Hallo JMaria,
das Lesealter ist, denke ich, nur einer von vielen Faktoren, die die jeweilige Leseerfahrung beeinflussen und einmalig machen.
In dem Buch "Mein Jahrhundertbuch. 51 Liebeserklärungen" (st 3554)
schreibt Valeria Narbikova dazu:
"Aber wenn ich ehrlich sein soll, kommt es auch sehr auf das Wetter an. Manchmal ist ein Wetter, dass man sich nicht sattsehen kann daran, und das Buch ist einfach nur Unsinn. Aber man liest es trotzdem, als könne man sich an dem Buch nicht satt sehen. Und wenn es ein Geschenk ist von einem, den man liebt, dann legt sich auf dieses Buch ein Gefühl, das auch nur dieses Buch ertragen kann. Kein anderes, und sei es noch so gut, würde etwas Vergleichbares aushalten"
Das Kapitel "Die Gattin und die Geliebte" im Zeno Cosini liest sich ganz anders, wenn man mit einem Partner zusammenlebt und sich (kurz, natürlich ;-) ) in jemand anderen verguckt.. Wie sich da Zeno auf dem Weg zu seiner Geliebten gedanklich "umpolt", ist von sehr großem Erkenntniswert, dazu muss man aber, denke ich, ein gewisses alter haben..
Interessant neben der von Dir gestellten Frage:
was ist das "beste" Lebensalter für ein bestimmtes Buch (abgesehen davon, dass natürlich immer gilt: je älter, desto erfahrener und besser (:zwinker: ) ? Bzw. gibt es in diesem Sinn "zeitlose" Bücher und solche, die es nicht sind ? Und ist das vielleicht etwa ein Qualitätsmerkmal ?
liebe grüße aus dem frühlingshaften wien,
stephan
hier meine sehr subjektiven "besten" lesealter:
werther: höchstens 20
wahlverwandtschaften: ab 35
dostojewski: 15-max. 22
doderer: >= 35
aus der modernen literatur:
ph. roths frühwerk: 20-30
ph. roths spätwerk: ab 30
th. bernhard: 17-99 :zwinker: