Autor Thema: März 2004: Tolstoi - Krieg und Frieden  (Gelesen 20784 mal)

Offline Evelyne Marti

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März 2004: Tolstoi - Krieg und Frieden
« am: 26. März 2004, 21:13 »
Halihallo an alle   :winken:

Wer hat Lust, mit mir erstmals/wieder Leo Tolstoi - Krieg und Frieden zu lesen?

Die gesamte Literatur Russlands, Riesenspaziergänge, einer davon und einer der wichtigsten ist "Krieg und Frieden". (Heinrich Böll)

Die erzählerische Macht dieses Werkes ist ohnegleichen. (Thomas Mann über "Krieg und Frieden")

Auch bei Marcel Reich-Ranicki steht "Krieg und Frieden" auf der internationalen Besten-Liste.

Mit seinem 1868/69 erschienenen Roman "Krieg und Frieden" gelang Tolstoi (1828-1910) jener Wurf, der ihn zum Homer des 19.Jahrhunderts machte: das Meisterstück eines epischen Titanen.

Eingebettet in die Epoche der Napoleonischen Kriege zwischen 1806 und 1812, an deren Ende der grosse Sieg Russlands stand, wird die Geschichte zweier Adelsfamilien erzählt, deren Schicksale durch die historischen Ereignisse bestimmt werden.

Im Widerspiel von Krieg und Frieden, von erfundenen Romanfiguren und historischen Gestalten, entfaltet Tolstoi das breite Spektrum menschlicher Gefühle, Triebkräfte und Verhaltensweisen.

Dem Leben auf den Landgütern und in der Stadt mit seinen Festen, Bällen, Jagden und Schlittenfahrten sind Kämpfe, Märsche und militärische Lagebesprechungen gegenübergestellt.

Diese Kontrastierung, die bereits im Titel signalisiert wird, findet in den Charakterzeichnungen der Romangestalten ihren Höhepunkt.

(Klappentexte von dtv)

Lust bekommen?

Bye, Evelyne

Offline Hyperion

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Evelyne, ich liebe dich
« Antwort #1 am: 26. März 2004, 23:27 »
Hallo,

unglaublich was ich für ein Glück habe!
Ich hatte mich chon darauf eingestellt das Buch alleine zu lesen, las heute bis Seite 41 und dann kommt dieses Posting. Ich bin auf jeden Fall dabei, auch wenn ich mir jetzt ne ganze Menge angehäuft hab. Aber ich muss ja nicht arbeiten, hab momentan sogar Ferien und kann ganz viel lesen. :smile:
Hoffentlich finden sich noch einige die mitmachen wollen. Im Moment sind ja gerade mehrere Runden im anfangsstadium. Also ich hoffe das klappt. Sonst lesen halt nur wir Beide :zwinker: .
Eigentlich heißt der korrekte Titel Krieg und Gesellschaft.
Um diese durch das ganze Buch gehenden Kontrastierungen deutlicher zu machen wurde der Titel wohl so übersetzt. 500 Personen, die alle Gesellschaftsschichten symbolisieren. Sehr schön.

Hast du schon eine Ausgabe?

Ganz glückliche und erfreute Grüße
von Hyperion
John fragt ihn: "Did you come?"
"No", antwortet der Alte.
John fragt ihn: "Did she come?"...

Offline Evelyne Marti

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Ich liebe es, geliebt zu werden, weiter so!
« Antwort #2 am: 27. März 2004, 00:48 »
Hi Hyperion   :klatschen:

Wie schön! Dann können wir den Text so richtig ausweiden!

Damit sich später noch andere anschliessen können, schlage ich vor, von Anfang an eine stichwortartige Zusammenfassung pro gelesenes Kapitel in unsere Beiträge zu setzen, so wie Hubert das beim Grimmelshausen getan hat.

z.B.

Buch 1/Teil 1/Kapitel I:
Anna Pawlowna Scherer (Hofdame u. Vertraute der Kaiserin) empfängt den Fürsten Wassilij in ihrer Soiree - Gespräch über Politik und dessen Söhne Ippolit und Anatol

Buch 1/Teil1/Kapitel II:
Anna Pawlownas Salon - Empfang der vornehmsten Gesellschaft von Petersburg - schwangere Fürstin Bolkonskaja (verführerischste Frau von Petersburg) - Pierre (illegitimer Sohn des einst mächtigen, gerade sterbenden Grafen Besuchows)

Haben nun noch andere Lust auf Tolstois Krieg und Frieden bekommen? :eis:

Bye, Evelyne oder Ivy

P.S. Na klar hab ich die Ausgabe schon    :breitgrins:  (dtv, siehe oben)

Offline Evelyne Marti

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Mein Startschuss!
« Antwort #3 am: 27. März 2004, 09:19 »
Hi nimue             :breitgrins:
Hi Hyperion          :winken:  

Ich hab gesehen, dass der Weg vom Lesevorschlag bis zum Gemeinsamen Lesen unendlich lang sein kann, zu lang.

Dabei sitzen Hyperion und ich längst in den Startlöchern, eigentlich  darüber hinaus, wir haben bereits begonnen zu lesen.

Ich bin echt schon froh für einen einzigen Lesepartner. Hyperion auch.

Andere können immer noch dazustossen. Es gibt einige (z.B. Hubert), die "Krieg und Frieden" schon gelesen haben und nebenbei mitlesen können.

Bis wir "Krieg und Frieden" seziert haben, bleibt noch genügend Zeit, das Buch nachzulesen.

Es geht ja nicht nur um das Lesen, sondern auch um die Verarbeitung und Deutung des Gelesenen.

Falls es nur an meinem Startschuss liegt, ich gebe ihn hiermit ab SOFORT!  :klatschen:

Bye, Ivy

Offline sandhofer

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Und los!
« Antwort #4 am: 27. März 2004, 10:59 »
OK, Evelyne und Hyperion

Ihr seid verschoben - viel Spass!

Grüsse

Sandhofer
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus: Beim Wort genommen

Offline Evelyne Marti

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Eine kleine köstliche Leseprobe für alle
« Antwort #5 am: 27. März 2004, 14:55 »
Vielen Dank Sandhofer     :klatschen:

Spass werden wir mit "Leo Tolstoi - Krieg und Frieden" allemal haben.

Ich finde, er liest sich leicht, bedeutend fliessender als Wildes Dorian Gray.
Sooo lange ist die dtv-Gesamtausgabe auch nicht (1550 Seiten ohne Nachwort/Anmerkungen), also noch gut bewältigbar, gerade bei dem leichten, flüssigen, mit vielen Dialogen aufgelockerten Stil, nicht schwieriger als irgend ein Bestseller-Schinken, im Unterschied dazu jedoch mit dem Gütesiegel "Klassikerqualität" versehen.

Noch eine kleine Lesekostprobe für alle, die sich noch zieren:

"Wieder lauschte und spähte sie nach allen Seiten, bereit, sofort da einzuspringen, wo etwa die Unterhaltung erlahmen würde. Wie der Herr einer Spinnerei, nachdem er den Arbeitern ihre Plätze angewiesen hat, in seinem ganzen Betriebe umhergeht und, sobald er wahrnimmt, dass eine Spindel stillsteht oder sich mit einem ungewöhnlichen, knarrenden, überlauten Geräusch dreht, rasch hinzutritt und sie anhält oder in Gang bringt, so bewegte sich auch Anna Pawlowna durch ihren Salon, trat an eine ins Schweigen oder auch in allzu lautes Reden geratene Gruppe heran und brachte durch ein Wort oder einen kleinen Platzwechsel die Gesprächsmaschine wieder in ihren gleichmässigen Schicklichkeitsgang."
(aus dtv-Gesamtausgabe - Buch 1/Teil 1/Kapitel II)

Bis später, Evelyne oder kurz Ivy

Offline Hyperion

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März 2004: Tolstoi - Krieg und Frieden
« Antwort #6 am: 27. März 2004, 21:54 »
N' Abend :winken: ,

Ich besitze eine Winkler Weltliteraturausgabe und bin bis jetzt zum 14. Kapitel vorgestoßen.
Wie weit bist du?
Nochmal ein bis zwei Ergänzungen:
Tolstoi will auf keinen Fall, dass Krieg und Frieden als Roman bezeichnet wird. Er verzichtet auf eine typische Auflösung am Schluss.
Durchaus interessant ist der erste geplante Titel... Ende gut- alles gut... :breitgrins:
Aber dass hätte ja für einen Roman gesprochen.
Naja ich find Krieg und Frieden auch besser.
Kannst du die Kapitel 4 bis 10 noch machen? Hab ganz vergessen mir Notizen zu machen. Wenn nicht geh ich das noch mal durch.
Buch 1/Teil 1/Kapitel I0: Die Feier anlässlich der Namenstage der Rostows, Mutter und Tochter.
Die Rostows hatten Boris bei sich aufgenommen und ihn erzogen.

