Autor Thema: Lese-Fundstück  (Gelesen 22886 mal)

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Antw:Lese-Fundstück
« Antwort #105 am: 28. Juli 2011, 20:50 »
Wie ich finde eine sehr nette, und neue, Idee für einen Krimi:

https://www.triboox.de/manuskripte/das-essen-mit-vera/orTXKcsn2Pu/

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Antw:Lese-Fundstück
« Antwort #106 am: 4. August 2011, 09:52 »
Moin, Moin!

Beklommen sah ich die Heerscharen der Gläubigen, denen sich, wenn man den Namen des Papstes ausspricht, von ganz allein die Augen nach oben drehen. (Christa Wolf an Charlotte Wolff, 17.5.1984)

Sehen Sie, hetereosexuelle Männer, die in den Stand der Ehe treten, sind wie Priester: Sie legen ein Keuschheitsgelübde ab, nur wird ihnen das anscheinend erst drei, vier, fünf Jahre später bewußt. (Philip Roth: Das sterbende Tier, S. 76)

... verlief ihre Geschichte bergab, zuletzt mit einem enormen Neigungswinkel. (Arnold Stadler: Der Tod und ich, wie zwei)

Vom Vorlesen des Weihnachtsevangeliums aus der Bibel wollten wir schon gar nichts wissen. Da waren wir alle, außer Mutter, schon ziemlich betrunken und warteten nur noch auf ein Zeichen zum Streit. Jedes Weihnachten war es so: ein Widerwort genügte, und das Fest fiel in sich zusammen. (Arnold Stadler: Der Tod und ich, wie zwei, S. 40)

Es gab Tage, da konnte sich Sebastian nur mit sehr konkret ausgestalteten Mordphantasien über Wasser halten. (Jakob Hein: Vor mir den Tag und hinter mir die Nacht, S. 67)

Überhaupt kam Iris die Suche nach einem Mann wie ein Überlebenskampf im Treibsand vor. (Jakob Hein: Vor mir den Tag und hinter mir die Nacht, S. 55)

Morgens fühle ich mich oft wie eine fluglahme Rohrdommel, die nur mit Mühe etwas krächzen kann. Dafür komme ich mir an sehr gelungenen Abenden wie eine unvergleichlich schöne Raubkatze vor. An den Tagen dazwischen fühle ich mich am ehesten wie irgendein Nutztier." (Jakob Hein: Vor mir den Tag und hinter mir die Nacht, S. 38)

Blumenhandel ist noch eine Möglichkeit, wenn man gern sehr früh aufsteht, wenig Geld verdienen möchte, viel Geschmack und Ahnung von guten Blumen hat und möglichst noch keine Blumenkette einen Laden in der Nähe aufgemacht hat. (Jakob Hein: Vor mir den Tag und hinter mir die Nacht, S. 28)

Alle sagen, diese kugelförmigen Gläser sind falsch für Goldfische, aber immer noch besser, als japsend auf der Anrichte zu liegen, da können sie jeden Goldfisch fragen. (Jakob Hein: Vor mir den Tag und hinter mir die Nacht, S. 31)
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Antw:Lese-Fundstück
« Antwort #107 am: 6. August 2011, 09:02 »
Moin, Moin!

Die Stunde flieht.
Dem Gestern stürzt das Heute Flink nach.
Doch jene bringt die schönste Beute,
Durch die wir lesend etwas besser werden.
(Quevedo y Villegas)

Ich "arbeite" längst gelesene Bücher auf und stoße auf viele Bibliomanes, so auf die Liga gegen das Verleihen von Büchern oder die despektierliche Einschätzung des Mißbrauchs von Büchern durch Frauen.

Bei den Bibliomanen hinzugekommen ist der Ungar Jamnitzky. Eine alte Anekdote, die mir jetzt schon mehrfach untergekommen ist, berichtet von einem zum Tode verurteilen Chinesen, der auf dem Weg zum Henker liest.
« Letzte Änderung: 6. August 2011, 09:27 von Dostoevskij »
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Antw:Lese-Fundstück
« Antwort #108 am: 9. August 2011, 19:53 »
Moin, Moin!

"Nein", sagte Mr Randsome. "Wir wohnen seit dreißig Jahren hier."
"Voll möbliert?"
"Natürlich", sagte Mr. Ransome. "Es war ein ganz normales Zuhause."
"Videogerät?"
"Nein", sagte Mr. Ransome. "Das Leben ist kompliziert genug."
(Alan Bennett: Cosi fan tutte, S. 19)
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Antw:Lese-Fundstück
« Antwort #109 am: 14. August 2011, 13:54 »
Moin, Moin!

In Deutschland hält sich einer immer dann für einen Idealisten, wenn er den Schmerz noch fühlt, mit dem ihm das Kreuz gebrochen wird. (Christa Wolf an Franz Fühmann, 13.10.1975)
« Letzte Änderung: 9. Januar 2012, 11:46 von Dostoevskij »
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Antw:Lese-Fundstück
« Antwort #110 am: 29. September 2011, 15:34 »
Zitat
Der Hang zur Überinterpretation ist die Pestillenz der heutigen Philologie. Es fehlt an Leuten, die dem Volk der Lesenden die frohe Botschaft des plaisir de la lecture zurückbringen.

...meinte der Herausgeber der großen Diderot-Sammlung von 1967, Hans Hinterhäuser, in seinem editorischen Nachwort.

Habt also Spaß am Lesen!

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Antw:Lese-Fundstück
« Antwort #111 am: 9. Januar 2012, 11:49 »
Moin, Moin!

Lukian und Fichtner besorgten mir Material, das wir bei einem Notar hinterlegten. Selbst im Falle meines plötzlichen Grippetodes würde Keferloher durch diese Papiere so sehr belastet werden, daß man ihn für den Urheber meines Hustens halten mußte. (Helmut Krausser: Eros, S. 99)

Meine Mum gehörte zu den Müttern, bei denen man sich freut, daß sie so nahe wohnen. Vor allem deshalb, weil sie dann nie über Nacht bleiben. Ich liebe sie innig, aber nur fein dosiert. Eine Tasse Tee hier, ein Abendessen dort - und natürlich so viele Babysitten, wie ich aus ihr herausquetschen konnte. (Jasper Fforde: Irgendwo ganz anders, S. 24)

Im Vorraum hielt ich die Hände ins Waschbecken. Ich betete um Wasser, abhängig von der Laune der Sensoren. (Christian Schünemann: Die Studentin, S. 75)

"Spelunke" trifft es nicht. Da könnte ich Ihnen ganz andere Läden zeigen. Dies dagegen ist, wie der Wirt oft zu sagen pflegt, ein solides Altberliner Frischbiergeschäft. (Ralf Rothmann: Berlin Blues. Ein Schauspiel, S. 20)

.. das alkoholisch-ölige Umherschweifen ihres Blicks. (Wilhelm Genazino: Mittelmäßiges Heimweh)

Nirgendwo ist das Fallgeräusch leerer Sätze so deutlich hörbar wie in einem Großraumbüro am Nachmittag. (Wilhelm Genazino: Mittelmäßiges Heimweh)

Radfahrern, die zu knapp und von hinten an mir vorbeifahren, möchte ich am liebsten hinterherpöbeln, aber dann tröstet mich der trockene Schreck im Gesicht der Leute, die aus einer Bank kommen und gerade ihren Kontostand gesehen haben. (Wilhelm Genazino: Mittelmäßiges Heimweh)
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« Antwort #112 am: 20. Januar 2012, 11:41 »
Moin, Moin!

"Du siehst ihn [Hans Mayer] so reden, schräg nach oben Sätze versendend, als denke Mayer ballistisch und wolle noch nebenbei Leipzig erreichen." (Martin Walser: Brief an einen ganz jungen Autor)
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Antw:Lese-Fundstück
« Antwort #113 am: 18. Februar 2012, 10:49 »
Moin, Moin!

Der Anblick der vielen Bücher auf Ihrer Ebene hat die Leute auf meinen richtigen Beruf verfallen lassen, und gelegentlich fordern die Herren im Seaview Hotel (Beer by Hürlimann) mich auf, über ihren jeweiligen Intimfeind einen Roman zu verfassen; so vernichtend soll die Strafe sein. (Uwe Johnson an Max Frisch, 22.3.1975)
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« Antwort #114 am: 8. Mai 2012, 16:10 »
José Maria Eca de Queiroz (1846 - 1900) war ein herrlich respektloser Spötter. In der "Reliquie" gibt es neben einer ganzen Reihe von fröhlichen Unverfrorenheiten gegen den Katholizismus auch eine Charakterisierung des imperialen Deutschtums, die es wert ist, in meinen Zitateschatz überführt zu werden. Der Held der Geschichte trifft als Reisegefährten einen deutschen Altertumsforscher, der so charakterisiert wird:

Zitat
Auch war er unausstehlich stolz auf sein Vaterland. Andauernd, und mit tönender Stimme, pries er Deutschland, die geistige Mutter der Völker; hernach bedrohte er mich mit dessen unwiderstehlichen Waffen. Deutschlands Allwissen! Deutschlands Allmacht! Ein riesiges, hinter Folianten verschanztes Kriegslager, wo die waffenstarrende Metaphysik Wache hält und "Halt, wer da!" ruft - so regierte Deutschland.

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« Antwort #115 am: 8. Mai 2012, 20:24 »
Moin, Moin!

José Maria Eca de Queiroz (1846 - 1900) war ein herrlich respektloser Spötter.

Ich las von ihm bislang "Der Mandarin" - "Das Verbrechen des Pater Amaro" - "Die Reliquie" - "Vetter Basilio" -"Das berühmte Haus Ramirez" - "Stadt und Gebirg" sowie das umfängliche "Die Maias". Ein Autor, den ich Rolf Vollmanns Falschmünzer verdanke. Wunderbar.
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