Hallo zusammen, und besonders Angélique,
nachdem mir "Bel Ami" so gut gefallen hatte, habe ich auf einen Tip einer Freundin "Fettklösschen" gelesen (im Original: "Boule de Suif"), wie ich ja vorher schon hier geschrieben hatte.
Ein ganz nettes kleines Büchlein, durchaus amüsant geschrieben, schnell zu lesen, dass im Rouen des 19. Jhdts. spielt und im Wesentlichen von einer Kutschfahrt in eine weiter weg gelegene Stadt handelt, wo die Insassen der Kutsche hoffen, Handel treiben zu können (nachdem Rouen von den Preussen eingenommen wurde und die Wirtschaft mehr oder weniger zum Erliegen kam). Während der Kutschfahrt zeichnet sich bereits ab, dass diese Novelle die Zweiklassen-Gesellschaft anprangert, viel mehr steckt vom Inhalt nicht hinter diesem Buch, es ist offensichtlich, dass Fettklösschen von den Damen und Herren höheren Standes ausgenutzt wird, um deren Interessen durchzusetzen.
Man muss hier auch wieder den Zeitpunkt betrachten, zu dem dieses Büchlein veröffentlicht wurde (1880), die Napoleonische Ära war noch nicht allzu lange vergangen, die Kämpfe zwischen Bürgern und Monarchie durchaus präsent. Maupassant hat in meinen Augen wieder einmal Weitblick und Mut bewiesen, in dem er eine solche Geschichte schrieb. Gustave Flaubert führte ihn in die Literatenkreise der damaligen Zeit ein, er starb leider zwei Monate nach der Veröffentlichung von Fettklösschen an einem Hirnschlag. Aber er hat wohl noch mitbekommen, dass Maupassant damit der Durchbruch gelang.
Für uns und unser Selbstverständnis zur heutigen Zeit birgt das Büchlein ausser seiner Sprache und der Leichtigkeit und Moderne seines Stils nichts weltbewegend Neues an Erkenntnissen. Wer dennoch Lust auf einen kleinen Ausflug nach Frankreich in diese Zeit hat (und es reichen 1-2 Stunden dicke), dem sei diese Erzählung durchaus ans Herz gelegt.

Viele Grüsse,
Nele