Hi zusammen,
als ausgesprochener Liebhaber der phantastischen Literatur melde ich mich einmal wieder.
Meines Wissens wurde der Ausdruck „Phantastische Literatur“ im Zusammenhang mit der „Schwarzen Romantik“ geboren.
Er bezeichnete Geschichten, in deren Realität plötzlich das Unheimliche, Irrationale, Übernatürliche, handelnd eingreift, sei es nur in traumhaften Visionen.
Daraus wurden der „Schauerroman“ bzw. die „Gothic novel“
Bekannte Vertreter sind u.a. E.T.A. Hoffmann, Gustav Meyrink, Edgar Allan Poe, Nathaniel Hawthorne, Ambrose Bierce, Guy de Maupassant, Gerard de Nerval, Nikolai Gogol.
Aus dieser Tradition entwickelten sich, meiner Meinung nach, durch Hervorhebung einzelner Elemente des Phantastischen die heutige meistens genutzten Genres „Horror“, „Fantasy“, „Science Fiction“, der „magische Realismus“ der Südamerikaner. Auch große Teile des Surrealismus wurzeln in dieser Tradition. Ich benutze „Phantastik“ immer noch als übergreifendes Genre in meiner persönlichen Kategorisierung.
Ein hervorragenden Überblick geben „Die Meisterwerke der phantastischen Weltliteratur“ hrsg. von Jorge Luis Borges in der Edition Weitbrecht, die für mich heute noch ein Garant für gute „Phantastik“ ist.
Es gibt viele Autoren, die auch heute so genreübergreifend schreiben, dass sie keinem eindeutig zuzuordnen sind, wie H.P. Lovecraft, Algernoon Blackwood. Ray Bradbury, Ursula K. Le Guin, Stephen R. Donaldson, Mark Helprin und ganz neu auf der Bildfläche China Meville.
Die Fantasy wird zwar meist mit J.R.R.Tolkien in Verbindung gebracht, aber William Morris hat schon früher „Fantasy“ geschrieben (heute eher als Urvater der Grünen bekannt) und wahrscheinlich kam der Begriff (wie so häufig) aus den USA mit Robert E. Howards „Conan“. Vorher ist mir der Begriff in Deutschland (auch bei HdR) nicht über den Weg gelaufen.
Ein großes Verdienst für die Verbreitung von anspruchsvoller „Phantastik“ und/oder „Fantasy“ gebührt immer noch dem Klett-Cotta-Verlag mit seiner Hobbit Presse, in der neben Tolkiens Werke viele „Klassiker“ herausgebracht wurden. Und natürlich dem Fischer TaBu-Verlag, der in seiner Reihe „Bibliothek der phantastischen Abenteuer“ für einige Zeit einige Perlen den deutschen Lesern zugänglich machte.
Ich weiß zwar, das viele Definitionen es anders als ich sehen, aber bisher war mir keine schlüssig genug, um sie zu übernehmen. Ich halte auch nicht viel davon, Werke, die entstanden, als es noch keine detaillierte Genre-Einteilung gab, nachträglich mit Gewalt in etwas hineinzupressen. Darum beginnt für mich auch die SF (hieß übrigens am Anfang im Deutschen „utopisch-phantastische Literatur“) mit Jules Verne und nicht mit Thomas Morus.
Wenn’s interessiert kann hier eine Definiton der SF bzw. Fantasy nachlesen
http://www.epilog.de/sf/Encyclopedia/Index.htmlund bei
http://www.wissen.degibt es unter "fantastische Literatur" auch einige interessante Definitionen dazu.
LG Dyke