Ich lese gerade Gläserne Bienen. Ist laut Umschlagstext kein Science Fiction, sondern ein "Zukunftsroman". Begründung dafür fehlt naturgemäß - selbstverständlich ist es Science Fiction. Zumindest in dem Maße, in dem auch Philip K. Dicks "Der dunkle Schirm" ("A scanners darkly", mit sehenswerter Verfilmung übrigens) Science Fiction ist. Ein Roman also, der wohl in den 1950er-Jahren spielt und ein, zwei Science-Fiction-Elemente enthält, die der Fantasie des Autors den benötigten Raum schaffen.
Ein leichter Reiter, der früher ein Rabauke war und in der "Kriegsschule" dann "Zucht" gelernt hat, ist aufgrunde seines "Defätismus" in der Armee gescheitert. "Defätismus" will heißen, er schafft es nicht, wenn er A sagt auch B zu sagen, wenn er spürt, dass B falsch ist oder falsch sein könnte. Seine früheres Rabaukentum, das "in seinen Papieren" vermerkt ist, macht das Leben und die Jobsuche für ihn nicht leichter.
Der Protagonist ist mit seinen, in abschweifendem Reflektieren dargebotenen Ansichten völlig aus der Zeit gefallen. Dieser Eindruck wird durch Jüngers, sicher auch schon zu Lebzeiten antiquierten, erhabenen und völlig ironiefreien Ton noch verstärkt. Wie auch durch den Umstand, dass es in der beschriebenen Welt, in der gleichsam gestern noch Pferde durch die Städte galoppiert sind, Filme mit Robotern, ähnlich denen aus Kleists "Über das Marionettentheater" oder ETA Hoffmanns "Der Sandmann", Alltag sind.
Die titelgebenden Gläsernen Bienen - Honig sammelnde Automaten - scheinen mir ein Sinnbild für die reine Natur und die blasphemische Technik zu sein - aber ich hab das Buch noch nicht zu Ende gelesen.