„Niels ...“, gemeinsam
« Antwort #13 am: 10. September 2003, 22:40 »
Hallo Amelie,

ich habe mir das Buch sofort besorgt, da aber in meiner Buchhandlung die von Karin empfohlene  „Reclam-Ausgabe“ nicht vorrätig war, habe ich, um keine Zeit zu verlieren, die „Insel-Ausgabe“ genommen. Jetzt weiß ich allerdings nicht ob Seite 100 in Deiner Ausgabe und Seite 100 in meiner identisch sind. Mein Text beginnt auf Seite 9 und endet auf Seite 279.
Meine Ausgabe hat Anke Mann übersetzt.

Gibt es in Deiner Ausgabe (ich unterstelle mal, Du hast das Reclambuch), Anmerkungen? Die habe ich schon vermisst und würde mir notfalls doch noch die Reclamausgabe zulegen.

Ist Dir aufgefallen, dass im 1. Kapitel ein „Ich-Erzähler“ erscheint: „Ich erzähle von ihr, so wie sie im Alter von siebzehn Jahren war; einige Jahre später, als sie verheirater war, ...“ (gleich auf der ersten Seite als Bartholine Blider vorgestellt wird), im weiteren Verlauf (ich bin allerdings erst im dritten Kapitel) aber ein auktorialer Erzähler berichtet und hast Du dafür eine Erklärung?

Liebe Grüße

Hubert

PS: Wenn Du diesen Thread das nächste Mal nicht mehr bei den Lesevorschlägen findest, dann habe ich ihn ins „Gemeinsame Lesen“ verschoben.

Offline amelie

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September 2003: Jens Peter Jacobsen: „Niels Lyhne“
« Antwort #14 am: 13. September 2003, 11:58 »
Aloa lieber Hubert!

 :breitgrins:

Ich habe weder Reclam noch Insel Ausgabe, da ich das Buch bei ebay für 1€ ersteigern konnte. Ich habe eine ganz alte Ausgabe, noch in deutscher alter Schrift. Der Überstzer war H. Bock- Neumann und es ist aus dem Paul Franke Verlag. Leider steht nicht darin, wann es erschienen ist, aber einer der Vorbesitzer hat die Jahreszahl 1927 neben seinen Namen notiert. Es geht von Seite 5 bis Seite 310. Das mit der Erzählform ist mir bis jetzt noch gar nicht aufgefallen... :redface:
Zu deiner besseren Orientierung: ich bin jetzt bei Kapitel IX.

liebe Grüße und so
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