In dem Kapitel wird die ältere und langweilige Gesellschaft, die nur Tratschen und über das Wetter reden kann, beschrieben. Man bekommt einen guten Eindruck von diesen Menschen, die ohne Lebendigkeit und nur nach den damaligen Gesellschaftsregeln lebenden Adligen, deren einziges Vergnügen darin bestand zu Tratschen und ihre Künste im Französischen und den Umgangsformen zu demonstrieren.
Buch 1/Teil 1/Kapitel 11:

In diese Einöde tritt die Jugend, allen voran Natascha, die Lebendige, zwar nicht Hübsche, aber doch alle zum Lachen bringende, 13 Jährige. Diese ganze Szenerie wird durch ihre Persönlichkeit aufgeheitert und gelockert. Sie ist lustig und fröhlich und steckt alle damit an.
Mit Natascha betreten Boris und Nikolai das Geschehen und verhalten sich genau konträr. Während Nikolai scheu und still am Rande steht, tritt Boris offen, charmant und elegant auf. Typisch für diesen ähh Romanepos. :smile:
Buch 1/Teil 1/Kapitel I2:
Im 12. Kapitel wird beschrieben wie Sonja( die Katze) Nikolai verehrt und ganz offensichtlich liebt, doch als er sich mit Julie unterhält, verlässt sie traurig das Zimmer.
Nikolai arbeitet in einem Archiv an einer Universität,
 zusammen mit Boris will er in den Krieg ziehen, nicht aus Freundschaft, sondern weil er sich zum Soldaten berufen fühlt.
Als Nikolai sieht, dass Sonja den Raum verlassen hat eilt er hinterher.
Währendessen unterhalten sich "die Erwachsenen" einfältig über ihre Erziehungsmethoden und dass sie die Kinder immer unter Kontrolle haben, weil sie deren Freunde seien.
Buch 1/Teil 1/Kapitel 13:
Sonja und Nikolai vertragen und küssen sich sogar. Natascha verfolgt die Szene aus einem Versteck heraus und wartet auf Boris. Als er dann kommt küsst sie auch und sie gestehen sich ihre Liebe. Boris will in 4 Jahren um die Hand Nataschas bitten.
Obwohl dieses 14. Kapitel sehr kurz ist, gefällt es mir ausserordentlich. Es ist voller Gefühl und einfach herrlich und rührend beschrieben. Hoch lebe Tolstoi!
und die Eltern sind soo einfältig.
Natascha hat jetzt schon sehr viele Steine bei mir im Brett. Ein Charakter in den man sich verlieben kann!
Auffällig ist dass kein einziger Charakter makellos ist. Selbst Natascha ist nicht schön und die eigentlich so schöne Anna Pawlowna hat eine Schnurbart.(oder hat Den doch jemand anderes?)
Wenn du mit irgendetwas nicht so einverstanden bist, sag es ruhig, oder wenn du Tipps für die weitere Besprechung, oder zu meinem Stil hast. Ich bin noch jung und will viel lernen. In so einer Buchbesprechung bin ich ganz unerfahren. Also immer raus mit der Sprache! :smile:
Bis dann
Hyperion
John fragt ihn: "Did you come?"
"No", antwortet der Alte.
John fragt ihn: "Did she come?"...

Offline Evelyne Marti

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Aufbau von Krieg und Frieden (oder Gesellschaft)
« Antwort #7 am: 28. März 2004, 05:12 »
Hi Hyperion    :zwinker:

Ich hinkte noch etwas hinterher, hab aber jetzt bis zum Kapitel 14 aufgeholt, damit wir uns nicht aus den Augen verlieren.   :rollen:

Auf der Strecke blieb dabei allerdings meine Zusammenfassung, weiss jedoch schon längst, dass jeder Kapitelanfang eigentlich schon sowas wie ein Vorausblick ist, wodurch man schnell die Orientierung im Roman ähm Epos findet.

zitiert aus dtv-Ausgabe:

Buch 1 /Teil 1:

I. "...setzen Sie sich und erzählen Sie!" So sprach im Juni 1805 Anna Pawlowna Scherer, die bekannte Hofdame und Vertraute der Kaiserin Marja Feodorowna, während sie den einflussreichen und hochgestellten Fürsten Wassilij empfing, der als erster zu ihrer Soiree erschienen war.

