Autor Thema: Familienromane/Familiensaga  (Gelesen 4579 mal)

Offline JMaria

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Familienromane/Familiensaga
« am: 9. September 2004, 09:22 »
Hallo zusammen,

welche Romane al a "Buddenbrooks" oder "Forsyte-Saga" fallen euch noch ein?

Eine Freundin beginnt gerade ein Projekt, beginnend mit den Buddenbrooks und hat mich gefragt welche ich ihr noch empfehlen könnte.

sie kennt bereits: "Washington Square" von Henry James (falls man diesen zu den Familienromane rechnen kann). Gestern Nacht kam übrigens die Verfilmung (Die Erbin vom Washington Square) Hat es jemand gesehen?

jedenfalls habe ich das Gefühl, als ob ich einen wichtigen Roman übersehen habe und grübele schon seit Tagen darüber.

Fällt euch noch was ein?
Liebe Grüße
Maria
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Offline sandhofer

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Familiensaga
« Antwort #1 am: 9. September 2004, 10:25 »
Hallo zusammen!
Hallo JMaria!

Mein alter Deutschlehrer hätte mich nun zuerst gefragt: "Familiensaga? Definiere!"

Mir fallen so spontan ein:
    Soll und Haben
    100 Jahre Einsamkeit
    Die Brüder Karamasov
    diverse frühe Werke von Karl May
    Tadellöser und Wolf
    [/list:u]Grüsse

    Sandhofer
    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus: Beim Wort genommen

    Offline JMaria

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    Re: Familiensaga
    « Antwort #2 am: 9. September 2004, 10:35 »
    Zitat von: sandhofer
    Mein alter Deutschlehrer hätte mich nun zuerst gefragt: "Familiensaga? Definiere!"


    Hallo Sandhofer
    mmh - am liebsten über mehrere Generation, evtl. ein Verfall der Familie.
    Aber in der Hinsicht gibt es wohl nicht sehr viele, oder sie fallen mir nicht ein. Deswegen bin ich auch für andere Tipps offen.

    Zitat

    Mir fallen so spontan ein:
      Soll und Haben
      100 Jahre Einsamkeit
      Die Brüder Karamasov
      diverse frühe Werke von Karl May
      Tadellöser und Wolf
      [/list:u]


      vielen Dank.  :sonne:

      Frage:
      weißt du ob man 'Die Poggenpuhls' und 'Vor dem Sturm' von Fontane auch darunter einreichen kann? Ich habs noch nicht gelesen.

      Grüße von
      Maria
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      Offline sandhofer

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      Re: Familiensaga
      « Antwort #3 am: 9. September 2004, 12:22 »
      Hallo zusammen!
      Hallo JMaria!

      Zitat von: JMaria
      Frage:
      weißt du ob man 'Die Poggenpuhls' und 'Vor dem Sturm' von Fontane auch darunter einreichen kann? Ich habs noch nicht gelesen.

      Und bei mir ist es zu lange her, sorry. Übrigens war ich doch immer der Meinung, die Fontane-Fachfrauen in diesem Forum seien Du und Steffi? :breitgrins:  :breitgrins:  :breitgrins:

      Vielleicht noch in die von Dir gesuchte Richtung geht What will he do with it von Bulwer Lytton, wie überhaupt der sog. Gesellschaftsroman und vor allem der eher triviale Gesellschaftsroman sich der Familiensaga in Deinem Sinn oft annähert, finde ich. So müsste man auch bei Zola oder Balzac nachlesen. Dito Walter Scott: Das Herz von Midlothian ist im Grunde genommen auch die Geschichte dreier Generationen, selbst wenn die mittlere eindeutig im Zentrum steht. Dann geht mir gerade noch Lao She: Vier Generationen unter einem Dach durch den Kopf. Definitiv eine Familiensaga.

      Grüsse

      Sandhofer
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      Offline Zola

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      Familienromane/Familiensaga
      « Antwort #4 am: 9. September 2004, 14:15 »
      Hallo,

      "Vor dem Sturm" kann man vielleicht als Familiensaga bezeichnen - der Handlungsraum geht allerdings nicht über mehrere Generationen (wenn das die Definition davon ist,. dann also eher nicht).

      Als Familiensaga würde ich aber auf jeden Fall den 20-teiligen Romanzyklus "Die Rougon-Macquart" von Zola einstufen.

      "Hoffnung im Alentejo" von Saramago fällt mir da noch ein  - der Zeitraum sind knapp 70 Jahre und es geht um drei Generationen einer Landarbeiterfamilie.

      Offline Bluebell

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      Re: Familiensaga
      « Antwort #5 am: 9. September 2004, 14:16 »
      Hallo Maria,

      meine derzeitige Lektüre würde vielleicht auch dazupassen - ist aber kein Klassiker, sondern eine Neuerscheinung ...

      Das Buch heißt Engelszungen und stammt von Dimitré Dinev. Zu Beginn des Romans lässt der Autor zwei Bulgaren einander am Wiener Zentralfriedhof begegnen, und zwar am Grab eines Serben, der als Schutzpatron für legale und illegale Einwanderer, Asylanten und Flüchtlinge - mit einem Wort, für in Wien gestrandete Existenzen jeglicher Nationalität gilt.  :zwinker:
      Nun werden in Rückblenden die Familiengeschichten der beiden Bulgaren erzählt - anfangs als zwei völlig getrennt laufende Handlungsstränge, aber der Leser erkennt bald, dass die beiden Familien seit Generationen schicksalshaft miteinander verknüpft sind und es nur eine Frage der Zeit war, bis sich die beiden jüngsten Sprösslinge Aug in Auge gegenüberstehen.
      Ich habe nun ungefähr zwei Drittel gelesen und genieße das Buch sehr! Man verfolgt die Geschichte der Familien Mladenov und Apostolov praktisch durch das gesamte 20. Jahrhundert und bekommt ganz nebenbei viel über das kommunistische Bulgarien mit. Und dabei kommt der Erzähler bei aller Ernsthaftigkeit und Nachdenklichkeit immer mit einem Augenzwinkern und einem kleinen Schmunzeln daher.

