Bücher verändern sich durch die Reihenfolge der Lektüre.
Das ist unscharf ausgedrückt, denn die Bücher bleiben natürlich dieselben, nur die Eindrücke, die ein Leser von ihnen hat, verändern sich. Auf dieser sprachlichen Unschärfe beruht Manguels Verwunderung im letzten Satz:
Und doch erwarten wir von einer Bibliothek aus realen Büchern eine ganz andere Konsequenz als von der Bibliothek unseres Geistes.
Das reale Buch verändert sich doch gar nicht, deshalb braucht man davon auch keine besondere "Konsequenz" zu erwarten. Der scheinbare Gegensatz "Bücher verändern sich laufend / Bücher bleiben immer dieselben" ist reine Sprachspielerei.
Jedes Buch aus diesem Kaleidoskop wandelt sich unablässig; jede neue Lektüre gibt ihm eine neue Wendung, läßt ein anderes Muster entstehen.
Wenn es so wäre, dann würde ja ein halbes Dutzend Bücher fürs Leben reichen, die könnte man dann immer wieder neu lesen und sie sich fortwährend im Geiste spiegeln, um sich dann daran exponentiell zu erfreuen, oder so.

Schöne Grüße,
Wolf