Hm ... weshalb sollte der Jude Kafka eine Satire über den Jüngsten Tag christlicher Prägung verfassen?
Nun, ich hätte auch von einer Satire auf die Jüdisch-Christliche Religionstradition schreiben können(sollen).
Lässt sich nicht schon der Anfang des Romans so lesen, dass Herr K. vom Tod (wie es sich ja am Ende herausstellt) aus dem Bett geholt und, vereinfacht gesprochen, zum Zweikampf gefordert wird, und findet sich dieses Ringen Mensch gegen Sensemann nicht in beiden Traditionen wieder?
Was Kafka und das Judentum betrifft: da wird ja viel gedeutelt, hin und her und her und hin. Da ich Kafkas Biografie kaum kenne, kann ich dazu auch nichts beitragen. Jedenfalls ist es eine Verkürzung seine Werke nur auf das Düstere und Hintergründige zu komprimieren. Kafka hat auch eine Schalksnatur.
Ich nehme nur den einzigen Satz, den ich mir aus dem Prozess gemerkt habe, weil er einen hohen Gebrauchswert hat.
In der ersten Gerichtsszene wird Herr K. getadelt, weil er zu spät kommt. Die Antwort lautet:
"Es mag sein, dass ich zu spät bin. Aber jetzt bin ich da"
Dieser prägnant formulierte Widerstand könnte doch auch aus einem "Monty Python" Sketch stammen.