II. Anna Pawlownas Salon begann sich allmählich zu füllen. Es kam die vornehmste Welt Petersburgs.

III. Die Soiree bei Anna Pawlowna war in vollem Gange.

IV. In diesem Augenblick betrat eine neue Person den Salon...der junge Fürst Andrej Bolkonskij, der Mann der kleinen Fürstin.

V. "Aber wie finden Sie diese ganze letzte Komödie...Napoleon bei der Krönung...

VI. Die Gäste bedankten sich bei Anna Pawlowna für die reizende Abendgesellschaft und begannen aufzubrechen.

VII. Im Nebenzimmer hörte man das Rauschen eines Frauenkleides. Fürst Andrej fuhr zusammen...Pierre nahm die Füsse vom Diwan. Die (kleine) Fürstin trat ein (Andrejs Frau)

VIII. Die Freunde schwiegen...Pierre sah den Fürsten Andrej an..."Gehen wir zum Abendessen"

IX. Es war bereits gegen zwei Uhr nachts, als Pierre seinen Freund (Andrej) verliess.

X. Fürst Wassilij hielt das Versprechen, das er...der Fürstin Drubezkaja gegeben hatte...

XI. ... Gleich darauf kam ein dreizehnjähriges Mädchen... Gleichzeitig erschienen in der Tür ein Student..., ein Gardeoffizier, ein fünfzehnjähriges Mädchen und ein ...Junge

XII. Von der Jugend waren jetzt, abgesehen von der ältesten Tochter der Gräfin - sie war vier Jahre älter als ihre Schwester und hielt sich schon für erwachsen - und abgesehen von dem zu Besuch gekommenen Mädchen nur noch Nikolai und Sonja, die Nichte, im Salon zurückgeblieben.

XIII. Als Natascha aus dem Salon weggelaufen war, da war sie nur bis ins Blumenzimmer gelaufen. Hier blieb sie stehen, horchte auf die Unterhaltung im Salon...

XIV. ... Als sie (Wera) aber durch das Diwanzimmer kam, sah sie dort zwei Paare symmetrisch an den beiden Fenstern sitzen und blieb mit einem verächtlichen Lächeln stehen.

Diese Kapitelanfänge laden zum Weiterlesen ein... und das ist ja der Sinn unserer geplanten Zusammenfassung für die eventuell sich einstellenden Nachzügler. Ausserdem ist  auf diese Weise noch mehr der organische bzw. räumliche und zeitliche Zusammenhang der Kapitel ersichtlich.

Hyperion, Deine Zusammenfassung finde ich übrigens sehr gelungen! Weiter so! Ich hab leider keine Ferien      , werd mich aber bemühen, mitzuhalten mit Deinem Lesetempo!   :nikolaus:

Bye, Evelyne oder einfach Ivy

P.S. Die Frau mit dem kaum wahrnehmbaren Oberlippenbärtchen war die schwangere, schöne Kleine Fürstin Bolkonskaja

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März 2004: Tolstoi - Krieg und Frieden
« Antwort #8 am: 28. März 2004, 18:49 »
Hi Ivy, :smile:

prima Idee mit den Kapitelanfängen.
Gut, Ortswechsel von Petersburg nach Moskau. Dieser Sprung erfolgt vom neunten zum zehnten Kapitel.

Buch 1/Teil 1/Kapitel 14:

Die unsympathische Wera muss Frau Rostowa und ihre alte Jugendfreundin Anna Michailowna verlassen, weil sie bei dem nun folgenden Gespräch über die Geldknappheit von Anna und ihre Aufopferung für ihren Sohn Boris stört. Wera stört eigentlich Alle, aber keiner weiß warum.
Sie trifft die beiden glücklichen Paare und macht allein durch ihr Auftreten die schöne Atmosphäre kaputt. Der aufreizenden, kühlen und nervigen Wera(Männerfeindin) steht die gütige und freundliche Natascha gegenüber.
Bei dem Gespräch von Anna und der Gräfin wird die peinliche Aufdringlichkeit, mit der Anna vorgeht um Vorteile für ihren Sohn zu erobern, beschrieben. Ihr ist alles egal, solange ihr Sohn davon provitiert.
Am Ende kommt der stupide, verschuldete Graf in das Zimmer. Er erinnert stark an Monsieur Bovary, ausgerüstet mit der sorglosen Geld-Wegwerf-Mentalität der Madame Bovary.

