Autor Thema: George Eliot (1819-1880)  (Gelesen 3425 mal)

Offline Dostoevskij

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George Eliot (1819-1880)
« am: 23. Februar 2004, 14:35 »
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« Letzte Änderung: 2. Februar 2010, 17:34 von Dostoevskij »
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Offline sandhofer

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Re: Fragen zu George Eliot
« Antwort #1 am: 24. Februar 2004, 08:32 »
Hallo Dostoevskij

The Mill on the Flossund Adam Bede sind äusserst lesbar und äusserst empfehlenswert. Weiteres kenne ich nicht von ihr.

Grüsse

Sandhofer
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Offline sandhofer

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Eliot
« Antwort #2 am: 24. Februar 2004, 17:54 »
Hallo zusammen!
Hallo Dostoevskij

Zitat von: Dostoevskij
dass das eine eher intellektuelle Autorin ist, die zum Analysieren, Refelktieren etc. neigt.


Ich bin mir nicht sicher, ob Peter Stoll und ich dieselbe Autorin gelesen haben ...

drb?

Grüsse

Sandhofer
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Offline Steffi

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George Eliot (1819-1880)
« Antwort #3 am: 25. Februar 2004, 13:48 »
Hallo,

seit kurzem habe ich Middlemarch auf meinem SUB - ich kenne bisher nichts von George Eliott - doch halt, vor vielen Jahren habe ich versucht, Silas Marner auf Englisch zu lesen, aber so gut wie nichts verstanden und bald aufgegeben ...

Ich hoffe, Middlemarch ist nicht zu analytisch, solche Passagen bremsen mich in englisch immer  :sauer:

Gruß von Steffi
Gruß von Steffi

Offline Alamir

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George Eliot (1819-1880)
« Antwort #4 am: 22. Mai 2004, 23:56 »
Daniel Deronda verbindet die Geschichte der Beziehung von Gwendolen Harleth und Mallinger Grandcourt, die ohne Liebe und obwohl er eine abgelegte Maitresse und uneheliche Kinder hat (in der viktorianische Zeit ein ziemliches bäh), heiraten, mit Daniel Derondas Suche nach seinen jüdische Wurzeln, bei denen er mit der Sängerin Mirah zusammentrifft und in dem jüdischen Philosophen Mordecai Cohen einen Freund findet.

Mehr verrate ich nicht. Ich habe das Buch zweimal und mit großem Interesse gelesen. Zum Einstieg in die Werke George Eliots mag Middlemarch jedoch besser geeignet sein.

Offline JMaria

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George Eliot (1819-1880)
« Antwort #5 am: 30. Juni 2005, 21:42 »
Zitat von: Alamir
Zum Einstieg in die Werke George Eliots mag Middlemarch jedoch besser geeignet sein.


Hallo zusammen,

Virginia Woolf über das Buch "Middlemarch" von George Eliot folgendes gesagt:

"Kehrt man nach Jahren der Abwesenheit zu den Büchern zurück, fühlt man, selbst wider Erwarten, die gleiche Wärme und Energie davon ausgehen und hat keinen größeren Wunsch, als darin zu verweilen wie in der Sonne, die von der roten Mauer des Obstgartens niederstrahlt... George Eliot erfaßt in ihrem weiten Zugriff einen großen Strauß der Hauptelemente der meinschlichen Natur und ordnet sie lose zusammen mit einem weitherzigen und wohltätigen Verständnis, das nicht nur ihre Gestalten frisch und frei erhalten hat, ... sondern ihnen unerwartet auch Macht über unser Lachen und unsere Tränen gibt"

ich habe bisher nur "Silas Marner" gelesen, darin ist deutlich zu merken, dass die Schriftstellerin die Pflicht eines Menschen hervor hebt, die Nächstenliebe und Loyalität zu einem Menschen den man liebt mit all seinen Pflichten, bis zum Tod.

