Autor Thema: Thomas Bernhard  (Gelesen 23204 mal)

Offline Jana

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Thomas Bernhard
« am: 28. April 2004, 21:08 »
Thomas Bernhard: Der Untergeher.

Informationen über Thomas Bernhards Vita und Werk findet man u.a. auf der Seite:
http://www.ausloeschung.de/Bernhard_Thomas_Biographie.htm Hieraus habe ich einige Daten über Bernhard.

1983 erscheint Thomas Bernhards Stück „Der Untergeher“.

Ich habe mir aus der SZ-Reihe Thomas Bernhards Stück „Der Untergeher“ geholt, gelesen und gestaunt. Bin ich doch wirklich auf den Anspruch des Ich-Erzählers, eine Biografie über Glenn Gould zu schreiben, reingefallen. * grins * Das liegt an meiner Unkenntnis über die Lebensgeschichte Glenn Goulds. Im Internet habe ich nämlich nichts gefunden, dass Glenn Gould jemals in Österreich war bzw. wie im Buch (fiktional) dargestellt wird, dass Glenn Gould in Österreich am Mozarteum bei Horowitz studiert hat. Dafür hat Thomas Bernhard am Mozarteum Musik-, Schauspiel-, Regie- und Bühnenbildunterricht genommen..

In diesem Horowitz-Seminar im Mozarteum lernen sich Gould (laut dem Ich-Erzähler), Wertheimer und der Ich-Erzähler kennen, zwei geniale Klavierspieler, die aber nicht an das Genie Goulds heranreichen. Alle drei sind begnadete, geniale Klavierspieler, die die vollkommenste Musik auf dem Klavier spielen wollen. Aber: Es kann nur einen (Gould) geben. Als Wertheimer und der Ich-Erzähler das erkennen, schmeißen sie die Brocken einfach hin. Sie verschleudern ihre Meisterklaviere, bekommen einen seelischen Knacks (beide schimpfen mehr oder minder wie die Rohrspatzen auf die anderen Musikprofessoren und Klaviervirtuosen). Für beide gestaltet es sich als sehr schwierig einen neuen, zur Musik alternativen  Weg zu finden. Da alle drei aus sehr reichem Elternhaus stammen, unterliegen sie bei der Suche nach einem alternativen Weg keinem finanziellen, sondern allein einem geistigen, seelischen Druck.

Hatte der Ich-Erzähler zu Beginn des Textes noch vor eine Biografie über Glenn Gould zu schreiben, so wurde es mit der Zeit eine Aufarbeitung seiner Beziehung zu Wertheimer.

Was mich persönlich am meisten am Text störte, waren die ständigen Wiederholungen des ewig gleichen. * grins * Der Ich-Erzähler erzählt seitenlang über seinen Verkauf des Klaviers. Immer wieder greift er diese Situation auf. Zuerst dachte ich, dass die Wiederholung des Motivs selbst auf die „musikalische Gattung“  der Variation hinweist: das selbe Thema wird an anderer Stelle aufgegriffen und variiert. Selbst den gesamten Text, die Biografie über Glenn Gould, hat der Ich-Erzähler schon mehrmals geschrieben. Ich glaube, dass die Wiederholung des selben Motivs auch darauf hin deuten kann, dass der Ich-Erzähler den gesamten komplexen Bereich der Musik in seinem Leben noch nicht verarbeitet hat, damit noch nicht abgeschlossen hat, so dass das gesamte Thema immer wieder hoch kommt und ihn regiert.

Liebe Grüße
Jana
Wer nicht lachen kann, ist nicht ernst zu nehmen. (Thomas Bernhard: Der Untergeher)

Offline Steffi

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Re: Thomas Bernhard
« Antwort #1 am: 29. April 2004, 11:50 »
Hallo Jana !

Dieses Buch liegt noch auf meinem SUB und ich freue mich schon darauf. Nach Anregungen hier im Forum habe ich von Thomas Bernhard "Holzfällen" gelesen. Auch hier arbeitet er mit ständigen Wiederholungen, wobei der Leser immer ein bißchen mehr von der Geschichte erfährt - alles dreht sich im Kreis wie eine Spirale. Das hat mich sehr fasziniert und eingentlich nicht gestört.

So wie du den "Untergeher" beschreibst, scheint es eine ziemlich vielschichtige Geschichte zu sein. Wenn ich es gelesen habe, was noch ein Weilchen dauern kann, melde ich mich wieder.

Gruß von Steffi
Gruß von Steffi

Offline AndiM

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Re: Thomas Bernhard
« Antwort #2 am: 12. November 2004, 00:42 »
Hm Bernhards Prosa lässt sich schwer lesen, muss ich zugeben. Deutlich besser ist da schon sein dramatisches Werk. Sei es jetzt das Skandalstück "Heldenplatz" oder die Künstlerkom(oder doch Trag?)ödie "Der Theatermacher" - mein Facharbeitsthema btw. *g* - und was es da sonst noch gibt.
Sicher: Die Sprache ist gewöhnungsbedürftig, der Inhalt sowieso, aber hat man sich da erst einmal eingelesen bzw. eines der Stücke mit gutem Schauspieler (mehr als nen guten Hauptdarsteller braucht's eh selten bei Bernhard  :zwinker:, der Rest ist eh Statisten) mal auf der Bühne gesehen, kann man sich in diese Sprachmusik und diesen alten, bissigen Autor "verlieben". Mir ist es jedenfalls so gegangen und ich les mich atm durch die gesammelten Dramen :smile:

Offline Imrahil

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Re: Thomas Bernhard
« Antwort #3 am: 15. November 2004, 20:58 »
Ich liebe Thomas Bernhard, habe ihn erst diesen Sommer entdeckt und schon ein paar Prosawerke von ihm gelesen, darunter auch der Untergeher, welches mir bis am weitaus besten gefallen hat.
Sollte eine Leserunde zu einem anderen Werk Bernhards zustande komme (Frost, Auslöschung, Kalkwerk etc.), dann wäre ich bestimmt dabei. Sofern ich Zeit habe... :smile:

Imrahil
"Die Kunst des Nachdenkens besteht in der Kunst..., das Denken genau vor dem tödlichen Augenblick abzubrechen. - Thomas Bernhard, Gehen

Offline AndiM

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Re: Thomas Bernhard
« Antwort #4 am: 16. November 2004, 00:09 »
Hm ich wäre da eher generell für ein Drama von ihm ;-). Aber gut, k.a. ob sowas klappen würd.

Offline Imrahil

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Re: Thomas Bernhard
« Antwort #5 am: 16. November 2004, 00:17 »
Habe noch kein Drama von ihm gelesen - bin eher der Prosaliebhaber - aber gerade deswegen wäre ich natürlich bei einer Leserunde zu einem Drama dabei. Spontan fällt mir nur "Heldenplatz" ein.

Imrahil
"Die Kunst des Nachdenkens besteht in der Kunst..., das Denken genau vor dem tödlichen Augenblick abzubrechen. - Thomas Bernhard, Gehen

Offline Georg

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Re: Thomas Bernhard
« Antwort #6 am: 16. November 2004, 00:17 »
Zitat von: Imrahil

Sollte eine Leserunde zu einem anderen Werk Bernhards zustande komme (Frost, Auslöschung, Kalkwerk etc.), dann wäre ich bestimmt dabei. Sofern ich Zeit habe... :smile:


Sollte eine Leserunde zustande kommen, wäre ich auch bestimmt dabei. Natürlich auch nur wenn ich Zeit hätte.

Gruß

Georg

Offline AndiM

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Re: Thomas Bernhard
« Antwort #7 am: 16. November 2004, 00:33 »
Zitat von: Imrahil
Habe noch kein Drama von ihm gelesen - bin eher der Prosaliebhaber - aber gerade deswegen wäre ich natürlich bei einer Leserunde zu einem Drama dabei. Spontan fällt mir nur "Heldenplatz" ein.

Imrahil

Hm, was mir spontan noch einfällt:
- "Minetti": Gewidmet dem gleichnamigen Lieblingsschauspieler Bernhards, eines der klassischen Künstlerdramen Bernhards: Alter Mann, Schauspieler, der auf seine letzte Rolle wartet, die er wohl nie mehr bekommen wird.
- "Die Berühmten": Eine Persiflage auf das falsche Künstlertum und "Die Berühmten" eben, eine Reihe von Personen aus dem Umfeld der Salzburger Festspiele, die den Figuren Vorbild standen
- "Der Theatermacher": Ein weiteres Künstlerdrama

Hm zum Heldenplatz ... habe den bereits mal überflogen und kann den ganzen Wirbel, den es damals um das Stück gab nicht ganz verstehen. Aber gut, darüber lässt sich wohl streiten. Ich finde persönlich seine Künstlerdramen deutlich interessanter. Ansonsten soll auch noch sein Bühnenerstling "Ein Fest für Boris" recht gut sein ...

