Hallo Finsbury!
So, habe mein Manuskript jetzt im Satz, der Kopf ist frei!

Bei den Schutzflehenden, den Persern, den "Sieben gegen Theben" passiert Handlung nicht auf der Bühne, sondern nur durch Botenberichte, das habe ich selbst gelesen, ab der Orestie, hier gebe ich nur Angaben aus dem Kindler weiter, soll das Geschehen z.T. im Hintergrund der Bühne stattfinden, wenn z.B. Klythaimestra (oder wie auch immer geschrieben) Agamemnon über den blutroten Tepppich in den Palast (kann man sich den nicht als Bühnenhaus vorstellen?) lockt, damit er dort ermordet wird.
Ich kriege immer die Krise bei diesem Zirkelschluß!
Soll kein Vorwurf sein ... ich erklär 's mal:
Man hat festgestellt, daß Aischylos Dramen schreibt, in denen Teile der Handlung per Botenbericht erzählt werden, und Dramen, in denen die Handlung auf der Bühne erfolgt. Außerdem hat man festgestellt, daß die Dramen quasi eine chronologische Reihenfolge haben. Daraus wurde geschlossen, daß vor Aischylos nur Botenberichte vorkamen und Aischylos der Erfinder der "action auf der Bühne" ist. Gestützt wurde das durch Äußerungen in Aristoteles'
PoetikGanz so simpel ist es vermutlich nicht.
Richtig ist, daß Aischylos beide Formen benutzt, allerdings den Botenbericht eigentlich nur bei Ereignissen, die sich auf der Bühne nicht realisieren lassen (Schlachten, Belagerungen etc.) oder wenn die Handlung einen Wechsel des Schauplatzes erfordern würde; ein Mord oder Zweikampf hingegen lassen sich auf der Bühne darstellen, wenn sie von beteiligten Personen ausgeführt werden.
Insofern ist es ziemlich vorschnell, hier von einer Entwicklung zu sprechen, die Aischylos verursacht hätte; der Mann hatte fleißige Zeitgenossen, die ebenfalls Dramen aufführten, mit denen er also in Konkurrenz stand.
Ich vermute eher, daß das sehr viel mit Aischylos persönlichem Kunstwollen zu tun hat: nicht den Schock in den Vordergrund zu stellen, sondern die Ursachen, Umstände und Folgen. Das paßt auch wunderbar zu dem sich damals reformierenden Rechtswesen (insbesondere im Strafrecht), das sich anhand der Entwicklung der Rhetorik beobachten läßt. In der Zeit der attischen Tragiker entfaltete sich eine hochdifferenzierte Auseinandersetzung mit Straftaten und ihren Ursachen.
Aber wenn du neue Literatur zu den alten Literaturgriechen findest, würde ich das toll finden.
Empfehlenswert ist da Joachim Latacz' Buch über
Die griechische Tragödie
Und ganz allgemein die gut geschriebene und saubere
Kleine griechische Literaturgeschichte des Münchner Gräzisten Martin Hose:

Liebe Grüße,
Iris