Buch 1/Teil 1/Kapitel 15:

Anna und Boris verlassen das Diner um den sterbenden Fürsten Besuchow, an seine Verwandschaft zu Boris und gleichzeitig auf eine entsprechende Summe im Erbe (für Boris) hinzuweisen.
(Schon wieder eine Erinnerung: Jeremias Gotthelf, den Namen der Geschichte habe ich leider vergessen. Wie die Raben kommen sie alle um zu erben, beim Toten Mann.)
Boris ist sich der Demütigungen, die damit verbunden sind durchaus bewusst. Aber da er seiner Mutter versprochen hat sie zu unterstüzen...
Fürst Wassilij empfängt sie sehr abweisend,da er sie als Rivalin um das Erbe fürchtet. Mutter lässt wie immer nicht locker und will unbedingt Besuchow noch mal sehen. Spielt Trauer und Gram. Boris belächelt ihr Verhalten und geht zu Pierre um ihn für das Namenstagsdiner einzuladen.

Buch 1/Teil 1/Kapitel 16:

Pierre wurde wegen seiner Streiche ( Alkohol, Mädchen und einen Bären, auf dessen Rücken er einen Polizisten band und in den Fluss warf) aus Petersburg ausgewiesen und wohnt nun im Haus seines Vaters in Moskau.
Er erinnert sich nicht an den gutaussehenden, schlanken, schönen Offizier, den er zuletzt  als 14jähriger sah.
Sein offene Art und seine Charakterstärke beeindrucken Pierre und er beschliesst ihn zum Freunde zu gewinnen.
Boris ist ganz der Kontrast zu seiner heuchlerischen Mutter Anna.

Buch 1/Teil 1/Kapitel 17:

Frau Rostowa fühlt sich beleidigt, ob ihrer so armen Freundin und leiht sich 500 Rubel um eine Ausrüstung für Boris zu bezahlen.

" Ach das Geld, Graf, das liebe Geld! Wie viel Kummer verursacht es doch auf dieser Welt."

Mit ihrer eingespielten Gerührtheit nimmt Anna dieses vermeintliche Mitleidsgeschenk an. Krokodilstränen auf beiden Seiten.

Buch 1/Teil 1/Kapitel 18:

Gesellschaft wartet auf Marja(Geradeheraus und Springinsfeld) um mit dem Essen beginnen zu können. Alle sind da, auch der angebliche Freund von Wera, Berg.

So gut das war's erstmal. Aufällig gestaltet sind die Schlüsse der verschiedenen Kapitel, besonders der zwei Letzten.
 Hat der Deutsche am Ende des 18. Kapitels eine besondere Bedeutung? Ich mein wegen der Erkenntnis...
Naja bis denne
Hyperion :winken:  :winken:

Offline Hyperion

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März 2004: Tolstoi - Krieg und Frieden
« Antwort #9 am: 28. März 2004, 18:54 »
Hi Ivy, :smile:

prima Idee mit den Kapitelanfängen.
Gut, Ortswechsel von Petersburg nach Moskau. Dieser Sprung erfolgt vom neunten zum zehnten Kapitel.

Buch 1/Teil 1/Kapitel 14:

Die unsympathische Wera muss Frau Rostowa und ihre alte Jugendfreundin Anna Michailowna verlassen, weil sie bei dem nun folgenden Gespräch über die Geldknappheit von Anna und ihre Aufopferung für ihren Sohn Boris stört. Wera stört eigentlich Alle, aber keiner weiß warum.
Sie trifft die beiden glücklichen Paare und macht allein durch ihr Auftreten die schöne Atmosphäre kaputt. Der aufreizenden, kühlen und nervigen Wera(Männerfeindin) steht die gütige und freundliche Natascha gegenüber.
Bei dem Gespräch von Anna und der Gräfin wird die peinliche Aufdringlichkeit, mit der Anna vorgeht um Vorteile für ihren Sohn zu erobern, beschrieben. Ihr ist alles egal, solange ihr Sohn davon provitiert.
Am Ende kommt der stupide, verschuldete Graf in das Zimmer. Er erinnert stark an Monsieur Bovary, ausgerüstet mit der sorglosen Geld-Wegwerf-Mentalität der Madame Bovary.