Sehr empfehlen kann ich auch die Biographie von  Elsemarie Maletzke über "George Eliot". Sie gibt sehr schön Einblick in das Leben und den Werken der Schriftstellerin.

Grüße von
Maria
PS: Sandhofer, vielleicht könnte man den Titel des Threads auf "George Eliot" abändern, dann könnte man auch weitere Eindrücke zur Autorin hier sammeln.
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Offline Steffi

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George Eliot (1819-1880)
« Antwort #6 am: 1. Juli 2005, 09:19 »
Hallo zusammen !

Ich habe ja nun Middlemarch gelesen. Bei der Lektüre ist zu spüren, dass George Eliot intelligent war und eine sehr umfassende Bildung hatte. Sie beschreibt ja nicht nur - wie etwa Jane Austen - die gesellschaftlichen Beziehungen sondern läßt auch politische Entscheidungen und deren Auswirkungen einfließen, auch religiöse Themen schneidet sie an. Insoweit hatte sie sicherlich auch das Bestreben, die Dinge nicht nur oberflächlich darzustellen.

Ob sie nun als analytisch oder intellektuell zu bezeichnen ist, kann ich eigentlich nicht beurteilen, da fehlen mir Vergleichmöglichkeiten und griffige Definitionen.

Gruß von Steffi
Gruß von Steffi

Offline JMaria

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George Eliot (1819-1880)
« Antwort #7 am: 1. Juli 2005, 10:00 »
Zitat von: Steffi
Hallo zusammen !

Ich habe ja nun Middlemarch gelesen. Bei der Lektüre ist zu spüren, dass George Eliot intelligent war und eine sehr umfassende Bildung hatte. Sie beschreibt ja nicht nur - wie etwa Jane Austen - die gesellschaftlichen Beziehungen sondern läßt auch politische Entscheidungen und deren Auswirkungen einfließen, auch religiöse Themen schneidet sie an. Insoweit hatte sie sicherlich auch das Bestreben, die Dinge nicht nur oberflächlich darzustellen.

 Gruß von Steffi


Hallo Steffi

George Eliot sagt von sich selbst:

"Der Wunsch ... die Namen der Dinge zu kennen ... ist Teil einer Neigung, die nun beständig in mir wächst, jeder Art von Unbestimmtheit und Ungenauigkeit ins Tageslicht deutlicher, lebendiger Gedanken zu entkommen."


Sie wird angeregt von Ruskins Forderung nach Realismus in der Bildenden Kunst. Gehörte John Ruskin nicht zu den Präraffaeliten?
mit dem Ziel nach 'Kunst ohne Künstlichkeit'?

Mit diesem Thema habe ich mich noch zuwenig befaßt, aber das obige Zitat könnte auch von Virginia Woolf stammen.

womit wir auch zu ihren Zeitgenossen Thackeray und Dickens kommen, die die Bürger der unteren Schichten unterhalten haben, aber George Eliot hat deren Drolligkeit nicht übernommen und in ihren Romanen den Ernst eingeführt.  

Parallelen zwischen George Eliot und Virginia Woolf gibt es auch, wenn man liest wie beide Schriftstellerinnen fieberten, wenn ein Buch zur Veröffentlichung kam.  Deren Lebenspartner (George Henry Lewes und Leonard Woolf) haben beide versucht negative Kritik zu lange wie möglich von den Autorinnen fern zuhalten. Beide Männer haben sich dem Werk ihrer Frauen gewidmet und haben auch selbst veröffentlicht.

in Elsemarie Maletzkes' Biographie schreibt sie über G. Eliot:
 
Wer sich George Eliot heute nähert, begegnet einer schwierigen und widersprüchlichen Frau, die mehr als eine Doppelrolle spielt. Freiheit, Macht und Erfolg waren nicht weiblich. Ihr Wunsch, in der männlichen Geistes-Welt anerkannt zu werden, führte sie in den haltlosen Zustand zwischen den Geschlechtern. Schon bevor sie sich George nannte, schrieb sie von einem ausdrücklich männlichen Standpunkt...
S. 14 (Insel-TB it 1973)

diese Gedanken fand ich sehr interessant.

