Autor Thema: Ein klitzekleines Problemchen  (Gelesen 11633 mal)

Offline sandhofer

  • Administrator
  • *****
  • Beiträge: 5086
Ein klitzekleines Problemchen
« am: 16. Januar 2004, 22:23 »
Hallo zusammen!

Ich weiss nicht, wie es anderen geht, aber ich habe da ein klitzekleines Problemchen.

Es gibt in diesem Forum Teilnehmer, die konsequent auf Gross-Schreibung verzichten. Das ist ihr Recht.

Wenn nun aber diese Teilnehmer längere Abschnitte bilden - so was bei meinem Bildschirm (17') über 5-6 Zeilen hinausgeht, dann habe ich echt Mühe. Es ist - für mich jedenfalls - dann schon fast eine physische Unmöglichkeit, mich in dieser Pixelwüste noch zurechtzufinden.

Meist verzichte ich darauf, diese Beiträge noch zu lesen. Das ist schade, weil gute Sachen darunter wären.

Geht es anderen wie mir?

Grüsse

Sandhofer
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus: Beim Wort genommen

Offline elahub

  • Sr. Member
  • ****
  • Beiträge: 366
Ein klitzekleines Problemchen
« Antwort #1 am: 16. Januar 2004, 22:51 »
Hallo allerseits
Hallo Sandhofer

Mir geht es ganz genauso!  

Ich finde es auch gerade in einem Literaturforum eigenartig, so konsequent die deutsche Rechtschreibung nicht anzuwenden, aber wie gesagt, das sei jedem überlassen.

Nur schwer zu lesen ist das allemal!

 :winken:

Daniela
"Kunst und Unterhaltung sind verschwistert und keine Feinde." - John Irving

Offline Berch

  • Sr. Member
  • ****
  • Beiträge: 315
Ein klitzekleines Problemchen
« Antwort #2 am: 17. Januar 2004, 12:54 »
Hallo,
es ist sicherlich schwieriger zu lesen, keine Frage. Andererseits betrachte ich dieses Forum fast schon als eine Oase der guten Rechtschreibung im Internet. Ich treibe mich zwischendurch auch noch in diversen Foren, z.B. von Online-Browser-Spielen herum und ganz ehrlich, da wäre ich manchmal froh, wenn die Leute dort nur halb so 'gut' schrieben wie hier. Natürlich kann das kein Argument für  die dauerhafte Kleinschreibung sein, aber ich denke es ist hier noch vergleichsweise human...
Gruß
Berch

Offline Harald

  • Full Member
  • ***
  • Beiträge: 263
Ein klitzekleines Problemchen
« Antwort #3 am: 17. Januar 2004, 14:19 »
Hallo Sandhofer,

Mir ist das auch aufgefallen. Gross- und Kleinschreibung unterstützen das Lesen. Ebenso Absätze, Zeichensetzung, und last but not least konsequente Strukturierung von Gedanken und Argumentationsreihen...

Ich denke, jeder, der verstanden werden möchte, wird alle Hilfmittel benutzen, gerade weil in diesem Medium Intonation, Mimik und Gestik fehlen, die in der persönlichen Kommunikation viel zum Verständnis beitragen.

Gruß, Harald
Aktuell: Montaigne. G. E. Lessing. Dostojewski. Herman Melville.

Offline Atomium

  • Full Member
  • ***
  • Beiträge: 100
Fossilien
« Antwort #4 am: 22. Januar 2004, 19:00 »
Hallo!

Ich freue mich, dass es mir nicht allein so geht. Auch ich finde es störend, wenn auf Groß- und Kleinschreibung verzichtet wird.

Wenn ich einen Beitrag sehe, der aus 40 Zeilen, aber nur einem einzigen Absatz besteht und dazu noch nur Kleinbuchstaben verwendet, dann lese ich den nicht. Es kann sein, dass ich etwas verpasse. Ich werde es nie erfahren.   :breitgrins:

Um noch eine positive Bemerkung anzufügen: Ich freue mich darüber, dass niemand hier im Forum SMS-übliche Verkürzungen verwendet. Wir Fossilien ...

