Autor Thema: Ernst Jünger  (Gelesen 4183 mal)

Offline Stoerte

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Re: Ernst Jünger
« Antwort #15 am: 8. Juni 2009, 15:27 »
Ich lese gerade Gläserne Bienen. Ist laut Umschlagstext kein Science Fiction, sondern ein "Zukunftsroman". Begründung dafür fehlt naturgemäß - selbstverständlich ist es Science Fiction. Zumindest in dem Maße, in dem auch Philip K. Dicks "Der dunkle Schirm" ("A scanners darkly", mit sehenswerter Verfilmung übrigens) Science Fiction ist. Ein Roman also, der wohl in den 1950er-Jahren spielt und ein, zwei Science-Fiction-Elemente enthält, die der Fantasie des Autors den benötigten Raum schaffen.

Ein leichter Reiter, der früher ein Rabauke war und in der "Kriegsschule" dann "Zucht" gelernt hat, ist aufgrunde seines "Defätismus" in der Armee gescheitert. "Defätismus" will heißen, er schafft es nicht, wenn er A sagt auch B zu sagen, wenn er spürt, dass B falsch ist oder falsch sein könnte. Seine früheres Rabaukentum, das "in seinen Papieren" vermerkt ist, macht das Leben und die Jobsuche für ihn nicht leichter.

Der Protagonist ist mit seinen, in abschweifendem Reflektieren dargebotenen Ansichten völlig aus der Zeit gefallen. Dieser Eindruck wird durch Jüngers, sicher auch schon zu Lebzeiten antiquierten, erhabenen und völlig ironiefreien Ton noch verstärkt. Wie auch durch den Umstand, dass es in der beschriebenen Welt, in der gleichsam gestern noch Pferde durch die Städte galoppiert sind, Filme mit Robotern, ähnlich denen aus Kleists "Über das Marionettentheater" oder ETA Hoffmanns "Der Sandmann", Alltag sind.

Die titelgebenden Gläsernen Bienen - Honig sammelnde Automaten - scheinen mir ein Sinnbild für die reine Natur und die blasphemische Technik zu sein - aber ich hab das Buch noch nicht zu Ende gelesen.
« Letzte Änderung: 8. Juni 2009, 16:05 von Stoerte »

Offline Babur

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Re: Ernst Jünger
« Antwort #16 am: 14. Juni 2009, 23:48 »
Gestern Abend war Premiere von Das abenteuerliche Herz: Droge und Rausch nach Texten von Ernst Jünger. Unter der Regie und mit Martin Wuttke zeigten 3 Damen und 7 Herren im Berliner Ensemble was Spielwitz bei ausgezeichneten Schauspielern bedeutet. Vergnüglicher 2-stündiger Abend zu dem hier bei der nachtkritik.de ein Kommentar steht, der auch ziemlich gut meine Empfindungen wiedergibt.
http://www.nachtkritik.de/index.php?option=com_content&task=view&id=2963&Itemid=40

Grüsse

Babur.

Offline Stoerte

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Re: Ernst Jünger
« Antwort #17 am: 15. Juni 2009, 12:22 »
Habe die Gläsernen Bienen nun beendet. Kann nicht sagen, dass ich bereue den Roman gelesen zu haben. Kurze Geschichte, nicht uninteressant, anständiger Aufbau und viel Einblick in die Gedankenwelt des Protagonisten. Zwischendurch findet man gute Beobachtungen und trotz der Ironiefreiheit kann man gelegentlich schmunzeln. Wenngleich der Protagonist von Jüngers Zukunftsroman einige absonderliche Dinge absondert. Z.B. das Loben der Medizin der Alten. Ökoromantik, wegen der hoffentlich niemand auf Errungenschaften der modernen Medizin wie beispielsweise Antibiotika zu verzichten bereit ist. Auch der nahegelegte Trugschluss verärgert: Dass weil dies und jenes heute schlechter als früher ist, war das Früher noch lange nicht gut. Krieg und soldatischer Gehorsam, also totale Selbstaufgabe für anderer Leute Interessen, war schon immer dumm. Aber das ist, genau wie auch das häufige Lamentieren, eben Rollenprosa - oder auch Jüngers Sicht auf die Welt. Schwamm drüber. Sein Mystizismus jedenfalls hat einen gewissen Reiz, allein schon weil er heute völlig unzeitgemäß und ungewohnt ist.
« Letzte Änderung: 15. Juni 2009, 13:01 von Stoerte »

Offline JMaria

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Re: Ernst Jünger
« Antwort #18 am: 16. Juni 2010, 14:31 »
Hallo zusammen,

[Auf den Marmorklippen]
Ich habe das Buch nun gelesen und mich hat besonders die Sprache und diese mystische Symbolik angesprochen, was mich auch an E.T.A. Hoffmann hat denken lassen. Das Ganze übte einem Sog für mich aus. Das letzte Drittel lies mich aber dennoch ratlos zurück. Ich habe im Wikipedia die Interpretation gelesen und nicht alles verstanden. 

Hier mal ein kleiner Textauszug:

Vor allem aber setzten wir unsere Arbeiten an der Spache fort, denn wir erkannten im Wort die Zauberklinge, vor deren Strahle die Tyrannenmacht erblaßt. Dreieinig sind das Wort, die Freiheit und der Geist....

...vor Tauben zu musizieren, ein schlechtes Handwerk sei... Wir lebten in Zeiten, in denen der Autor zur Einsamkeit verurteilt ist...



die würdevolle Sprache, die phantastische Umgebung, auch die Beschreibung der Idylle mit einer gewissen Naivität, fand ich sehr gut dargestellt.

Gruß,
Maria
« Letzte Änderung: 1. April 2011, 10:37 von JMaria »
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Offline JMaria

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Antw:Ernst Jünger
« Antwort #19 am: 13. November 2010, 14:26 »
Hallo zusammen,

hat nicht jemand im Forum kürzlich die Kriegstagebücher gelesen?
Es gibt eine Ausstellung im Literaturmuseum der Moderne in Marbach:
Wortarbeit und Arbeitsmensch

Gruß,
Maria
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Offline Lost

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Antw:Ernst Jünger
« Antwort #20 am: 13. November 2010, 14:54 »
Hallo Maria,

ich habe vor wenigen Wochen die Kriegstagebücher gelesen. Bei aller Abneigung, die ich gegen Jünger hege, sind diese unmittelbaren Aufzeichnungen geeignet, einem die schrecklichen Bedingungen, in denen die Soldaten damals waren, vor Augen zu führen. Jünger entpuppt sich hier als Fatalist, der  das  Erlebte nicht in einen größeren Zusammenhang einordnet  reflektiert. Das muss man in Kauf nehmen, hat dafür aber mehr Unmittelbares.
Das Buch enthält detaillierte aber unvollständige Anmerkungen. 

Offline JMaria

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Antw:Ernst Jünger
« Antwort #21 am: 1. April 2011, 10:39 »
Hallo,

pünktlich zum 116. Geburtstag (29.03.2011) eröffnete das Jünger-Haus in Wilfingen:

Wohnhaus letzter Hand

Gruß,
Maria
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