Offline Georg

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Re: Thomas Bernhard
« Antwort #8 am: 16. November 2004, 00:42 »
Zitat von: AndiM
Zitat von: Imrahil
Habe noch kein Drama von ihm gelesen - bin eher der Prosaliebhaber - aber gerade deswegen wäre ich natürlich bei einer Leserunde zu einem Drama dabei. Spontan fällt mir nur "Heldenplatz" ein.

Imrahil

..



Sein bestes Drama soll wohl "Die Macht der Gewohnheit" sein?, aber genau weiß ich das auch nicht.

Gruß

Georg

Offline Friedrich-Arthur

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Re: Thomas Bernhard
« Antwort #9 am: 26. November 2004, 21:57 »
"Holzfällen" ist ein grandioses Buch. Da denke ich als Leser, eine Steigerung ist nicht mehr möglich in den Übertreibungen, doch auf der nächsten Seite werde ich anders belehrt. Das Buch saugte mich als Leser förmlich auf. Und es bleibt mir auch nach Jahren der Lektüre noch gut im Gedächtnis, was ich beeindruckend finde. FA
Daß man gegen seine Handlungen keine Feigheit begeht! daß man sie nicht hinterdrein im Stiche läßt! - Der Gewissensbiß ist unanständig.

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Offline AndiM

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Re: Thomas Bernhard
« Antwort #10 am: 9. Dezember 2004, 00:37 »
Was mich v.a. bei Bernhard fasziniert hat: Dass B. einem eigentlich mit jedem Satz ins Gesicht schlägt, aber man trotzdem von der ganzen Sprache, etc. irgendwie magisch angezogen wird. Schwer zu beschreiben irgendwie ... hm

Offline Friedrich-Arthur

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Re: Thomas Bernhard
« Antwort #11 am: 9. Dezember 2004, 19:55 »
Thomas Bernhard drehte es geschickt so, dass immer die Anderen gemeint sind, wir herzlich über die Schwächen der Anderen lachen können und es uns dabei nicht auffällt, das wir über uns selber lachen. Durch die Überreibungen denken wir vielleicht, die Großen und Bekannten sind gemeint, die ganz besonders Verschrobenen - Thomas Bernhard hatte es aber immer auf uns abgesehen, auf die "Normalbürger"... FA
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Offline AndiM

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Re: Thomas Bernhard
« Antwort #12 am: 9. Dezember 2004, 21:36 »
Hm, sicher meinte Bernhard die ganze Welt und nicht nur Österreich und seine Berühmten, keine Frage. Ist genau das, was ich mit jedem Satz, der einen watscht, meinte ;-).

Offline rezk

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Re: Thomas Bernhard
« Antwort #13 am: 4. Februar 2005, 15:33 »
Hallo

Mich interessiert eure Meinung zu Thomas Bernhard. Wieviele habt ihr schon gelesen /wieviele kann man lesen, ohne dass es langweilig wird? Mögt ihr lieber seine früheren oder seine späteren Werke?

Ich habe bisher seine "Auslöschung", "Die Ursache: Eine Andeutung", "Beton" gelesen und lese gerade "Korrektur". Aber irgendwie wiederholen sich seine Motive sehr oft, vergleicht man zb. Auslöschung und Korrektur. (Einfallslosigkeit des Autors??). Ich hab das Gefühl, wenn man ein Werk gelesen hat, kennt man alle.

Bin gespannt auf eure Antworten

Gruss,
Rezk
"Es gibt ein Ziel, aber keinen Weg, was wir Weg nennen ist zögern" (F. Kafka)

Offline Georg

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Re: Thomas Bernhard
« Antwort #14 am: 5. Februar 2005, 01:35 »
Hallo Rezk,

du hast sicher nicht ganz unrecht. T.B. Werk dreht sich meistens um ein großes Thema: T.B.. Aber er macht das so gut, dass zumindest ich nicht genug über dieses Thema lesen kann, im Gegensatz z.B. von einer Autorin, die auch aus Österreich kommt und auch nur ein Thema kennt: E.J., da hat man aber von einem Buch wirklich mehr als genug.

Gruß

Georg