Gruß
Atomium

Offline sandhofer

  • Administrator
  • *****
  • Beiträge: 5086
Fossilien ...
« Antwort #5 am: 22. Januar 2004, 20:08 »
Hallo zusammen!
Hallo Atomium!

Ach so. Und ich dachte immer, es seien die Internet-Fossilien, die noch Abkürzungen verwenden. So in der Zeit, als selbst simpler Text mit einem 14'400er-Modem eine halbe Ewigkeit brauchte, um heruntergeladen zu werden - von der saftigen Telefonrechnung Ende Monat ganz zu schweigen ...

Grüsse

Sandhofer
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus: Beim Wort genommen

Offline Dostoevskij

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 1097
  • Lesen ist das unbestrafte Laster
    • Leipziger Bücherlei
Ein klitzekleines Problemchen
« Antwort #6 am: 23. Januar 2004, 09:34 »
Moin, Moin!

Ich habe nichts gegen Kleinschreibung. Diejenigen, die ihr eine schlechtere Lesbarkeit attestieren, bauschen IMHO das Problem auf. Und ich habe auch nichts gegen Akronyme, die das Internet hervorgebracht hat, wenn sie auch in demselben verwendet werden. Das ist durchaus statthaft und hat nichts Verpöntes.

Ich habe nur etwas gegen die selbsternannten Wächter und Hüter der deutschen Sprache.
Keep reading, Markus Kolbeck
Leipziger Bücherlei http://www.buecherlei.de/

Offline Rodion

  • Newbie
  • *
  • Beiträge: 14
Ein klitzekleines Problemchen
« Antwort #7 am: 23. Januar 2004, 11:19 »
Tag zusammen!

Auch ich möchte mich dem Chor derjenigen anschließen, die penetrante Kleinschreibung in hohen Dosen für unlesbar erachten.

Zitat von: Dostoevskij
Ich habe nur etwas gegen die selbsternannten Wächter und Hüter der deutschen Sprache.


Darum geht es - mir zumindest - nicht. Es geht einfach nur um Lesbarkeit.

Gruß,
Rodion

hafis50

  • Gast
Ein klitzekleines Problemchen
« Antwort #8 am: 23. Januar 2004, 12:12 »
Es gibt einen guten grund für kleinschreibung: es spart zeit, weil man weniger tasten drücken muß.

Daß ein text, der nur kleinschreibung enthält schwieriger zu lesen ist, kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Warum sollte das so sein??
90% der internet-seiten, die ich lese, sind amerikanisch. Dort werden nur der satzanfang und eigennamen groß geschrieben. Dies gilt auch für wissenschaftliche papiere und fachartikel, -mit entsprechend langen abschnitten etc.. Ich sehe wirklich keinen unterschied beim lesen eines deutschen oder amerikanische textes.
Aber wenn ich zeit habe, werde ich mich an die dt. rechtschreibregeln halten (oder auch nicht, denn die neuen rechtschreibregeln kenne ich immer noch nicht...)
gruß hafis

hafis50

  • Gast
Ein klitzekleines Problemchen
« Antwort #9 am: 23. Januar 2004, 12:28 »
P.S.: für die englischen Seiten gilt natürlich entsprechendes.

Sollten die washington post oder die times deswegen schwieriger als die FAZ zu lesen sein, weil auf den wechsel zwischen Groß- und Kleinschreibung verzichtet wird?

Offline Dostoevskij

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 1097
  • Lesen ist das unbestrafte Laster
    • Leipziger Bücherlei
Guter Wille
« Antwort #10 am: 23. Januar 2004, 13:13 »
Moin, Moin!

