Hallo zusammen,
hallo Berch,
Du hast gepostet:
Die Frage, in wieweit die SZ-Bibliothek hier die Preise drückt und vielleicht unlauteren Wettbewerb begeht, habe ich mir auch schon gestellt.
Aber ich nehme mal an, daß sich die Verlage, die die Rechte an den jeweiligen Büchern besitzen, sich schon gütlich mit der SZ geeinigt haben werden.
Nein, unlauteren Wettbewerb begehen die auf keinen Fall. Natürlich hat sich die SZ mit den entsprechenden Verlagen geeinigt, und zwar nicht gütlich, sondern vertraglich. Die SZ hat eine Lizenz an den 50 von ihnen verlegten Büchern für zwei Jahre von den Verlagen gekauft. Nach diesen 2 Jahren ist das Recht der SZ an diesen Romanen wieder erloschen. Und die entsprechenden Verlage rechnen natürlich damit, dass wer jetzt „Katz und Maus“ von Grass gelesen hat, die 2 anderen Bücher der Trilogie zum normalen Buchpreis kauft, oder wer den 1. Teil einer fünfbändigen Krimireihe von Patricia Highsmith für € 4,90 gekauft hat, die vier restlichen Krimis der Reihe zum Buchhandelspreis erwirbt. Und wer den zweiten Teil eines Buches von Proust gelesen hat, der will ja vielleicht auch den 1. Teil lesen, nur den gibt’s nicht für € 4,90.
Nein, um die Verlage, die mit der SZ ein Geschäft gemacht haben, mache ich mir keine Sorgen, sondern um die kleinen Verlage, die keine Nobelpreisträger, wie Grass, Canetti, Simon, Faulkner, Steinbeck und Hesse im Programm haben und die, weil sie keine Lizenzen an die SZ verkaufen können, Bücher aber auch beim besten Willen nicht für € 4,90 herstellen können, mangels Umsatz von Suhrkamp, Diogenes und anderen Verlagen übernommen werden.
Für den 'normalen' Leser ist es vermutlich nicht einzusehen, für ein gut gemachtes Taschenbuch eines kleinen Verlags zehn Euro und teilweise auch deutlich mehr auszugeben.
Ich hab’ gestern Mittag in einem ganz normalen Cafe für zwei Kaffee und zwei Stück Kuchen € 10,-- bezahlt. Da verstehe ich nicht, wie ein Taschenbuch für ebenfalls € 10,-- verkauft werden kann. Glaub nur nicht, dass die SZ die Bücher für € 4,90 herstellen kann. Wenn Du ein SZ-Roman in der Buchhandlung für € 4,90 kaufst, dann bleiben wahrscheinlich € 2,50 bei der Buchhandlung und die restlichen € 2,40 gehen für Werbung und Verlagslizenzen drauf. Die Herstellung der Bücher bezahlt die SZ aus der Werbekasse. Das aber ist eine Marktverzerrung, da das Gesamtbudget manches Kleinverlages, wahrscheinlich nicht mal das Werbebudget der SZ erreicht.
Ich glaube übrigens nicht, dass Sandhofers und meine Buchkäufe ausreichen um auch nur einen Verlag am Leben zu halten.
Pessimistische Grüße von Hubert