      Wie gesagt - ich weiß nicht genau, ob's auch sowas sein darf, aber ich finde dieses Buch auf alle Fälle empfehlenswert!  :sonne:
      (btw: der Autor ist übrigens selbst vor 12 Jahren illegal von Bulgarien nach Österreich gekommen - gewissen autobiographische Züge also nicht unwahrscheinlich  :zwinker: )

      Bluebell
      "Date a girl who reads. Date a girl who spends her money on books instead of clothes. She has problems with closet space because she has too many books. Date a girl who has a list of books she wants to read, who has had a library card since she was twelve."

      Offline Holger

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      Familienromane/Familiensaga
      « Antwort #6 am: 9. September 2004, 15:43 »
      Hallo,

      wenn ihr die Buddenbrooks kennt, lest unbedingt mal "Die Erinnerungen des Ludolf Ursleu des Jüngeren" - von Ricarda Huch. Man darf sich dann nur nicht fragen, wer die Geschichte eher geschrieben hat. Bissiges Detail: Ricarda Huch war mit einem Zahnarzt verheiratet, der in Zürich? einen Herrn Th. Mann behandelt hat... ;)

      lg Holger.
      http://wt.parsimony.net/buch332">weblog vom dauerlesen

      Offline finsbury

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      Freu!
      « Antwort #7 am: 9. September 2004, 15:50 »
      Hach, das ist ein toller Thread! :klatschen:

      Ich liebe Familienromane. In diesen Büchern kann man so schön "wohnen", und sie sind immer so schön dick.
      Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll ...Nehmen wir die zuletzt gelesenen:
      Zwei moderne indische Familiensagas
      - Vikram Seth: Eine gute Partie (eins meiner Lieblingsbücher)
      - David Davidar: Das Haus der blauen Mangos.
      Außerdem:
      - Dieter Forte: Das Haus auf meinen Schultern
      - Tolstoi: Krieg und Frieden (geht auch über mehrere Generationen)
      - Isabel Allende: Das Geisterhaus und Von Liebe und Schatten

      Ach, und wenn ich so an meinen Bücherregalen entlang spaziere, so viel gibt es doch leider :sauer:  nicht!
      Aber ein paar falllen mir bei längerem Nachdenken vielleicht noch ein.

      Übrigens: Vor dem Sturm gehört auch zu meinen Lieblingsbüchern.
      Die Poggenpohls sind ein ganz kleines Romänchen, und da geht es meiner Erinnerung nach nur um Mutter und Tochter.

      HG
      finsbury

      Ach ja,
      noch von Turgenjew: Väter und Söhne, das ist aber Lichtjahre her, dass ich das gelesen habe, deshalb bin ich mir da nicht so sicher. Und ....Die Elenden von Victor Hugo!
      Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene
      Meer in uns. (Kafka)

      Offline Zola

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      Familienromane/Familiensaga
      « Antwort #8 am: 9. September 2004, 17:21 »
      Hallo Finsbury,

      die Poggenpuhls würde ich nicht dazurechnen - genausowenig wie "Väter und Söhne". Da geht's nur um das Verhältnis zwischen älterer und jüngerer Generation in der damaligen Zeit (ältere Generation=konservativ, jüngere Generation=fortschrittlich). Die Familie an sich um die es geht ist eigentlich nicht Zentrum des Romans.


      Vielöe Grüße,
      Zola

      Offline Steffi

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      « Antwort #9 am: 10. September 2004, 09:22 »
      Hallo zusammen,
      hallo Maria !

      Da fällt mir natürlich gleich " Die Jahre" von Virginia Woolf ein (Wer hätte das gedacht :breitgrins: ). Geht wohl über drei Generationen und will ich unbedingt, unbedingt bald mal lesen !!!

      @sandhofer:
      Zitat
      Übrigens war ich doch immer der Meinung, die Fontane-Fachfrauen in diesem Forum seien Du und Steffi?


      Ich bestimmt nicht, aber mit der neuen Biografie "Fontanes Welt" werde ich es noch !  :breitgrins:  :breitgrins:  

      Gruß von Steffi
      Gruß von Steffi

      Offline finsbury

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      Ja ja, die Zeit...
      « Antwort #10 am: 10. September 2004, 12:49 »
      Zitat von: Zola
      Hallo Finsbury,

      die Poggenpuhls würde ich nicht dazurechnen - genausowenig wie "Väter und Söhne". Da geht's nur um das Verhältnis zwischen älterer und jüngerer Generation in der damaligen Zeit (ältere Generation=konservativ, jüngere Generation=fortschrittlich). Die Familie an sich um die es geht ist eigentlich nicht Zentrum des Romans.


      Vielöe Grüße,
      Zola

      Danke Zola, bei Poggenpohls lag ich dann richtig, und bei dem Turgenjev hast du auch die Erinnerung geweckt. Ist halt Millionen Jahre her... :rollen:

      Noch ein moderner,
      John Irving: Das Hotel New Hampshire,
      drei Generationen  und es steht eindeutig die Famileie im Vordergrund,
      ebenso Jane Smiley: Tausend Morgen.
      Irgendwie fällt mir zwar viel gute Literatur ein, aber wenige "Klassiker".
      Tschüss
      finsbury
      Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene
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      Offline JMaria

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      « