Autor Thema: Kleist, der vergessene Dramatiker?  (Gelesen 9656 mal)

Offline Papst

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Kleist, der vergessene Dramatiker?
« am: 12. Mai 2004, 16:43 »
Hallo Forengemeinschaft,

ich würde von euch gerne wissen, wie Ihr Heinrich v. Kleist epochal und künstlerisch wertet.

Klassik oder Frühromantik?

Meiner Meinung nach stand er irgendwie dazwischen und fällt im heutigen curriculum oftmals unter den Tisch, leider.

Dennoch muss erwähnt werden, welche großartigen Werke der Mann geschrieben hat, vor allem seine Erzählungen, obwohl er sich vor allem als Dramatiker verstand. Dennoch schien kein Platz neben Goethe und Schiller zu sein, denn er kam von seiner Spezialisierung her dicht an beide heran und musste sich daher ständig Vergleiche gefallen lassen. Schiller kritisierte seine Werke, Goethe weigerte sich sie aufzuführen (siehe das Käthchen von Heilbronn) und auch Kleist selbst wusste sich selbst rein künstlerisch nicht einzuordnen, was sicherlich sein selbstzerstörerisches Wesen unterstützte.

Freue mich auf eine Diskussion.

Johannes-Paul
Die Zeit ist Euer! Sie wird sein, was ihr aus ihr macht! (Generalmajor von Clausewitz)

Offline Hubert

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Kleistdiskussion
« Antwort #1 am: 12. Mai 2004, 18:22 »
Hallo,

dieses Posting habe ich verschoben, da im Forum „Gemeinsames Lesen“, wie der Name schon sagt, gemeinsam gelesen wird. Für Diskussionen gibt es dieses Forum.


Zitat
Dennoch muss erwähnt werden, welche großartigen Werke der Mann geschrieben hat, vor allem seine Erzählungen, obwohl er sich vor allem als Dramatiker verstand. Dennoch schien kein Platz neben Goethe und Schiller zu sein, denn er kam von seiner Spezialisierung her dicht an beide heran und musste sich daher ständig Vergleiche gefallen lassen. Schiller kritisierte seine Werke, Goethe weigerte sich sie aufzuführen (siehe das Käthchen von Heilbronn) und auch Kleist selbst wusste sich selbst rein künstlerisch nicht einzuordnen, was sicherlich sein selbstzerstörerisches Wesen unterstützte


Das Kleist vergessen wird, kann ich nicht bestätigen, sowohl die Theaterspielplane als auch die Listen der Schulpflichtlektüre zeigen das Gegenteil. Auch mir gefallen Kleists Erzählungen und einige seiner Dramen, aber das sich Goethe geweigert hat, das Käthchen aufzuführen, kann ich durchaus verstehen. Eigentlich ist das Stück nur auf einer Kabarettbühne ertragbar.

Gruß von Hubert

Offline Papst

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Kleist, der vergessene Dramatiker?
« Antwort #2 am: 12. Mai 2004, 18:36 »
In der Schule begegne ich Kleist niemals, weil er eben epochal so schwer einzuordnen ist und wenn, dann wird er oftmals auf seine Erzählungen beschränkt. Dabei ist der Prinz von Homburg doch eines jeden Schiller wert.

J.-Paul
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Offline Hubert

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Kleist in der Schule
« Antwort #3 am: 12. Mai 2004, 18:51 »
Dann lies mal diesen Thread. Ich bin sicher, da wird der Kleist mehrmals genannt:

http://www.klassikerforum.de/forum/viewtopic.php?t=16

H.

Offline sandhofer

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Re: Kleist, der vergessene Dramatiker?
« Antwort #4 am: 12. Mai 2004, 23:32 »
Hallo zusammen!
Hallo Pabst!

Zitat von: Papst
ich würde von euch gerne wissen, wie Ihr Heinrich v. Kleist epochal und künstlerisch wertet.

Künstlerisch: einer der ganz Grossen. Epoche: Goethezeit.

Wohin er in den heutigen Curricula fällt, entzieht sich meiner Kenntnis.

Dass Goethe und Schiller nicht nur bei Kleist, sondern auch z.B. bei Hölderlin, Jean Paul usw. nicht in der Lage waren, anders geartete Grösse zu sehen oder zu akzeptieren, ist eine Tatsache der deutschen Literaturgeschichte.

Grüsse

Sandhofer
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus: Beim Wort genommen

Offline Papst

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Kleist, der vergessene Dramatiker?
« Antwort #5 am: 13. Mai 2004, 08:21 »
Ja, sehr interessant. Mit Hölderlin hast Du auf jeden Fall Recht, ihm fiel es genauso schwer, sich neben Goethe und Schiller als klassischer Lyriker zu etablieren. Das hing bestimmt auch mit Goethes Übervater-Figur in der damaligen deutschen Literatur zusammen, denn sein Wort hatte viel Gewicht.

J.-Paul
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Offline Jacky

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Kleist, der vergessene Dramatiker?
« Antwort #6 am: 13. Mai 2004, 23:57 »
Hallo Ihr,
"epochal" würde ich gar nicht werten. Sicher haben einige Erzählungen (zB. Verlobung) auch romantische Züge, aber...
An Kleist ist ja gerade interessant, daß man ihn micht einordnen kann.
Daß Goethe sich geweigert hat das Kätchen aufzuführen, ist mir auch nicht bewußt. Jedoch hat Goethe den "zerbrochnen Krug" megaschlecht inszeniert. Kleist warf ihm später vor, dem Stück absichtlich gescchadet zu haben.

An Hubert: was hast du denn gegen das Kätchen? Wird immernoch aufgeführt und häufig interpretiert. Ist halt eher ein Märchen, denn ein typischer Kleist.

Eigentlich mag ich fast alles von Kleist...
lg
jacky

Offline Hubert

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“Käthchen von Heilbronn”
« Antwort #7 am: 14. Mai 2004, 03:22 »
Zitat von: Jacky

An Hubert: was hast du denn gegen das Kätchen? Wird immernoch aufgeführt und häufig interpretiert. Ist halt eher ein Märchen, denn ein typischer Kleist.
Eigentlich mag ich fast alles von Kleist...
lg
jacky


Hallo Jacky,

ich mag, wie Du,  auch fast alles von Kleist und das “Käthchen von Heilbronn” liebe ich, aber ich liebe auch Kabarett  und Goethe war, im Gegensatz zu mir, eher ein ernster Typ.   :breitgrins:

Wenn Dich das interessiert, kann ich gerne mal etwas aus dem „Käthchen“ zitieren, damit Du verstehst, was ich meine.

Liebe Grüße

Hubert

Offline Jana

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Kleist
« Antwort #8 am: 14. Mai 2004, 20:33 »
Hat jemand Lust ein Kleist Stück gemeinsam zu lesen? Wenn ja, welches? Ich bin da offen.
Liebe Grüße Jana
Wer nicht lachen kann, ist nicht ernst zu nehmen. (Thomas Bernhard: Der Untergeher)

Offline Jacky

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Kleist, der vergessene Dramatiker?
« Antwort #9 am: 14. Mai 2004, 23:26 »
Hallo Hubert, tu dir keinen zwang an :zwinker:
Kabarett und das Kätchen? laß mich nachdenken...

Hallo Jana, bin dabei- egal was (außer Marionettentheater uä)

jacky

Offline Papst

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Kleist, der vergessene Dramatiker?
« Antwort #10 am: 15. Mai 2004, 09:27 »
Kommt darauf an, welches Genre wir gemeinsam lesen wollen - Drama oder Erzählung?

J.-Paul
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Offline Jacky

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Kleist, der vergessene Dramatiker?
« Antwort #11 am: 15. Mai 2004, 15:30 »
In der Schule hatten wir auch nur Kleists Erzählungen behandelt (Marquise und den Kohlhaas).
Also wie gesagt, mir ist es eigentlich egal. Ich freue mich wenn ich mich mal wieder mit Kleist befasse. Habe an Erzählungen und Dramen eigentlich alles gelesen. Bin bereit mich damit neu auseinanderzusetzten. Es gibt bei Dramen und Erzählungen Lieblinge und einige, die so dazwischen liegen (mit denen ich micht nicht so befaßt habe) und einige mit denen ich kaum was anfangen kann. Was sich ja ändern kann.
Beispielsweise: mein Anti-Kleist- Werk- Penthesilea: sehr viele Griechen-sehr kompliziert, hat aber sicher auch einen gewissen Reiz.
Ja dann mach halt mal einer nen Vorschlag? :breitgrins:
JG Jacky

Offline Papst

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Kleist, der vergessene Dramatiker?
« Antwort #12 am: 15. Mai 2004, 17:30 »
Mein Vorschlag: Der Prinz von Homburg

Ist mein Lieblingswerk von ihm, aufgrund des historischen Hintergrundes.

J.-Paul
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Offline Jacky

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Kleist, der vergessene Dramatiker?
« Antwort #13 am: 15. Mai 2004, 17:53 »
Prinz vom Homburg? Gehört auch zu den Werken mal gelesen, aber nicht weiter beachtet. Kann mich kaum erinnern. Von mir aus gerne. Muß mich leider outen- historischer Hintergrund?  :redface: brauche dann dringend Nachhilfe, glaube deshalb hatte ich Probleme mit dem Stück.
lg

Offline Papst

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Kleist, der vergessene Dramatiker?
« Antwort #14 am: 15. Mai 2004, 18:07 »
Ja, es ging um die Schlacht bei Fehrbellin im Jahre 1675, bei der die brandenburgischen Truppen die Schweden besiegten und aus ihren nördlichen Territorien vertrieben. Der Sieg der Brandenburger bildete den Grundstein für den Aufstieg Brandenburg-Preußens und die Beseitigung der letzten Besatzung als Folge des 30-jährigen Krieges in diesem Gebiet.

Die Schweden zogen sich in der spätereb Jahren fast vollständig aus Norddeutschland zurück, sodass Preußen den Zugang zur Ostsee erhielt und neue Gebiete im Norden und Osten erwerben konnte, sowohl militärisch als auch kommerziell.

J.-Paul
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