Autor Thema: Klassiker mit 20 und mit 40  (Gelesen 7418 mal)

Offline Jaqui

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Re: Klassiker mit 20 und mit 40
« Antwort #45 am: 31. Mai 2010, 13:26 »
Dann besteht ja noch Hoffnung, dass ich den Zauberberg eines Tages doch noch zu Ende lese.

Aber selbstverständlich  :smile: Spätesten wenn ich ihn 2015 zum fünften Mal lese  :breitgrins:

Da haben wir ja noch Zeit uns einen Termin für eine LR auszumachen  :breitgrins:

Offline Dostoevskij

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Re: Klassiker mit 20 und mit 40
« Antwort #46 am: 1. Juni 2010, 18:21 »
Moin, Moin!

bei mir war das so mit Hesse. Mit 17, 18 jahren habe ich ihn begeistert gelesen, aber schon mit 25 Jahren hat
er einer Zweitlektüre nicht standgehalten. Und heute werde ich ihn vermutlich nicht mehr lesen.

Hesse ist ja auch ein Jugendschriftsteller  :zwinker:

Um so besser. Ich dachte schon, ich würde alt.
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Offline Dostoevskij

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Re: Klassiker mit 20 und mit 40
« Antwort #47 am: 1. Juni 2010, 18:30 »
Moin, Moin!

Nein, ich müsste vielleicht ergänzend dazu sagen, dass ich es immer für etwas bedenklich erachte, wenn man in der Mitte des Lebens angekommen ist, sich mit den Flausen der Jugend so gar nicht mehr identifizieren kann.

Vielleicht eine Typfrage. Ich lese Hesse seit meiner Jugend, habe nie aufgehört, ihn zu lesen. Es gibt bestimmte Lieben, denen nichts etwas anhaben kann.

Zitat
Hesses Leitmotive sind doch: finde dich selber, steh zu dir, werde glücklich; und das kann man ruhig in der Mitte mal kontrollieren, ob man diesen Weg wirklich gegangen ist  :smile:

Hesse beackert die Themen, die nie aufgehört haben, mich zu drangsalieren. Er war ein extrem unzufriedener Mensch, der trotzdem in einer bürgerlichen Existenz Zuflucht fand. Sein Beharren auf Eigensinn, auf Durchdenken und Beleuchten der eigenen Verfaßtheit besticht immer wieder. Trotz seines Gebarens der Weltflucht, war er auf Kommunikation zutiefst angewiesen und ist einer der wirklich großen Briefeschreiber des 20. Jahrhunderts. Es gibt so viele Dinge, die mich mit Hesse verbinden und die er immer wieder in mir wachhält, daß mir völlig wurscht ist, wie er momentan literarisch eingestuft wird. Daß er einer der anbetungswürdigsten Bibliomanen war, setzt dem Ganzen die Krone auf.
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Offline Anita

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Re: Klassiker mit 20 und mit 40
« Antwort #48 am: 1. Juni 2010, 19:35 »
Hallo Dostoevskij.

Dann kann ich dich gleich mal fragen, ob du eine wirkliche gute Biographie über Hesse empfehlen kannst? Ich mag die ganz Dicken eigentlich am liebsten, aber da gibt es keine, oder habe ich da was übersehen?

LG
Anita
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Offline scheichsbeutel^

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Re: Klassiker mit 20 und mit 40
« Antwort #49 am: 1. Juni 2010, 19:52 »
Hallo,

dieses Argument bezüglich der vergessenen "Ideale der Jugend" ist doch ein wenig kindisch. Man beginnt mit Pippi Langstrumpf und den Fünf Freunden, nimmt sich Winnetous edles Betragen zum Vorbild, um Siddhartha oder dem Magister Ludi Knecht die Hand zu reichen. Dass man aber irgendwann das Pippi-Poster von der Wand nimmt, hat nichts damit zu tun, dass die rothaarige Göre unsympathisch würde oder in ihrem Kampf gegen das Böse Unrecht hätte. Sondern damit, dass man die Welt differenzierter zu betrachten beginnt.

Hesse bietet - wie Coelho eine Stufe drunter - einfache, revolutionär-esoterisch verbrämte Lösungen, die nicht zufällig an erbauliche Kalendersprüche erinnern. Das spricht selbstredend und zu Recht die Jugend an, da fühlt sich der von seinen Eltern missverstandene Rebell wohl aufgehoben und intellektuell umsorgt. Aber genau so wie man sich mit Old Shatterhand und Konsorten irgendwann nicht mehr identifiziert (es sind tatsächlich die genau gleichen Gründe, einfach weil diese Idealgestalten einen eingegrenzten und simplifizierten Lebensbereich abstecken), aus eben diesem Grund empfindet man Demian, Narziss, Goldmund & Co irgendwann als zu einfach gestrickt.

Mir ging es gleich wie Lauterbach: Beim Wiederlesen in den 20igern ein Innehalten, Staunen: Das hat mir mal gefallen, davon war ich angetan? (Demian war dieser Schuss vor den Bug ...). Dann der Steppenwolf mit seinem mehr als kindischen Traktätchen und der Einsamkeitsattitüde, dem morbiden Selbstmordspielchen und den (für alle Jugendlichen spannenden) Drogenerfahrungen nebst Anarchoträumen, vom indischen Prinzen bis zum Glasperlenspiel (Hesse schreibt auch ständig dasselbe) - das konnte ich postadoleszent nicht mehr Ernst nehmen.

Dass man solches hinter sich lässt hat mit der Erkenntnis zu tun, dass die Welt eine Spur komplizierter ist als bei Astrid Lindgren, Karl May oder Hermann Hesse. Wenn die verlorene Jugendideale aus einem solch vereinfachten Weltbild bestehen, ist es nur gut, wenn sie irgendwann eingemottet werden. Bedenklich fände ich eher das Gegenteil ;).

Grüße

s.

Offline Anita

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Re: Klassiker mit 20 und mit 40
« Antwort #50 am: 2. Juni 2010, 11:45 »
Zitat von: “scheichsbeutel^ “
dieses Argument bezüglich der vergessenen "Ideale der Jugend" ist doch ein wenig kindisch.

Das kindisch fasse ich als Kompliment auf, denn in meiner infantilen Naivität ist mir völlig bewusst, dass das Komplexe immer seine Wurzeln im Einfachen gründet, und kompliziert macht es der Mensch, die Dinge an sich sind einfach.  Ansonsten entnehme ich der Aussage ein völliges Missverstehen von Hesse, von mir, und etwas verwundert bin ich, da Doderer den Nick Transzendental-Dandy in der Fachwelt trägt … Beide waren wohl sehr von indischen Traditionen angetan, wenn nicht gar gefesselt. Eine Bewertungsskala von drunter und drüber, und einige noch drüber, sagt mir nicht zu, weil hier geht es um mehr als das.

Ferner kann ich mit den literarischen Vergleichen nie etwas anfangen, das sind doch Äpfel und Birnen.

LG
Anita
Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können. Nietzsche in "Also sprach Zarathustra"

Offline Lauterbach

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Re: Klassiker mit 20 und mit 40
« Antwort #51 am: 2. Juni 2010, 18:29 »


... Eine Bewertungsskala von drunter und drüber, und einige noch drüber, sagt mir nicht zu, weil hier geht es um mehr als das.

Ferner kann ich mit den literarischen Vergleichen nie etwas anfangen, das sind doch Äpfel und Birnen.

LG
Anita


Hallo Anita,
was meinst du in diesem Zusammenhang mit Bewertungsskala :confused:

Ich weiß nicht, ob man Hesse mißverstehen kann, weil so vielschichtig habe ich seine Texte nicht
in Erinnerung.

Gruß, Lauterbach

Offline Bluebell

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Re: Klassiker mit 20 und mit 40
« Antwort #52 am: 2. Juni 2010, 22:28 »
Ich bin zwar noch immer näher an den 20 als an den 40 ( :breitgrins: ), aber ich denke, das ist trotzdem nicht ganz der verkehrte Thread, um mich nach längerer Abwesenheit wieder zurückzumelden.  :winken:
In letzter Zeit sind mir nämlich ein paar ... hmm, Veränderungen zwischen meinen Büchern und mir aufgefallen - und manche haben, denke ich, tatsächlich damit zu tun, dass ich älter erwachsener geworden bin.

Seit längerem merke ich, dass sich Figuren oder Szenen aus gewissen Büchern in meine Gedanken schleichen, an denen ich vor Jahren gescheitert bin. So kommt mich des öfteren Herr Settembrini besuchen, obwohl ich doch den Zauberberg vor einem Drittel meines Lebens abgebrochen habe (130 Seiten vor Schluss :vogelzeigen: ) ... und es wird auch mein Verdacht immer stärker, dass ich der Klavierspielerin noch eine Chance geben sollte, bevor ich doppelt so alt wie bei meinem ersten Versuch bin.