Grüße von
Maria
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Offline sandhofer

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Dostojewskij?
« Antwort #8 am: 1. Juli 2005, 19:25 »
Hallo JMaria!

Zitat von: JMaria
Sandhofer, vielleicht könnte man den Titel des Threads auf "George Eliot" abändern, dann könnte man auch weitere Eindrücke zur Autorin hier sammeln.

Dostojewskij, als Initiator des Threads: einverstanden?

Grüsse

Sandhofer
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Offline xenophanes

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Re: George Eliot (1819-1880)
« Antwort #9 am: 28. Juni 2009, 08:42 »
Hallo!

Meine Meinung zu "Middlemarch" kann man seit gestern hier nachlesen:

http://koellerer.net/2009/06/27/george-eliot/

CK


Offline thopas

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Re: George Eliot (1819-1880)
« Antwort #10 am: 7. Juli 2010, 10:36 »
Hallo zusammen, hallo Maria,

ich habe unsere George-Eliot-Diskussion aus dem "Was lest ihr gerade?"-Ordner mal hierher umgezogen (ich werde mich hier dann weiter dazu äußern):

  Danke für den Link. Der englische Wikipedia-Artikel zu Middlemarch gibt am Anfang einen ganz guten Überblick, was einen erwartet, ohne Details der Handlung zu verraten.

Angeblich soll eine Verfilmung des Romans dieses oder nächstes Jahr in die Kinos kommen. Dazu gibt es aber leider kaum Informationen im Internet.
 

Auch dir ein Danke schön für den Link zu Wikipedia. Ich benutze auch immer die verschiedensten Quellen wenn ich ein besonderes Werk lese und darunter zähle ich auch "Middlemarch". Wenn es soweit ist, werde ich mir auch Virginia Woolfs Ansicht zu George Eliot zu Gemüte führen (in The Common Reader, dtsch. Der Gewöhnliche Leser). Habe ich zwar vor Jahren bereits gelesen, aber vieles wieder vergessen. Auffrischung tut Not.

Weiterhin viel Freude mit diesem Buch.

Von einer Verfilmung habe ich auch noch nichts gehört. Danke für die Info.

Viele Grüße
Maria

Danke für den Hinweis auf Virginia Woolf. The common reader kenne ich noch nicht. Das wandert dann gleich auf meine Liste!

Viele Grüße
thopas


Offline JMaria

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Re: George Eliot (1819-1880)
« Antwort #11 am: 30. August 2010, 15:53 »
Hallo zusammen,

ich habe mit Middlemarch begonnen um diese Lücke endlich mal zu schließen. Ich bin jetzt im 1. Buch bis Kapitel 6 gekommen und bin überrascht wie humorvoll GE sein kann; ihre Charakterzeichnungen sind sehr präzise ... überhaupt nimmt sie den Leser bei der Hand und gibt so ziemlich alles vor, diese Art des Erzählens hatte ich jetzt schon länger nicht mehr und ich mußte mich darauf einstellen. Eine Studie über das Leben in der Provinz. Ich kann mir die Pfarrersfrau Mrs. Cadwallader vorstellen, wenn es heißt im Kapitel 6:

Sir James:
"Was für ein Recht hat so ein alter Junggeselle wie er zu heiraten? ... Er steht mit einem Fuß im Grab".

Mrs. Cadwallader:
"Ich nehme an, er wird ihn wieder herausziehen."

 :breitgrins:


@thopas,
die Anmerkungen in meiner gebundenen Reclam-Ausgabe ist doch sehr hilfreich, wir hatten ja mal dieses Thema vor geraumer Zeit. Es ergibt sich so ein besseres Bild vom Umbruch der damaligen Zeit.

