Autor Thema: Kleist, der vergessene Dramatiker?  (Gelesen 9656 mal)

Offline Jaqui

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Re: Kleist, der vergessene Dramatiker?
« Antwort #60 am: 15. Dezember 2008, 21:05 »
Das ist aber eine interessante Diskussion und ich habe einen Einwurf zu machen, vielleicht sogar an meiner eigenen Theorie.

Denn als wir vom Baum gekostet haben, haben wir den Sündenfal begangen. Damit sind wir aus dem Paradies vertrieben worden und haben die volle Erkenntnis verloren. Durch nochmaliges Kosten könnten wir sie wieder erlangen.

Oder ist das kompletter Quatsch, was ich hier schreibe? Ich bin gerade ein bisschen verwirrt, merke ich.

Katrin

Offline Jaqui

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Antw:Re: Das Käthchen
« Antwort #61 am: 31. Mai 2011, 15:38 »
Hallo,

Beim Verfassen einer Seminarbeit über den Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg bin ich auf das Werk “Prinz Homburg” von Kleist gestoßen. Da ich über den Kurfürsten bevor ich mit der Arbeit begonnen habe, so gut wie gar nichts gewusst habe, hat mich dieses Thema und sein Leben noch mehr fasziniert und interessiert. Bevor ich nun aber zu Kleist greife wollte ich mal nachfragen ob jemand weiß wie viel Biographisches in dem Werk tatsächlich drinnen steckt.

Beim Durchstöbern des Threads bin ich auf ein altes Zitat von Bluebell gestoßen und musste echt herzhaft lachen, denn offensichtlich bin ich überhaupt nicht romantisch veranlagt.

Ich träume ja insgeheim davon, einmal folgendermaßen angeflirtet zu werden:
"Mein schönes Fräulein, darf ich's wagen, mein Arm und Geleit ihr anzutragen?"
Ich würde dahinschmelzen! Aber auf die Idee, die holde Weiblichkeit mit Literaturzitaten zu beeindrucken, kommen scheinbar die wenigsten Männer ...  :rollen:

Denn wenn mich ein Mann mal so anspricht frage ich ihn ob er betrunken ist  :breitgrins:

Katrin

Offline Lost

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Antw:Re: Das Käthchen
« Antwort #62 am: 31. Mai 2011, 16:28 »
Hallo,

Beim Verfassen einer Seminarbeit über den Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg bin ich auf das Werk “Prinz Homburg” von Kleist gestoßen. Da ich über den Kurfürsten bevor ich mit der Arbeit begonnen habe, so gut wie gar nichts gewusst habe, hat mich dieses Thema und sein Leben noch mehr fasziniert und interessiert. Bevor ich nun aber zu Kleist greife wollte ich mal nachfragen ob jemand weiß wie viel Biographisches in dem Werk tatsächlich drinnen steckt.

Beim Durchstöbern des Threads bin ich auf ein altes Zitat von Bluebell gestoßen und musste echt herzhaft lachen, denn offensichtlich bin ich überhaupt nicht romantisch veranlagt.

Ich träume ja insgeheim davon, einmal folgendermaßen angeflirtet zu werden:
"Mein schönes Fräulein, darf ich's wagen, mein Arm und Geleit ihr anzutragen?"
Ich würde dahinschmelzen! Aber auf die Idee, die holde Weiblichkeit mit Literaturzitaten zu beeindrucken, kommen scheinbar die wenigsten Männer ...  :rollen:

Denn wenn mich ein Mann mal so anspricht frage ich ihn ob er betrunken ist  :breitgrins:

Katrin

betrunken? Schein eher vom Teufel besessen zu sein.  :zwinker:

Offline Sir Thomas

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Antw:Kleist, der vergessene Dramatiker?
« Antwort #63 am: 21. November 2011, 12:59 »
Wenn Heinrich v. Kleist (der sich heute vor 200 Jahren das Leben nahm) ein Zeitgenosse wäre, dann sässe er vermutlich jetzt auch vor dem Computer, würde chatten und posten, stilvoll vereinsamen, manisches Zeug tippen und unter seiner Erfolglosigkeit leiden. Das ist nicht etwa meine persönliche Meinung, sondern die des Schauspielers Ulrich Matthes (gefunden in der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung). Kleist als einer von uns? Keine unsympathische Vorstellung ... 