Eine echte Leseoffenbarung habe ich erst neulich mit Kafka erlebt - als Pubertierende die Verwandlung mäßig interessant, zu einigen anderen seiner Texte überhaupt keinen Zugang gefunden, die Strafkolonie abgebrochen weil zu mühsam - und jetzt! jetzt!!! (also letzte Woche :clown: ) Amerika gelesen, vom Anfang bis zum Ende völlig fasziniert ... und soeben die Strafkolonie und einen Haufen anderer Texte hervorgekramt und entstaubt. Kafka und Bluebell, nächste Runde! *gong*

Der Faust I hat mich ja mit 17 schon in seinen Bann gezogen, und danach mit jedem (Quer-)Lesen aufs Neue - nun habe ich ihn mir nach Jahren zum ersten Mal wieder komplett zu Gemüte geführt, und bei manchen Szenen schien mir wirklich, als würde ich sie jetzt zum ersten Mal richtig wahrnehmen. Schön war außerdem, dass meine alten Lieblingsstellen nichts von ihrer Wirkung eingebüßt hatten, sondern nach wie vor an mein Innerstes rührten und diese gewissen Saiten zum Klingen brachten ... das scheint tatsächlich eines der Werke zu sein, in die man ruhig hineinwachsen kann. Ich bin gespannt, was die nächsten Jahre noch aus dem Stück für mich zu Tage fördern!  :zwinker:

Bei einigen anderen Schriftstellern bekomme ich schön langsam Panik, dass mir die Zeit davon läuft (oder schon davon gelaufen ist). Um Hesse habe ich nach einer missglückten Schullektüre mit 15 einen großen Bogen gemacht und daher das Alter verpasst, in dem ihm die meisten meiner Freunde verfallen sind (16-18). Wenn ich mir nun so ansehe, wovon seine Bücher handeln, denke ich mir: "NEIN! - was hätte mir der Hesse gefallen, wenn ich ihn mit 20 gelesen hätte, ich dumme Kuh!" :grmpf: Ich gebe ihm bestimmt noch eine Chance und kann mir gut vorstellen, dass ich mir auch jetzt noch etwas mit ihm anzufangen weiß - aber es ist einfach schade, dass ich ihn nicht zu dem Zeitpunkt gelesen habe, wo er anscheinend in mein Weltbild gepasst hätte wie die Faust aufs Auge.

Jules Verne ist auch so ein Kandidat - ich habe einiges von ihm geschenkt bekommen, mal reingeschnuppert und bin mir sicher, dass ich als Kind hin und weg gewesen wäre - aber heute ...? Nun, man wird sehen.

Anderes springt mich zwar an und versetzt mir jedes Mal wieder ein Kribbeln, wenn ich damit in Berührung komme, aber mein Bauch sagt mir, dass ich noch nicht so weit bin und es mir ruhig noch 10 oder 20 Jahre aufsparen kann (Proust z.B.).

Achso, der Vollständigkeit halber wollte ich noch erwähnen, dass es nicht nur Klassiker sind, die mich jetzt noch immer/wieder/erstmals ansprechen (was jeder bestätigen kann, der mich auf Literaturschock trifft *g*) ... es gibt durchaus auch Trivialliteratur, aus der ich nicht herauszuwachsen scheine. Stephen King überrascht mich immer wieder, und das seit ich 13 bin! :elch:

Das ist nun zwar ein langer Beitrag geworden, aber es ist ja auch der erste seit langer, langer Zeit  :zwinker: ... bis bald!


 
"Date a girl who reads. Date a girl who spends her money on books instead of clothes. She has problems with closet space because she has too many books. Date a girl who has a list of books she wants to read, who has had a library card since she was twelve."

Offline JMaria

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Re: Klassiker mit 20 und mit 40
« Antwort #53 am: 3. Juni 2010, 10:18 »
Hallo Bluebell,

schön wieder von dir zu lesen  :winken:
dein Bericht hat mich sehr an meine Erfahrungen erinnert (und ich bin bereits über 40).

zu Hermann Hesse möchte ich noch sagen, dass ich ihn erst mit ca. 30 Jahren zum ersten Mal las. "Sidhartha" und "Steppenwolf" fand ich interessant, doch ich mag eher den "anderen" Hesse, seine humorvollen Erzählungen, sein Kurbericht oder kürzlich "Roßhalde", ein Künstler- und Eheroman. Auch "Unterm Rad" wird hier immer wieder gerne empfohlen. Auch ein Buch, das ich sicherlich noch lesen werde.