Viele Grüße
Maria
Aktuell:

Offline thopas

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Re: George Eliot (1819-1880)
« Antwort #12 am: 31. August 2010, 10:08 »
Hallo Maria,

ich befinde mich immer noch in Middlemarch (irgendwo im Kapitel "The widow and the wife"). Im Buch wechseln sich immer Handlungskapitel mit Hintergrundkapiteln ab, habe ich das Gefühl. Gerade die Hintergrundkapitel sind diejenigen, wo ich dann gelegentlich mal eine Anmerkung bräuchte. Aber ich habe mich nun schon daran gewöhnt, das Buch ohne Anmerkungen zu lesen. Bei einer erneuten Lektüre kann ich mir ja dann eine andere Ausgabe zulegen...

Mrs. Cadwallader ist wirklich ganz amüsant, auch wenn sie nur gelegentlich vorkommt  :smile:.

Viel Spaß bei der Lektüre  :winken:.

Viele Grüße
thopas

Offline thopas

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Re: George Eliot (1819-1880)
« Antwort #13 am: 6. Oktober 2010, 14:21 »
Hallo,

ich habe Middlemarch inzwischen übrigens zu Ende gelesen. Mit der Zeit nehmen die theoretischen Abschnitte immer mehr ab und Eliot behandelt fast ausschließlich die drei Haupthandlungsstränge (Dorothea & Will Ladislaw; Rosamond und Dr. Lydgate; Fred Vincy und Mary Garth). Das sind drei ganz unterschiedliche "Liebes"geschichten, die allerdings ziemlich genau analysiert werden. Ich fand die Geschichte um Lydgate und Rosamond am ergreifendsten, da hier so ganz genau auseinandergedröselt wird, wie falsche Erwartungen an den Partner/ein Nicht-Eingehen auf den Partner/Unfähigkeit zur Kommunikation zu herben Enttäuschungen und allgemeiner Verbitterung führen können. Lydgates Standpunkt wird dabei deutlicher herausgearbeitet, sodaß einem der arme Doktor dann schon ziemlich Leid tun kann.

Eine sehr interessante Lektüre, die sehr stark ins Detail geht, was die Analyse von Gefühlen, Handlungsmotivation etc. angeht.

Hast du das Buch schon zu Ende gelesen, Maria?

Viele Grüße
thopas

Offline JMaria

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Re: George Eliot (1819-1880)
« Antwort #14 am: 7. Oktober 2010, 13:46 »
ich habe Middlemarch inzwischen übrigens zu Ende gelesen. Mit der Zeit nehmen die theoretischen Abschnitte immer mehr ab und Eliot behandelt fast ausschließlich die drei Haupthandlungsstränge (Dorothea & Will Ladislaw; Rosamond und Dr. Lydgate; Fred Vincy und Mary Garth). Das sind drei ganz unterschiedliche "Liebes"geschichten, die allerdings ziemlich genau analysiert werden. Ich fand die Geschichte um Lydgate und Rosamond am ergreifendsten, da hier so ganz genau auseinandergedröselt wird, wie falsche Erwartungen an den Partner/ein Nicht-Eingehen auf den Partner/Unfähigkeit zur Kommunikation zu herben Enttäuschungen und allgemeiner Verbitterung führen können. Lydgates Standpunkt wird dabei deutlicher herausgearbeitet, sodaß einem der arme Doktor dann schon ziemlich Leid tun kann.

Eine sehr interessante Lektüre, die sehr stark ins Detail geht, was die Analyse von Gefühlen, Handlungsmotivation etc. angeht.

Hast du das Buch schon zu Ende gelesen, Maria?
 

Hallo thopas,

ich bin im 6. Buch "Die Ehefrau und die Witwe" und es gefällt mir immer noch sehr gut. Ich finde, George Eliot ist eine wunderbare Beobachterin des Provinzlebens und gerade die Analyse des gesellschaftlichen Lebens prägt diesen Roman, dabei bleibt sie dennoch sehr nüchtern, wenn es um das Gefühlsleben geht.

Ich empfinde das Buch als eine Bereicherung.

Viele Grüße
Maria
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