Der Botaniker, Romancier und Lyriker Jens Peter Jacobsen (1847 bis 1885) ist nach Andersen und Kierkegaard der dritte dänische Autor mit großer internationaler Resonanz. Auf das frühe Werk deutscher Autoren um 1900 (Thomas Mann, Gottfried Benn u.a.) hat er eine erstaunliche Wirkung ausgeübt. Rilke pries ihn gar als seinen geistigen Mentor („Er war mir ein Begleiter im Geiste und eine Gegenwart im Gemüt“). Das vielschichtige Werk Jacobsens entfaltet sich in der Spannung von Naturalismus und Symbolismus, Atheismus und Naturmystik, Lebenslust und Lebensangst. Mit 38 stirbt Jacobsen an Tuberkulose.
Einen Lebenslauf findet man unter:
http://www.robert-morten.de/baseportal/Redaktionssytem/britannia_mini_detail&Id==2475Lebenslauf und Bibliographie aus dem Biographisch-Bibliographischen Kirchenlexikon
http://www.bautz.de/bbkl/j/jacobsen_j_p.shtmlHAUPTWERKE (daneben gibt es weitere Novellen und Gedichte)
1868/69 GurreliederGedichtzyklus der einen in dänischen Volksliedern überlieferten Sagenstoff gestaltet. Zu Lebzeiten Jacobsens unveröffentlicht. Im Nachlass fand sich die Fragment gebliebene Novelle „Ein Kaktus erblüht“ in deren Rahmenhandlung fünf junge Dichter dem Gastgeber und seiner hübschen Tochter aus ihren Manuskripten vorlesen, während man auf das Aufblühen eines Kaktus wartet, der nach neunjähriger Pflege eine Blüte bekommen hatte, die sich im Laufe der Nacht erschließen würde. In einer Episode wird in Versen die Geschichte des dänischen Schlosses Gurre erzählt, eine mittelalterliche Legende mit historischem Kern im Stil an „Gothic fiction“ erinnernd: Der Dänenkönig Waldemar liebt die schöne Tove und lässt sie auf seine Burg Gurre bringen. Die eifersüchtige Königin Helvig lässt das Mädchen umbringen, worauf der König Gott verflucht und zur Strafe nach seinem eigenen Tod jede Nacht mit seinem Gefolge aus den Gräbern steigen und umherreiten muß.
1897 erschienen die Gurrelieder in Wien in einem Band „Gedichte von Jens Peter Jacobsen“, übersetzt von R.F.Arnold. Diese Übersetzung Arnolds benutzte Arnold Schönberg als textliche Vorlage für seine „Gurre-Lieder“, durch die dieser Zyklus Jacobsens in den Konzertsälen der Welt berühmt wurde. Schönbergs Vertonung entstand zwischen 1900 und 1902 ein Werk zwischen Liederzyklus und Oratorium mit riesiger Besetzung. Die „Gurrelieder“ sind Schönbergs wichtigster Beitrag zur Musik der Spätromantik. Ihre Uraufführung am 23.2.1913 war der überwältigendste Erfolg in der Laufbahn von Arnold Schönberg.
1872 MogensNaturalistische Novelle mit symbolistischen Zügen. Die Novelle zeigt einerseits wie Jacobsen in der Tradition von Andersen und Heine steht, andererseits auch moderne, impressionistische Stilmittel. Am bekanntesten ist die Regenwetter-Szene, über die 1902 Rilke in seiner Worpsweder Monographie schrieb: „Mogens wurde aufgeschlagen, und schon war man mitten drin in der frohen, flimmernden, atemlosen Lebendigkeit dieses unvergesslichen Regenschauers.“
1876 Frau Marie GrubbeHistorischer Roman mit Episoden-Struktur. Porträt einer Frau, die zuerst mit einem Adligen, zuletzt mit einem Stallknecht verheiratet war.
1880 Niels LyhneEntwicklungsroman mit absteigender Lebenslinie (wie schon im ersten Roman). Den Bezugsrahmen bilden die Theorien von Darwin und Kierkegaard. Dargestellt werden ausgewählte Abschnitte aus Niels Lyhnes Leben von der Geburt, über die Begegnung mit fünf Frauen (Edele, Tema Boye, Fennimore, Madame Odéro, Gerda), die jeweils eine Entwicklungsstufe im Leben des Helden prägen, bis zu seinem Tod.
Bengt Algot Sörensen schreibt in seiner Jacobsen Biografie über den Roman: „Die geheime Mitte des Romans ist .... die existentielle Lebensproblematik der Titelfigur – wie in „Mogens“ und wie in „Frau Marie Grubbe“. Den Titelfiguren dieser drei Werke gemeinsam ist denn auch ihre Lebenssehnsucht, die vor allem in der Liebesleidenschaft zum Ausdruck kommt, sich aber auch als naturmystische Einheitssehnsucht äußern kann. Für Jacobsen bestand, ..., kein grundsätzlicher Unterschied zwischen der Natur um den Menschen und der Natur in dem Menschen. Natur und Psyche waren für ihn unmittelbar verbunden, da sie auf derselben Grundlage ruhten.“.