Viele Grüße
Maria
Aktuell:

Offline Jaqui

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Re: Klassiker mit 20 und mit 40
« Antwort #54 am: 3. Juni 2010, 15:39 »
Hallo Bluebell,

schön von dir wieder zu hören  :winken: und ich kann dich gut verstehen, denn mir geht es genauso. Mit dem Alter werden vermehrt andere Bücher interessant. Auch wenn ich mich nie von meiner Leidenschaft Fantasy lösen werde, so lese ich derzeit doch lieber Krimis oder Klassiker. Sie geben mir einfach mehr, vor allem die Klassiker.

Und mittlerweile kann ich auch nachvollziehen warum jemand ein Buch aufgrund seiner Sprache liest und nicht wegen der Spannung oder der Action. Diese brauche ich zwar nach wie vor in einem Buch, aber nicht nur.

Am Zauberberg bin ich schon mehrmals gescheitert, aber ich merke dass die Lust auf das Buch immer mehr steigt. Und Kafka liebe ich sowieso. Ich habe von ihm schon sehr viel gelesen und ich genieße ihn immer wieder.

Auf gut Deutsch: Willkommen zurück und auf einen regen Austausch.

Katrin

Freund Hermann

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Re: Klassiker mit 20 und mit 40
« Antwort #55 am: 3. Juni 2010, 16:01 »
Ich kann bloß sagen, dass ich mich mit Zwanzig einmal am Glasperlenspiel versuchte und fand, dass es vor übernommenen Weisheiten nur so strotzte.  Mit Vierzig kam ich dann zu der Ansicht, dass alte Weisheiten lange nicht falsch sein müssen, um nun mit etwas über sechzig sagen zu können, dass ich es für mich als einen Ratgeber in allen Lebenslagen entdeckt habe, ich mich aber mehr und mehr der Grundlagenforschung widme, woher all diese Weisheiten eigentlich stammen. Ich muss zugeben, dass mich erst meine Frau zu eingehenderer Hesse Lektüre ermunterte, da sie insbesondere seine persönliche Integrität schätzt. Zu seinen anderen Büchern habe ich leider keinen besonderen Zugang gefunden und finde es erstaunlich, welchen Einfluss der alte Schweizer heute immer noch vorwiegend auf die jüngeren Generationen ausübt.
@Maria: Meine Frau wäre sicherlich erfreut, sich mit dir ab und zu über Hesse auszutauschen. Ihr persönlich gefällt von seinen weniger bekannten Erzählungen besonders der Abstecher in den Schwimmsport oder der Weltverbesserer, der im Grunde auch ein Eheroman sein soll. Allerdings möchte ich an dieser Stelle den Begriff Roman nicht überstrapazieren, weil ich mir darunter Werke von mehr als 200 Seiten vorstelle. Ich hoffe, deine Tätigkeit lässt auch zukünftig einen solchen Austausch zu, da man mit über 40 doch gelegentlich dazu neigt, das Lesen etwas zu vernachlässigen und sich praktischeren Dingen zu widmen. Bei mir war es damals die Übernahme einer recht einflussreichen Position innerhalb eines expandierenden Transportunternehmens, die einen Großteil meiner zur Verfügung stehenden Zeit für sich beanspruchte.

Freundliche Grüße
F. Hermann
« Letzte Änderung: 3. Juni 2010, 16:03 von Freund Hermann »

Offline xenophanes

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Re: Klassiker mit 20 und mit 40
« Antwort #56 am: 3. Juni 2010, 17:12 »
Hallo,

dieses Argument bezüglich der vergessenen "Ideale der Jugend" ist doch ein wenig kindisch. Man beginnt mit Pippi Langstrumpf und den Fünf Freunden, nimmt sich Winnetous edles Betragen zum Vorbild, um Siddhartha oder dem Magister Ludi Knecht die Hand zu reichen. Dass man aber irgendwann das Pippi-Poster von der Wand nimmt, hat nichts damit zu tun, dass die rothaarige Göre unsympathisch würde oder in ihrem Kampf gegen das Böse Unrecht hätte. Sondern damit, dass man die Welt differenzierter zu betrachten beginnt.

Hesse bietet - wie Coelho eine Stufe drunter - einfache, revolutionär-esoterisch verbrämte Lösungen, die nicht zufällig an erbauliche Kalendersprüche erinnern. Das spricht selbstredend und zu Recht die Jugend an, da fühlt sich der von seinen Eltern missverstandene Rebell wohl aufgehoben und intellektuell umsorgt. Aber genau so wie man sich mit Old Shatterhand und Konsorten irgendwann nicht mehr identifiziert (es sind tatsächlich die genau gleichen Gründe, einfach weil diese Idealgestalten einen eingegrenzten und simplifizierten Lebensbereich abstecken), aus eben diesem Grund empfindet man Demian, Narziss, Goldmund & Co irgendwann als zu einfach gestrickt.

