Hallo Adia,
dass der „Hirte“ Theodore der wahre Erbe von Otranto ist, war mir eigentlich von Anfang an klar, und da er nicht der Sohn von Alfonso sein konnte, war der Pfarrer als Zwischenglied ja unvermeidlich, das hat mich nicht groß überrascht obwohl es dann sehr spannend war, wie Walpole das ganze nach und nach auflöst. Oft entsteht ja mehr Spannung, wenn man das Ende schon ahnt, als wenn es überraschend kommt.
(Achtung!! nicht weiterlesen, wenn Du das Buch noch nicht zu Ende gelesen hast, mich hat die Spannung einfach mitgezogen und ich bin durch)
Obwohl Überraschungen gab es ja genug: z.B. wie der edle Frederick/Friedrich, der ja gekommen war um Manfred von Otranto zu vertreiben, plötzlich auf dieses Vorhaben verzichtet und diesem sogar seine Tochter Isabella zur Frau geben will, nur weil er auf dessen Tochter Mathilde scharf ist. Oder wie der Weg für Isabella zu ihrem Geliebten Theodore doch noch frei wird, weil Manfred dessen Geliebte, seine eigene Tochter, wenn auch versehentlich, meuchelt.
Fast unerträglich war für mich, Hippolite und ihre aufopferungsvolle, alles verzeihende Liebe zu Manfred, das fand ich schon schaurig, jedenfalls schauriger als die eigentlichen Gruselelemente: der Ahnherr der aus dem Rahmen seines Porträts heraussteigt (da bin ich von Woody Allen besseres gewohnt), oder das Skelett in der Mönchskutte. Selten aber, wenn überhaupt, habe ich einen Roman gelesen, bei dem auf so wenigen Seiten soviel passiert. Also langweilig wurde es nie, Walpole hat auf jeden Fall für Action gesorgt.
Liebe Grüsse von Hubert