LG

Tom

Offline JMaria

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Antw:Kleist, der vergessene Dramatiker?
« Antwort #64 am: 25. November 2011, 11:01 »
Hallo,

hier gehts zu einem Artikel in der FAZ vom 20.11.11:

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/autoren/heinrich-von-kleist-aus-dem-leben-11534227.html

Gruß,
Maria
Aktuell:

Offline Jaqui

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Antw:Kleist, der vergessene Dramatiker?
« Antwort #65 am: 25. November 2011, 12:32 »
Danke für diesen Link.

Ich bin wohl eine der wenigen die Kleist nicht mit Tod in Verbindung bringen. Immer wenn ich an ihn denke, habe ich den zerbrochenen Krug im Gedächtnis. Das erste Werk was ich von ihm las.

Bei diesen Satz bin ich aber mal hängen geblieben: Goethe und Schiller scheinen unendlich weit in einer mit Staub bedeckten Vergangenheit zu liegen, aber wer heute Kleist liest, kann sich erschüttern lassen.

Goethe und Schiller haben doch auch gute Sachen geschrieben, und auch Dinge die einen erschüttern. Ob Kleist da wirklich so viel besser war?

Katrin

Offline Sir Thomas

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Antw:Kleist, der vergessene Dramatiker?
« Antwort #66 am: 25. November 2011, 14:01 »
Ob Kleist da wirklich so viel besser war?

Hallo Katrin,

"besser" ist immer so eine Sache ... Kleist war anders, viele empfinden ihn als moderner im Vergleich zu Goethe oder Schiller (auch der FAZ-Rezensent). Ich bin geneigt, dem zuzustimmen, habe aber keine wirklich umfangreichen Kleist-Kenntnisse (Der zerbrochene Krug, Penthesilea, Die Marquise von O. sowie die kleine Abhandlung "Über das Marionettentheater").

LG

Tom

Offline Jaqui

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Antw:Kleist, der vergessene Dramatiker?
« Antwort #67 am: 25. November 2011, 14:44 »
Kleist war anders, viele empfinden ihn als moderner im Vergleich zu Goethe oder Schiller

Dazu habe ich von allen dreien viel zu wenig gelesen um das wirklich beurteilen zu können.


habe aber keine wirklich umfangreichen Kleist-Kenntnisse (Der zerbrochene Krug, Penthesilea, Die Marquise von O. sowie die kleine Abhandlung "Über das Marionettentheater").

Der zerbrochene Krug und das Marionettentheater habe ich auch schon gelesen, Prinz Friedrich von Homburg auszugsweise, die Familie Schroffenstein ganz. Einige andere Sachen stehen hier noch rum, unter anderem Michael Kohlhaas.

Katrin

Offline finsbury

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Antw:Kleist, der vergessene Dramatiker?
« Antwort #68 am: 25. November 2011, 20:23 »
Hallo,

Kleist ist für mich vor allem ein begnadeter Verfasser von erzählender Prosa, seine verdichtete Sprache ist in seiner Zeit mit nichts zu vergleichen. Wer das "Erdbeben von Chili", "Das Bettelweib von  Locarno" oder die "Marquise von O liest", wird geradezu atemlos von diesen Teilsatzkaskaden, diesen Satzungetümen, die dennoch gut verständlich sind. Vor allem die Anfangssätze sind unvergleichlich, umfassen einen großen Teil des Inhalts der jeweiligen Novelle (Marquise und Erdbeben z.B.). Als Dramatiker schätze ich ihn nicht mehr als die anderen Großen der Epoche, aber auch nicht weniger  :zwinker:.

finsbury
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Offline Gontscharow

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Antw:Kleist, der vergessene Dramatiker?
« Antwort #69 am: 25. November 2011, 23:04 »

Kleist ist für mich vor allem ein begnadeter Verfasser von erzählender Prosa, seine verdichtete Sprache ist in seiner Zeit mit nichts zu vergleichen. Wer das "Erdbeben von Chili", "Das Bettelweib von  Locarno" oder die "Marquise von O liest", wird geradezu atemlos von diesen Teilsatzkaskaden, diesen Satzungetümen, die dennoch gut verständlich sind.

