Halihallo Erika
Ich bin jetzt bis Seite 240 "vorgerückt", also bald einmal mit Teil 2 des 1.Buches fertig. Wie weit bist Du denn genau?
Werkimmanent betrachtet ist der Eintritt des Krieges für Andrej etwas Positives. War Andrej in Teil 1 noch zur ohnmächtigen Passivität verurteilt, kann er in Teil 2 endlich handeln, wird vom passiven zum aktiven Helden.
Diese Eigenschaft wünsche ich mir selbst. Ich fühle mich oft erschöpft und überfordert, reisse mich jedoch immer wieder zusammen und versuche, aus der passiven Erschöpftheit herauszukommen und aktiv zu handeln.
Manche Szenen wirken geradezu kafkaesk, sind teilweise sogar motivgleich. Die Arztfrau-Szene (B1, T1, K12, Seite 214) etwa erinnert mich an die Pferd-Szene in Kafkas Landarzt.
Oder die Geisel-Szene auf Seite 225, welche an eine ähnliche Szene in Kafkas Prozess denken lässt. Interessant, wie unterschiedlich fast gleiche Motive literarisch verarbeitet werden.
Tolstoi versteht es, die gesamte Bandbreite möglicher Reaktionen auf den Krieg darzustellen, von der naiven Abenteuerlust bis zur bitteren Todesangst, vom Zinnsoldatenspiel bis zur ernsten Existenzfrage, welche Dich als Theologin sicherlich besonders anspricht.
Wenn es nicht gerade hagelt (wie heute), dann spiele ich mit meinem kleinen Neffen in unserem herrlichen Garten und beobachte die horstnahen Mäusebussarde in ihrem freiheitlichen Segelflug, aber auch die vielen Krähen und lustig fliegenden Schwalben, welche auf dem angrenzenden Acker die frischgesäten Körner aufpicken. Man könnte meinen, die Vogelwelt halte gerade eine Versammlung ab. Ich muss dabei an den Bibelvers denken: ... und Gott ernährt sie doch...(die Vögel).
Auf die Schmetterlinge warte ich noch. Der Schmetterlingsbaum ist noch nicht reif.
Bye, Ivy