Im Englischen sind wir das alle so gewohnt, deshalb ist es normal und nicht störend.
Ich argumentiere anders: weil ich so vieles in englisch lese, ist die kleinschreibung im deutschen für mich ebenso gewohnt wie die großschreibung ! Vielleicht ist es sogar so, daß selbst wenn ich kein englisch lesen würde, mich die kleinschreibung nicht stören würde.
Es gibt damit objektive oder subjektive gründe, warum der lesefluß behindert (sprich: verlängert) werden soll:
Objektive, wenn die bedeutung eines wortes sich nicht wie üblich sofort, sondern erst nach beendigung des lesens des satzes erschließt, und ich danach den satz zum vollen verständnis ein zweites mal lesen muß.
ZB, man kann nicht sofort unterscheiden, ob etwas ein substantiv oder verb ist. Wie oft kommt das vor? Wenn solche gründe das lesen erheblich beeinflußen, wäre eine änderung sinnvoll.
Wenn aber nur die durch eine fehlende gewohnheit gereizte unlust für die leseschwierigkeit verantwortlich ist, warum sollte dann der schreiber, aber nicht der leser selbst die verantwortung für diese unlust tragen? Der schreiber ist ja nicht zur geschmacksbefriedigung des lesers verpflichtet.
Kann man in der elektronischen kommunikation wirklich die gleiche sprachanwendung wie in zB einer briefkultur erwarten?
So können kürze und abkürzungen, also auch der verzicht auf großschreibung, durchaus ihren sinn haben, indem sie mittels höherer informationsdichte zeit und geld sparen. Eine geschmacksfrage ist natürlich informationstechnisch redundant.
Ist die form (kleinschreibung, absatzbildung) tatsächlich so entscheidend für das verständnis, oder kann nicht auch die schuld für das fehlende verständnis des inhaltes der form untergeschoben werden?
Es gibt auch dichtungen in kleinschrift. Sind diese damit unverständlich oder geschmacklos, zumindest inakzeptabel?
gruß hafis