Ja, seh ich auch so. Ulrich Greiner hat in seinem exzellenten Artikel über Kleist Sprache eine treffende Metapher dafür gefunden:

Zitat von:  Ulrich Greiner
Seine syntaktischen Konstruktionen gleichen den Viadukten, wie sie in alten Filmen manchmal zu sehen sind, jenen aus zahllosen Verstrebungen und Verbindungen gebauten Brücken, die spinnwebhaft-filigran gewaltige Abgründe überspannen. Gerade dann, wenn Kleist sich solchen Abgründen der Seele und des Schicksals nähert, baut er diese zerbrechlich wirkenden Hypotaxen, und wenn der Leser sie beschreitet, ergreifen ihn Schwindelgefühle und die Furcht, die Brücke könnte brechen.
Die von Kleist gebauten Sprachbrücken brechen nie, aber sie zittern im Anblick des Ungeheuerlichen...

Ulrich Greiner: Bis an die Grenze des Sagbaren
http://www.zeit.de/2011/02/Kleist-Greiner


Offline Jaqui

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Antw:Kleist, der vergessene Dramatiker?
« Antwort #70 am: 25. November 2011, 23:38 »
So wie es aussieht habe ich bisher das falsche von Kleist gelesen. Das werde ich nun nachholen. Danke für die Tipps.

Katrin

Offline sandhofer

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Antw:Kleist, der vergessene Dramatiker?
« Antwort #71 am: 27. November 2011, 11:08 »
So wie es aussieht habe ich bisher das falsche von Kleist gelesen. Das werde ich nun nachholen. Danke für die Tipps.

Nicht das Falsche. Das gibt es bei Kleist eigentlich fast nicht. Nur noch nicht alles ...  :winken:
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus: Beim Wort genommen

Offline thopas

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Antw:Kleist, der vergessene Dramatiker?
« Antwort #72 am: 27. November 2011, 12:02 »
Einige andere Sachen stehen hier noch rum, unter anderem Michael Kohlhaas.

Dann liest doch mal den Michael Kohlhaas. Ich habe ihn vor einiger Zeit gelesen und fand ihn sehr modern, was das Thema angeht. Jeder der schon mal gegen eine große Firma oder Bank (oder was auch immer) gekämpft hat, die einen Fehler begangen hat und diesen nun aber dem Kunden zuschiebt, findet sich da wieder...

Viele Grüße
thopas

Offline JMaria

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Antw:Kleist, der vergessene Dramatiker?
« Antwort #73 am: 27. November 2011, 12:07 »
Einige andere Sachen stehen hier noch rum, unter anderem Michael Kohlhaas.

Dann liest doch mal den Michael Kohlhaas. Ich habe ihn vor einiger Zeit gelesen und fand ihn sehr modern, was das Thema angeht. Jeder der schon mal gegen eine große Firma oder Bank (oder was auch immer) gekämpft hat, die einen Fehler begangen hat und diesen nun aber dem Kunden zuschiebt, findet sich da wieder...

Viele Grüße
thopas

und eine zeitgenössische Variante wäre in "Ragtime" von E.L. Doctorow in der Figur des Coalhouse Walker zu finden.
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Offline finsbury

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Antw:Kleist, der vergessene Dramatiker?
« Antwort #74 am: 27. November 2011, 12:13 »
Hallo,

jetzt weiß ich auch wieder, warum ich weder den Michael Kohlhaas noch Ragtime  mag: Mir geht die Hutschnur hoch, wenn ich über solch unverschuldetes Unrecht lese und den vergeblichen Kampf der Protagonisten dagegen. Komischerweise kann ich mich dann nicht distanzieren, sondern bin so aufgebracht, dass ich kaum weiterlesen kann.

finsbury
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