hallo hubert,
ich empfange nur den wdr. Dort gibt es verschiedene programme, die sich an unterschiedliche altergruppen wenden. In dem einem wird das jüngere publikum bedient. Hier hört man nur aktuelle hits oder eben einige von mir erwähnte standards. Led zeppelin, dylan und die beatles gehören nicht dazu, aber eben einige hits, die schon bis zu 20 jahre alt sind (jacko, madonna, queen). Ich glaube also nicht, daß generationsfremde diese musik kaufen und hören. Das andere program bedient die älteren und spielt songs aus deren jugend. Gleiches gilt fürs musik-tv. Wenn etwas ein "klassiker" wäre, müßte es von den fremden generationen akzeptiert werden. Es gibt natürlich auch retro-wellen in der aktuellen jugendszene (zB die doors vor einigen jahren als promotionanhängsel eines kinofilms, oder eine teen-band, die abba-songs coverten). Nur zeigt das noch nicht, ob sich hier ein klassiker ankündigt. Dies hat mit der pop-kultur zu tun, die immer auf der suche nach "aktualität", einem neuen thema bzw. einem neuen trend ist. Gerade wird versucht, die 70er-jahre den heutigen jungen als trendy zu verkaufen, und schon kommen wieder lange haare und schlaghosen in mode und die musikindustrie begleitet diesen trend durchs recyklen der "passenden" musik. Gehört wird, was hipp ist, und da nur der wechsel dessen, was hipp ist, umsatz schafft, sehe ich nicht, wie sich hier in nennenswerten masse, wenn überhaupt, klassiker entwickeln können. Auch das übertragen von pop-songs in klassische musik könnte nur ein solcher trend sein, so wie es mal früher hipp war, klassische stücke in pop umzuschreiben.
Ich weiß also nicht, ob es im pop so etwas wie klassiker geben kann, und ich weiß auch nicht, ob die beatles oder andere schon einen klassikerstatus beanspruchen können. Die ursprüngliche frage war aber, wer aus den letzten 20 jahren ein klassiker werden könnte. Dylan und die beatles dürften damit aus der liste herausfallen, da sie für stile stehen, die in dieser zeit nicht hip waren.
Weiter besteht im bereich klassischer musik eine eher nationenübergreifende übereinstimmung dazu, was ein klassiker ist (jeder klassiker hat weltweit fans). Sind nicht die vorlieben in populärer musik nationalgebundener? Man kann natürlich darüber diskutieren, ob dies einem "klassikerstatus" im wege steht, aber ich tendiere zu dieser annahme, weil ich einen klassikerstatus auf eine höhere qualität zurückführe und qualität sich über andere, möglicherweise nationalgebundene beliebtheitsfaktoren abhebt.
Ich bin kein Beatlesfan und mag die Musik von Queen oder die Discohits der Bee Gees persönlich nicht, aber Madonna und Jackson noch viel weniger.
Unabhängig vom perssönlichen geschmack meine ich, dass madonna sowohl in musikalischer als auch in künsterischer qualität über den ganannten, außer vielleicht den beatles steht und dass dies somit einen klassikerstatus wahrscheinlicher macht. Und madonna ist im gegensatz zu den anderen unter den jungen seit langem kult.
Und was verstehst Du denn unter „ernster Musik“. Das ist doch ein Begriff aus der Mottenkiste. Oder willst Du wirklich behaupten, dass Mozarts Salzburger Sinfonien oder Brahms „Ungarische Tänze“ ernster sind bzw. weniger unterhaltend als John Lennons „Imagine“ oder Bob Dylans „Hurricane“. Wohlgemerkt, ich spreche jetzt nicht von Qualität, sondern nur von dieser unsinnigen Unterscheidung in U- und E-Musik
Ich denke schon, dass es sinn macht, zwischen U- und E-musik zu unterscheiden. Aber die definitionen sind natürlich etwas willkürlich. Ich würde als unterscheidungsmerkmale nennen: musik gemacht, mit dem anspruch auf hohe künstlerische qualität vs. gemacht mit dem anspruch auf hohe verkaufszahlen. Daraus folgt, daß erstere auch mit dem anspruch gemacht ist, zeitlich unbegrenzt zu wirken, während die zweite nur aktuelle und somit vorübergehende stimmungen bedienen soll. Nur wenn ich mich in einer solchen stimmung (noch) befinde, werde ich diese musik hören. Wenn diese bediente stimmung nicht mehr das aktuelle lebensgefühl anspricht, dann wird diese musik niemand mehr hören und deshalb bin ich skeptisch, ob es hier klassiker geben kann. Ich persönlich höre im u-bereich nur aktuelle titel, niemals oldies (also vor den 80ern), weil diese musik meinem lebensgefühl fremd ist.
Deshalb sind für mich brahms und mozart tatsächlich "ernster" als dylan: ich höre beide, aber niemals musik wie die von dylan.
Ein klassiker sollte unabhängig von diesem lebensgefühl sein. Das ist für mich zB bach, den ich zu allen zeiten mochte. Aber die u-musik, die ich als jugendlicher hörte, mag ich heute nicht mehr.
Ich glaube also, daß es "klassiker" eher (nur) aus dem e-bereich geben kann. In dieser hinsicht macht die unterscheidung zwischen u und e sinn.
Man könnte jetzt einwenden, dass manches, was heute als e-musik gilt, aus der u-musik kommt (zB "einfachere" stücke von teleman, händel etc., die heute noch bei "einfacheren" gelegenheiten gespielt werden). Das wären dann beispiele für klassiker aus der u-musik. Potentielle ähnliche klassiker aus der heutigen u-musik sehe ich aber nicht.
Oder doch: was ist mit volksliedern, karnevalsliedern u.ä.? Vielleicht gibt es hier die klassiker?
gruß hafis