Buch 1/Teil 1/Kapitel 15:

Anna und Boris verlassen das Diner um den sterbenden Fürsten Besuchow, an seine Verwandschaft zu Boris und gleichzeitig auf eine entsprechende Summe im Erbe (für Boris) hinzuweisen.
(Schon wieder eine Erinnerung: Jeremias Gotthelf, den Namen der Geschichte habe ich leider vergessen. Wie die Raben kommen sie alle um zu erben, beim Toten Mann.)
Boris ist sich der Demütigungen, die damit verbunden sind durchaus bewusst. Aber da er seiner Mutter versprochen hat sie zu unterstüzen...
Fürst Wassilij empfängt sie sehr abweisend,da er sie als Rivalin um das Erbe fürchtet. Mutter lässt wie immer nicht locker und will unbedingt Besuchow noch mal sehen. Spielt Trauer und Gram. Boris belächelt ihr Verhalten und geht zu Pierre um ihn für das Namenstagsdiner einzuladen.

Buch 1/Teil 1/Kapitel 16:

Pierre wurde wegen seiner Streiche ( Alkohol, Mädchen und einen Bären, auf dessen Rücken er einen Polizisten band und in den Fluss warf) aus Petersburg ausgewiesen und wohnt nun im Haus seines Vaters in Moskau.
Er erinnert sich nicht an den gutaussehenden, schlanken, schönen Offizier, den er zuletzt  als 14jähriger sah.
Sein offene Art und seine Charakterstärke beeindrucken Pierre und er beschliesst ihn zum Freunde zu gewinnen.
Boris ist ganz der Kontrast zu seiner heuchlerischen Mutter Anna.

Buch 1/Teil 1/Kapitel 17:

Frau Rostowa fühlt sich beleidigt, ob ihrer so armen Freundin und leiht sich 500 Rubel um eine Ausrüstung für Boris zu bezahlen.

" Ach das Geld, Graf, das liebe Geld! Wie viel Kummer verursacht es doch auf dieser Welt."

Mit ihrer eingespielten Gerührtheit nimmt Anna dieses vermeintliche Mitleidsgeschenk an. Krokodilstränen auf beiden Seiten.

Buch 1/Teil 1/Kapitel 18:

Gesellschaft wartet auf Marja(Geradeheraus und Springinsfeld) um mit dem Essen beginnen zu können. Alle sind da, auch der angebliche Freund von Wera, Berg.

So gut das war's erstmal. Aufällig gestaltet sind die Schlüsse der verschiedenen Kapitel, besonders der zwei Letzten.
 Hat der Deutsche am Ende des 18. Kapitels eine besondere Bedeutung? Ich mein wegen der Erkenntnis...
Naja bis denne
Hyperion :winken:  :winken:
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Offline Evelyne Marti

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« Antwort #10 am: 29. März 2004, 15:02 »
Hi Hyperion     :winken:  

Du warst ja wieder sehr fleissig! Echt gut, Deine Zusammenfassung!
Da wird der eine oder andere unserer Mitleser  sich früher oder später auch mal an den Tolstoi ranwagen.  :zwinker:
Klassische Literatur kann nämlich sehr leicht lesbar und unterhaltsam sein! Tolstoi ist das beste Beispiel dafür!   :klatschen:

Ich hab ein bisschen im Nachwort meiner dtv-Ausgabe geblättert, von niemand geringerem als Heinrich Böll geschrieben.
Die Übersetzung stammt übrigens von Werner Bergengruen, wie Böll eine literarische Grösse.

Beide haben sich hier für Tolstoi eingesetzt, was für die hohe literarische Stellung von Leo Tolstoi spricht.

Laut Bölls Nachwort tritt das gesamte Personal des Romans bereits auf den ersten 150 Seiten auf,
was etwa dem 1.Teil des 1.Buches entspricht.
Du hast ja von 500 Personen gesprochen. Wär vielleicht interessant, die alle aufzuzählen.

Ich fange mal an:

1. Anna Pawlowna Scherer - bekannte Hofdame + Vertraute der Kaiserin...
2. Kaiserin Marja Feodorowna
3. Fürst Wassilij (Vater)
4. Fürst Ippolit Wassilij (der eine, verdriesslichere Sohn)
5. Anatol Wassilij (der andere, wilde Sohn)

Fortsetzung folgt

Bis dann, ich meld mich morgen wieder!  