Obzwar es wissenschaftlicherseits wohl eine meßbare Verzögerung im Lesefluss gibt, halte ich ein Insistieren auf der Großschreibung im Internet doch für Krümelkackerei. Ein bißchen guter Wille, und das Problem ist keines mehr. Ich selbst habe 8 Jahre lang nur klein geschrieben und mich 1997 durch die permanente Schelte im Usenet wieder umstimmen lassen, einfach um meine Ruhe zu haben. Aber warum sollten nun alle den Schwanz einziehen?
Keep reading, Markus Kolbeck
Leipziger Bücherlei http://www.buecherlei.de/

Offline Atomium

  • Full Member
  • ***
  • Beiträge: 100
persönliche Entscheidung
« Antwort #11 am: 23. Januar 2004, 13:43 »
Hallo!

Zitat
Obzwar es wissenschaftlicherseits wohl eine meßbare Verzögerung im Lesefluss gibt, halte ich ein Insistieren auf der Großschreibung im Internet doch für Krümelkackerei.


Auch ganz unwissenschaftlich, da nur ein Testorganismus getestet wurde (ich): es verzögert den Lesefluss.

Ihr könnt ruhig weiterschreiben, wie Ihr wollt.
Kurze Texte in Kleinschreibung lese ich auch.
Aber eben nichts über 40 Zeilen und mit nur einem Absatz.

Im Englischen sind wir das alle so gewohnt, deshalb ist es normal und nicht störend.

@Sandhofer:
Ich sprach von Texten folgender Machart:
Zitat
"L E O LI E NE PEU PA VNIR"
(SMS, die ich kürzlich erhielt, soll wohl heissen "Elle est au lit et ne peu pas venir.")

Sowas würde ich über einen längeren Text auch nicht lesen wollen, schon allein deshalb, weil ich zum Lesen länger brauche als der Schreiber zum Schreiben.

Aber wie gesagt, das ist eine Gewohnhsits- und Geschmacksfrage.

Schreibt weiter,
Atomium

hafis50

  • Gast
Re: persönliche Entscheidung
« Antwort #12 am: 23. Januar 2004, 18:23 »
Zitat von: Atomium
Im Englischen sind wir das alle so gewohnt, deshalb ist es normal und nicht störend.


Ich argumentiere anders: weil ich so vieles in englisch lese, ist die kleinschreibung im deutschen für mich ebenso gewohnt wie die großschreibung !  Vielleicht ist es sogar so, daß selbst wenn ich kein englisch lesen würde, mich die kleinschreibung nicht stören würde.

Es gibt damit objektive oder subjektive gründe, warum der lesefluß behindert (sprich: verlängert) werden soll:
Objektive, wenn die bedeutung eines wortes sich nicht wie üblich sofort, sondern erst nach beendigung des lesens des satzes erschließt, und ich danach den satz zum vollen verständnis ein zweites mal lesen muß.
ZB, man kann nicht sofort unterscheiden, ob etwas ein substantiv oder verb ist. Wie oft kommt das vor? Wenn solche gründe das lesen erheblich beeinflußen, wäre eine änderung sinnvoll.

Wenn aber nur die durch eine fehlende gewohnheit gereizte unlust für die leseschwierigkeit verantwortlich ist, warum sollte dann der schreiber, aber nicht der leser selbst die verantwortung für diese unlust tragen? Der schreiber ist ja nicht zur geschmacksbefriedigung des lesers verpflichtet.

Kann man in der elektronischen kommunikation wirklich die gleiche sprachanwendung wie in zB einer briefkultur erwarten?
So können kürze und abkürzungen, also auch der verzicht auf großschreibung, durchaus ihren sinn haben, indem sie mittels höherer informationsdichte zeit und geld sparen. Eine geschmacksfrage ist natürlich informationstechnisch redundant.

Ist die form (kleinschreibung, absatzbildung) tatsächlich so entscheidend für das verständnis, oder kann nicht auch die schuld für das fehlende verständnis des inhaltes der form untergeschoben werden?

