Ich bin zwar noch immer näher an den 20 als an den 40 (

), aber ich denke, das ist trotzdem nicht ganz der verkehrte Thread, um mich nach längerer Abwesenheit wieder zurückzumelden.

In letzter Zeit sind mir nämlich ein paar ... hmm, Veränderungen zwischen meinen Büchern und mir aufgefallen - und manche haben, denke ich, tatsächlich damit zu tun, dass ich
älter erwachsener geworden bin.
Seit längerem merke ich, dass sich Figuren oder Szenen aus gewissen Büchern in meine Gedanken schleichen, an denen ich vor Jahren gescheitert bin. So kommt mich des öfteren Herr Settembrini besuchen, obwohl ich doch den Zauberberg vor einem Drittel meines Lebens abgebrochen habe (130 Seiten vor Schluss

) ... und es wird auch mein Verdacht immer stärker, dass ich der Klavierspielerin noch eine Chance geben sollte, bevor ich doppelt so alt wie bei meinem ersten Versuch bin.
Eine echte Leseoffenbarung habe ich erst neulich mit Kafka erlebt - als Pubertierende die Verwandlung mäßig interessant, zu einigen anderen seiner Texte überhaupt keinen Zugang gefunden, die Strafkolonie abgebrochen weil zu mühsam - und jetzt! jetzt!!! (also letzte Woche

) Amerika gelesen, vom Anfang bis zum Ende völlig fasziniert ... und soeben die Strafkolonie und einen Haufen anderer Texte hervorgekramt und entstaubt. Kafka und Bluebell, nächste Runde! *gong*
Der Faust I hat mich ja mit 17 schon in seinen Bann gezogen, und danach mit jedem (Quer-)Lesen aufs Neue - nun habe ich ihn mir nach Jahren zum ersten Mal wieder komplett zu Gemüte geführt, und bei manchen Szenen schien mir wirklich, als würde ich sie jetzt zum ersten Mal
richtig wahrnehmen. Schön war außerdem, dass meine alten Lieblingsstellen nichts von ihrer Wirkung eingebüßt hatten, sondern nach wie vor an mein Innerstes rührten und diese gewissen Saiten zum Klingen brachten ... das scheint tatsächlich eines der Werke zu sein, in die man ruhig hineinwachsen kann. Ich bin gespannt, was die nächsten Jahre noch aus dem Stück für mich zu Tage fördern!

Bei einigen anderen Schriftstellern bekomme ich schön langsam Panik, dass mir die Zeit davon läuft (oder schon davon gelaufen ist). Um Hesse habe ich nach einer missglückten Schullektüre mit 15 einen großen Bogen gemacht und daher das Alter verpasst, in dem ihm die meisten meiner Freunde verfallen sind (16-18). Wenn ich mir nun so ansehe, wovon seine Bücher handeln, denke ich mir: "NEIN! - was hätte mir der Hesse gefallen, wenn ich ihn mit 20 gelesen hätte, ich dumme Kuh!"

Ich gebe ihm bestimmt noch eine Chance und kann mir gut vorstellen, dass ich mir auch jetzt noch etwas mit ihm anzufangen weiß - aber es ist einfach schade, dass ich ihn nicht zu dem Zeitpunkt gelesen habe, wo er anscheinend in mein Weltbild gepasst hätte wie die Faust aufs Auge.
Jules Verne ist auch so ein Kandidat - ich habe einiges von ihm geschenkt bekommen, mal reingeschnuppert und bin mir sicher, dass ich als Kind hin und weg gewesen wäre - aber heute ...? Nun, man wird sehen.
Anderes springt mich zwar an und versetzt mir jedes Mal wieder ein Kribbeln, wenn ich damit in Berührung komme, aber mein Bauch sagt mir, dass ich noch nicht so weit bin und es mir ruhig noch 10 oder 20 Jahre aufsparen kann (Proust z.B.).
Achso, der Vollständigkeit halber wollte ich noch erwähnen, dass es nicht nur Klassiker sind, die mich jetzt noch immer/wieder/erstmals ansprechen (was jeder bestätigen kann, der mich auf Literaturschock trifft *g*) ... es gibt durchaus auch Trivialliteratur, aus der ich nicht herauszuwachsen scheine. Stephen King überrascht mich immer wieder, und das seit ich 13 bin!

Das ist nun zwar ein langer Beitrag geworden, aber es ist ja auch der erste seit langer, langer Zeit

... bis bald!