Das ist sehr treffend, sehe ich genauso. Erspart mir eine Antwort, danke.

CK

Offline Anita

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Re: Klassiker mit 20 und mit 40
« Antwort #57 am: 4. Juni 2010, 14:05 »
Zitat von: “Lauterbach“
Ich weiß nicht, ob man Hesse mißverstehen kann, weil so vielschichtig habe ich seine Texte nicht in Erinnerung.

Mir ging es im Grunde gar nicht um das Vielschichtig, einfach oder komplex, Lauterbach, sondern um die Schublade. Persönliche Sichtweisen oder rein subjektive Kritik interessieren mich größtenteils nicht, die Verallgemeinerung auf Kosten derer, die Hesse gut finden, finde ich einfach nicht angebracht. Die Schublade, dass Hesse ein Jugendautor ist, ist ja mittlerweile so fest verankert (MRR hat das in den Medien ganz groß geprägt), dass Leser, die mit Hesse etwas anfangen können, mittlerweile klein und geduckt hervorbringen müssen, oh, ich finde ihn aber auch noch mit 40 + lesenswert …

Ich persönlich erlebe oft, dass man gerade im mittleren Alter sehr eingeengt in gesellschaftliche Konventionen steckt, die man kaum abwerfen kann, alleine schon aus beruflichen Gründen (Beispiel Handy in die Tonne werfen, wer kann das?), dass man kaum noch einen Baum als Baum erkennt. Das ist das Kleine was mir Hesse dann vermittelt, oder schau mal in einen Fluss und lass es einfach treiben.  Und sprachlich eine Köstlichkeit, wie Musik (okay) in meinen/den Ohren.

LG
Anita
Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können. Nietzsche in "Also sprach Zarathustra"

Offline Sir Thomas

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Re: Klassiker mit 20 und mit 40
« Antwort #58 am: 4. Juni 2010, 14:52 »
... Persönliche Sichtweisen oder rein subjektive Kritik interessieren mich größtenteils nicht ...

Dieses Desinteresse scheint sich auf Sichtweisen zu beschränken, die den Deinigen entgegenstehen ...  :breitgrins:

Schöne Grüße

Tom

Offline Lauterbach

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Re: Klassiker mit 20 und mit 40
« Antwort #59 am: 4. Juni 2010, 18:18 »
Hallo Anita,

Zitat von: “Lauterbach“
Ich weiß nicht, ob man Hesse mißverstehen kann, weil so vielschichtig habe ich seine Texte nicht in Erinnerung.

Mir ging es im Grunde gar nicht um das Vielschichtig, einfach oder komplex, Lauterbach, sondern um die Schublade. Persönliche Sichtweisen oder rein subjektive Kritik interessieren mich größtenteils nicht, die Verallgemeinerung auf Kosten derer, die Hesse gut finden, finde ich einfach nicht angebracht. Die Schublade, dass Hesse ein Jugendautor ist, ist ja mittlerweile so fest verankert (MRR hat das in den Medien ganz groß geprägt), dass Leser, die mit Hesse etwas anfangen können, mittlerweile klein und geduckt hervorbringen müssen, oh, ich finde ihn aber auch noch mit 40 + lesenswert …

Ich persönlich erlebe oft, dass man gerade im mittleren Alter sehr eingeengt in gesellschaftliche Konventionen steckt, die man kaum abwerfen kann, alleine schon aus beruflichen Gründen (Beispiel Handy in die Tonne werfen, wer kann das?), dass man kaum noch einen Baum als Baum erkennt. Das ist das Kleine was mir Hesse dann vermittelt, oder schau mal in einen Fluss und lass es einfach treiben.  Und sprachlich eine Köstlichkeit, wie Musik (okay) in meinen/den Ohren.

LG
Anita


das ein Autor, den man gut findet und gerne liest kritisiert wird, das muß man aushalten können. Jeder liest nun einmal individuell und hat somit
ganz eigene Erfahrungen mit einem Autor. Es gibt nun mal keinen Kanon, den man allgemeinverbindlich in einem bestimmten Alter zu lesen
hat. Manche lesen ja sogar Harry Potter oder Karl May im fortgeschrittenen Alter. :breitgrins:
Nur ändert das nichts an den Erfahrungen einiger mit Hesse, das ist eben keine Schublade, sondern Erfahrung.

Gruß, Lauterbach