Es gibt auch dichtungen in kleinschrift. Sind diese damit unverständlich oder geschmacklos, zumindest inakzeptabel?  

gruß hafis

Offline nimue

  • Administrator
  • *****
  • Beiträge: 964
    • http://www.literaturschock.de
Re: persönliche Entscheidung
« Antwort #13 am: 23. Januar 2004, 21:11 »
Hallihallo,

ich möchte nun auch mal was zum Thema sagen:

Früher hatte ich auch so eine Phase, in der ich im Internet grundsätzlich über Kleinschreibung kommunizierte. Als dies dann auch im normalen Büroalltag um sich zu greifen begann, habe ich mir das schnell abgewöhnt (ich sollte wohl erwähnen, dass ich gelernte Bürokauffrau bin?). Stören tut es mich nicht wirklich und ich kann Texte in Kleinschreibung auch gut lesen.

Wichtiger dabei sind mir Abschnitte (also eine ordentliche Strukturierung) im Text, da ich als angehende Informatikerin den ganzen Tag vor dem Bildschirm sitze. Meine Augen sind also schon beansprucht genug und das Lesen längerer - unstrukturierter - Texte ermüdet mich zu sehr (weshalb ich solche Texte grundsätzlich nur überfliege). Außerdem wurde mir bereits in der Schule eingetrichtert, dass man so viele Absätze wie Gedankengänge machen sollte.

Was mich auch stört sind viele Rechtschreibfehler - ich war immer sehr gut in Deutsch und Rechtschreibung und so etwas beleidigt einfach mein Auge  :zwinker: Doch wenn ein entsprechender Text gut strukturiert ist, lese ich ihn mir wenigstens durch.

Akronyme benutze ich auch nicht mehr - dazu stehe ich ungefähr so, wie zu der HaCkeRuNaRt aBwEcHsElNd groß/klein zu schreiben. Das sind für mich Relikte aus der Internetanfangszeit. Allerdings verstehe ich die Abkürzungen durchaus und lese mir entsprechende Texte auch durch (wenn es nicht ZU extrem wird).

Was ich auch als "unschön" empfinde: Wenn man einfach nur so den Text drauf los schreibt, ohne ein Hallo oder Tschüß - das finde ich vor allem bei Erstpostings furchtbar unhöflich. Bei Folgepostings ist das natürlich nicht so wichtig.

Liebe Grüße
nimue

Offline elahub

  • Sr. Member
  • ****
  • Beiträge: 366
Ein klitzekleines Problemchen
« Antwort #14 am: 23. Januar 2004, 22:34 »
Hallo allerseits

Zitat
Ist die form (kleinschreibung, absatzbildung) tatsächlich so entscheidend für das verständnis, oder kann nicht auch die schuld für das fehlende verständnis des inhaltes der form untergeschoben werden?

Es gibt auch dichtungen in kleinschrift. Sind diese damit unverständlich oder geschmacklos, zumindest inakzeptabel?


Hafis - Du willst ja wohl nicht allen Ernstes Sandhofer "fehlendes Verständnis des Inhaltes" vorwerfen ...
Und wer hat von Geschmacklosigkeit gesprochen?

Ich bin ebenfalls der englischen Sprache mächtig und auch der französischen und beide Male wird mehr oder weniger klein geschrieben. Andere sprechen japanisch, russisch oder sonstwas und können sogar kyrillische Buchstaben und "Schlimmeres"  :zwinker:  entziffern.
Wir sind hier aber in Deutschland und in einem deutschen Forum!

Wer Schwierigkeiten mit der Großschreibung oder auch mit der Rechtschreibung hat, soll doch bitte so schreiben, wie er/sie es kann.
Nur darf ja wohl jeder mal sagen, dass diese Dinge manchmal schwierig zu lesen sind?

Und erzähle mir keiner, dass Kleinschreibung schneller geht, auch das hängt z. B. davon ab, ob jemand Schreibmaschine schreiben kann oder nicht. (Ich kann es glücklicherweise, musste es von Berufs wegen lernen, was mir nicht leicht gefallen ist - gern können wir ja mal ein Wetttippen veranstalten  :breitgrins: )

Lasst uns nicht aus einer MÜCKE einen elefanten machen, denn wie Heidi in einem anderen Forum sagte: "So fangen Kriege an!!"

 :winken:

Daniela
"Kunst und Unterhaltung sind verschwistert und keine Feinde." - John Irving