Moin, Moin!
Einen solchen habe ich gerade gelesen: Samuel Pepys' Geheime Tagebücher. Auch er literarisch durch nichts anderes bekannt geworden. Ähnlich wie bei Boswell bin ich mir nicht sicher, ob der Mann nun für die Nachwelt schreibt oder nur für sich selber. Auf jeden Fall scheint er sehr ehrlich und offen zu sein. Seine ehelichen Probleme, seine Seitensprünge, seine Bestechlichkeit im Amt, das politische und gesellschaftliche Leben seiner Zeit - alles macht den Eindruck offener und ehrlicher Darstellung. Und dennoch scheint mir der Stil einen späteren Leser vorauszusetzen. Faszinierend. Verwirrend. Höchst interessant.
Ich lese sie zurzeit. Ein wirklich buntes, alltagsnahes Bild der damaligen Zeit. Rührend, wie er sich immer wieder mit seiner Frau zankt, dann aber doch aufatmtet, wenn man sich versöhnen konnte, wie sie sich "im Bett amüsieren". Und überhaupt so Sachen wie "mit meiner Frau Karten gespielt", "musiziert" oder "gesungen" oder "lange geredet". Stellt euch das doch heute vor.
Schauerlich die Schilderungen der Pest, des Bandes von London, die Hinrichtungen in Beisein der Schaulustigen usw.