Bye, Ivy     :rollen:

Offline Erika

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Tolstoi: Krieg und Frieden
« Antwort #11 am: 29. März 2004, 17:13 »
Hallo!
Ihr habt mich auf den Geschmackgebracht. Ich bekomme Lust, wieder einen russischen Klassiker zu lesen. Bis jetzt kenne ich nur "Schuld und Sühne", das ich ebenfalls hier gelesen habe. Ist Tolstoi leichter oder schwerer zu lesen als Dostojewski?

Welche Ausgabe habt Ihr genommen?

Gruß
Erika

 :blume:
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Offline Hyperion

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März 2004: Tolstoi - Krieg und Frieden
« Antwort #12 am: 29. März 2004, 18:20 »
Herzlich Willkommen Erika, :winken:

Meiner Meinung nach ist Tolstoi noch ein wenig einfacher zu lesen. Aber von Dostojewski habe ich auch nur Die Brüder Karamasow gelesen.
Die russische Literatur ist nach meinen Erkenntnissen sowieso viel einfacher zu lesen, als zum Beispiel die deutsche, die dafür vielleicht wieder "intelligenter" ist. Darüber kann man sich streiten.
Ich finde, dass sich Tolstoi sehr gut lesen lässt und ich habe damit genausowenig Probleme wie mit Dostojewski, Gogol, Puschkin, Aitmatow usw.
Ich lese eine Winkler Weltliteraturausgabe.
Wirlich schön, dass du dich noch überzeugen lassen hast. :smile:

Hiermit rufe ich auch noch alle anderen Besucher des Forums ganz herzlich dazu auf, bei diesem tollen Buch, das gleichzeitig zu einem der besten der Weltliteratur gehört, mitzulesen.
Also, bis dann.... :smile:

Tschüsi
Hyperion
John fragt ihn: "Did you come?"
"No", antwortet der Alte.
John fragt ihn: "Did she come?"...

Offline Erika

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Tolstoi: Krieg und Frieden
« Antwort #13 am: 29. März 2004, 23:14 »
Hallo Hyperion,
jetzt kann ich nicht mehr zurück. Eben habe ich beim Elbeversand unter anderem "Krieg und Frieden" bestellt. Ich hoffe, dass das Buchpaket spätestens am Donnerstag bei mir ist. Ich habe bei Gutenberg.de geguckt, ob ich Tolstois Werk dort finde. Das wäre eine Zwischenlösung gewesen. Aber leider hatte ich keinen Erfolg.

Bis bald!

Erika

 :blume:
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März 2004: Tolstoi - Krieg und Frieden
« Antwort #14 am: 31. März 2004, 14:58 »
Hallo,

Ich mach dann mal weiter. Und freu mich auf die insgesammt 559 Personen :breitgrins:

1. Anna Pawlowna Scherer - bekannte Hofdame + Vertraute der Kaiserin...
2. Kaiserin Marja Feodorowna
3. Fürst Wassilij (Vater)
4. Fürst Ippolit Wassilij  (der eine, verdriesslichere Sohn)
5. Anatol Wassilij (der andere, wilde Sohn)

Familie Kuragin:
( Repräsentanten der Petersburger Hofgesellschaft)

-Fürst Wassilij (Vater)
-Fürstin Aline (Mutter)
-Hypolyt(der eine, verdriesslichere Sohn)
-Anatol (der andere, wilde Sohn)

Familie Rostow
(Gegenstück der Kuragins, Adelsfamilie)

-Graf Ilja Rostow(Adelsmarschall)
-Gräfin (Frau)
-Wera (älteste Tochter, unbeliebt)
-Berg (Ehemann)
-Nikolaj (Sohn)
-Natascha (Tochter, anmutig, lebhaft, unvergesslicher Charakter)
-Petja (Sohn)
-Sonja (Nichte der Gräfin, Ziehtochter)

Die Besuchows

-Graf Besuchow (Sterbenskranker, sehr reicher Mann)
-Pierre (unehelicher Sohn, verlässt sich auf Gefühl und Instinkt,"repräsentiert altrussische Tradition der bäuerlichen Weisheit",Schwanitz)

Na das war's erstmal.
Bis denne...
Hyperion :winken: