Autor Thema: Lese-Fundstück  (Gelesen 20917 mal)

Offline sandhofer

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Re: Lese-Fundstück
« Antwort #30 am: 17. Oktober 2009, 05:51 »
Bücher verändern sich durch die Reihenfolge der Lektüre. Liest man den 'Don Quijote' nach Kiplings 'Kim', ist es nicht dasselbe Buch wie wenn man zuvor 'Huckleberry Finn' gelesen hat, denn es verändert sich im Lichte der vorangegangenen Erfahrungen des Lesers mit Reisen, Freundschaften und Abenteuern.

Ich bin mir nicht sicher, wie Manguel das nun meint, aber es gilt natürlich nicht nur für die unmittelbar vorhergegangene Lektüre sondern im Grunde genommen für alles, das ich schon vorher gelesen habe. Wenn ich unmittelbar vor Austers City of Glass einige Texte von Borges gelesen habe, werden mir Austers sehr starke Anleihen beim Argentinier natürlich viel stärker ins Auge fallen, als wenn ich Burckhardts Die Zeit Constantins des Großen ein halbes Jahrzehnt nach Gibbons The History of the Decline and the Fall of the Roman Empire lese, da ich in letzterem Fall die Ähnlichkeiten natürlich durch erneute Lektüre von Gibbon verifizieren müsste, um zu klären, ob es mehr ist als nur ein gemeinsames Thema, das die beiden Werke verbindet. Aber vielleicht meint Manguel das mit seiner "Bibliothek des Geistes".
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus: Beim Wort genommen

Offline Gronauer

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Re: Lese-Fundstück
« Antwort #31 am: 27. Oktober 2009, 14:16 »
Ein geneigter Leser unterscheidet sich von einem ungeneigten nur durch den Grad des Winkels, den er mit dem Buche oder dessen Verfasser bildet. Der geneigte Leser bildet einen spitzigen, der gleichgültige einen rechten, der ungeneigte Leser einen stumpfen Winkel.

Gefunden bei Ludwig Börne, Des Alten Buches zweiter Teil, eine Käsenovelle.

Offline BigBen

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Re: Lese-Fundstück
« Antwort #32 am: 16. Dezember 2009, 18:27 »
"Mit den Autoren ist kein Mitleiden zu haben - und den Lesern ist nicht zu helfen. Aber gleichwohl wäre zu wünschen, daß die Leute besser lesen lernten. "

"Wie man ließt" von C.M. Wieland
"Es ist die Pflicht eines jeden, es auch auszusprechen, wenn er etwas als falsch erkennt." --- Stefan Heym (2001)

Offline Dostoevskij

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Re: Lese-Fundstück
« Antwort #33 am: 4. April 2010, 16:08 »
Moin, Moin!

Neben vielem anderen sammle ich so genannte Wortperlen, wohlgeschöpfte Begriffe:

Aus Karl-Heinz Offs “Ins Offene”: “Zerrüttungsgesten”, “aufgepeitschte Wortfuchtelei”

Aus Edward St. Aubyns ‘Schöne Verhältnisse’: “englische Oberschichtungeheuer”.

Aus Sibylle Lewitscharoffs ‘Apostoloff’: “Allzwecklächeln”, “seelische DNA”, “Mutmaßungstheater”, “Eigenhaßtheorie”; “Familienhorde”, “haltlose Verruchtheitsgesten”, “Vatervermeidung” (bei der Männerwahl), “schnöseliger Weltverachtungsgestus”.
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Offline Anita

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Re: Lese-Fundstück
« Antwort #34 am: 4. April 2010, 16:42 »
Neben vielem anderen sammle ich so genannte Wortperlen, wohlgeschöpfte Begriffe:

Dann empfehle ich dir Herta Müller

Zitat
Die Tage hingen an der Schnur der Zufälle …

oder

der eine ist ein Waisenbündel, der andere ein Elternbündel

LG
Anita
Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können. Nietzsche in "Also sprach Zarathustra"

Offline Dostoevskij

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Re: Lese-Fundstück
« Antwort #35 am: 5. April 2010, 10:08 »
Moin, Moin!

Bei den den thematischen Lesefundstücken zugeordneten Themenstreuseln gibt es die neue Rubrik "Mimik & Gestik".
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Offline Dostoevskij

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Re: Lese-Fundstück
« Antwort #36 am: 18. April 2010, 09:04 »
Moin, Moin!

Die am häufigsten anerkannten Scheidungsgründe sind: eins: Untreue, zwei: Unfruchtbarkeit, drei: Kriminalität, vier: Geisteskrankheit. Nur die besten schaffen alle vier. (Terezia Mora: Alle Tage, S. 329)

Der Luxus, im Halbschlaf die Vorstufen der Psychose in Sicherheit erkunden zu können. (Ian McEwan: Saturday, S. 37)

Seine Ehefrau (...), die Lärm sosehr gehaßt hatte, daßsie beim Auseinanderfalten der Zeitung einen Nervenzusammenbruch bekam. (Antonio Lobo Antunes: Die Leidenschaften der Seele, S. 352)

Der Platz war in den sechziger Jahren gebaut worden, auf dem Höhepunkt der britischen Liebesaffäre mit dem Beton. (Ray French: Ab nach unten, S. 11)

In diesen hellen Märztagen verwandelt sich das Land in einen lichten Garten, der, wenigstens auf den zweiten Blick, dem Auge eine milde Schönheit gewährt. (Karl- Heinz Ott: Ins Offene, S. 8)
« Letzte Änderung: 18. April 2010, 09:07 von Dostoevskij »
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Re: Lese-Fundstück
« Antwort #37 am: 20. April 2010, 19:18 »
Moin, Moin!

Kommissar: Was haben Sie heute Morgen gemacht (…)?
Befragte: Gelesen. Ich hab’ gelesen.
Kommissar: Allein?
Befragte (empört): Ja, zu wievielt lesen SIE denn?
(Rosenheim-Cops: “Tod in der Rikscha”)
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Re: Lese-Fundstück
« Antwort #38 am: 24. August 2010, 21:18 »
Moin, Moin!

"Der einzige Rat nämlich, den ein Mensch einem anderen in puncto Lesen geben kann, ist der auf keinen Rat zu hören, dem eigenen Instinkt zu folgen, den eigenen Verstand zu gebrauchen, eigene Schlüsse zu ziehen." (Klaus Walther: Was soll man lesen? Ein Lese-Verführer, S. 187)
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Re: Lese-Fundstück
« Antwort #39 am: 26. August 2010, 11:26 »
Stammt aus Knallkopf Wilson von Mark Twain und wird viel zu wenig beherzigt:

Anmerkung zu den Adjektiven: wenn du dir nicht sicher bist, lasse sie weg.

Offline Dostoevskij

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Re: Lese-Fundstück
« Antwort #40 am: 7. Oktober 2010, 17:58 »
Moin, Moin!

Ich esse, dann trinke ich den Schnaps und das Cola, dann mache ich das erste Bier auf. Kurz vor Wiener Neustadt beginne ich wieder in "Train Dreams" zu lesen. Vielleicht liegt es am Alkohol, aber das ist unwichtig, jedenfalls bin ich glücklich, dieses Buch gekauft zu haben und jetzt lesen zu können. Dieses Gefühl ist etwas Konstantes und Kostbares in meinem Leben, ich kenne es, seit ich sieben Jahre alt war und unter dem Weihnachtsbaum mit "Huckleberry Finn" anfing. Ich sitze im Zug, lesen in "Train Dreams" und fühle mich geborgen, ich habe mehr als ein Buch, mehr als einen Gegenstand gekauft, ich habe mir Gedanken gekauft, die Chance, mehr zu werden. (Thomas Glavinic: Das bin doch ich, S. 159)
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Re: Lese-Fundstück
« Antwort #41 am: 17. Oktober 2010, 07:29 »
Moin, Moin!

Auch etwa hundertzwanzig Romane liegen da. Ihre Lektüre würde ich aber nur dann in Angriff nehmen, wenn dies Jahr wirklich der Sommer ausbleiben sollte und der Ofen ewig weiter brennen müßte. Schade übrigens, daß Bücher so schlecht brennen! Der Ofen weigert sich, sie zu verdauen. Er ist klüger als ich. Und immer noch regnet es. (Hermann Hesse: Sämtliche Werke, Bd. 14: Betrachtungen und Berichte. 1927-1961, S. 93)

Auffallend ist die große Zahl von Reisebüchern mit schönen verlockenden Titeln - lauter Bücher über fremde Länder, die von begabten und entschlossenen Autoren im Auftrag von Zeitungen bereist und eilig beschrieben wurden, oft von großer Schmissigkeit und Frecheit, aber alle ohne eigentlichen Wert, geichgültige Gelegenheitsarbeiten gerissener Literaten, Augenblicksfutter für ein Modepublikum. (Hermann Hesse: Sämtliche Werke, Bd. 14: Betrachtungen und Berichte. 1927-1961, S. 40)
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MacOss

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Antw:Lese-Fundstück
« Antwort #42 am: 12. November 2010, 09:47 »
Daniel Kehlmann über Heinrich von Kleist (aus seiner Dankesrede zur Verleihung des Kleist-Preises 2006):

«Seine eigentümlich helle Metaphysik – vielleicht ist sie auch ein Grund, ihn zu lesen und aufzuführen in einer Zeit, da in unserem Kulturkeis manchmal gemeint wird, dem Andrang eines fremden Glaubensfanatismus nichts weiter entgegensetzen zu können als die eigene überwundene Religiosität.»
(Daniel Kehlmann: Lob. Über Literatur, S. 80)

Offline Dostoevskij

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Antw:Lese-Fundstück
« Antwort #43 am: 14. November 2010, 10:33 »
Moin, Moin!

Bibliomane Fundstücke aus Tellkamps "Turm" hier und hier.

"Ein Rausch aus Bruchstücken erschlichener Lektüren." (Uwe Tellkamp: Der Turm)

"Christian liebte dicke Bücher. Mit 500 Seiten begannen die wirklichen Romane. Mit 500 Seiten begann der Ozean, drunter war Bachpaddeln." (Uwe Tellkamp: Der Turm)
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Offline Lost

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Antw:Lese-Fundstück
« Antwort #44 am: 18. November 2010, 19:20 »
"Vieles Lesen macht stolz und pedantisch, viel sehen macht weise, verträglich und nützlich".

Lichtenberg