Hallo zusammen!
Vor rund einer Woche habe ich den Peuckert vorläufig zur Seite gelegt. Nicht, weil er schlecht wäre - aber er kann mich nicht packen. Irgendwie scheint das Buch aus Hunderten kleiner Geschichten zusammengesetzt, die dann aber doch zusammengehören, die dann aber doch keinen Zusammenhang zu schaffen vermögen. Quasi Dos Passos' U.S.A. - gescheitert.
So lese ich nun zum einen den Walter Scott Das Herz von Midlothian - spannend und gut geschrieben. Zum andern von Alfred Kerr Der Dichter und die Meerschweinchen - das rare Phänomen einer Erstausgabe eines Werks eines klassischen Autors. (Na ja: klassisch?) Erinnert von Thematik und Durchführung her stark an die Romantik: eine Mischung aus verschiedenen Text-Gattungen (Gedicht, Novelle, Tagebuch), darin ein Autor, der sich in 2 Personen teilt, der fast wahnsinnig wird, der sich selber beim Schreiben beobachtet und so über das Schreiben schreibt. Dann aber ist auch vieles von der neuen Sachlichkeit drin - der Text kommt mir manchmal vor wie eine Mischung aus Tucholskys Schloss Gripsholm und Kästners Fabian. Dazu ein weiteres erschütterndes Beispiel, wie ein Schriftsteller am Exil vor den Nazis zerbricht. Äusserst interessant und empfehlenswert.
Darauf gestossen bin ich übrigens zufällig bei einem Besuch in der Buchhandlung meines Vertrauens. Würde ich nun streng nach einer Liste und/oder nur elektronisch einkaufen, hätte ich das Kleinod nie gefunden. Und durch meinen Besuch und Spontan-Kauf unterstütze ich gleichzeitig die Initiative 'meiner' Buchhändlerinnen, auch anderes als die obligatorischen Harry Potters oder Kant-Biographien auszulegen.
Was ich damit andeuten will: Sich beklagen, die Buchhandlungen führten keine Klassiker mehr und zugleich alles nur bei amazon bestellen, geht irgendwie auch nicht auf. Aber das ist ein anderes Thema ...
Grüsse
Sandhofer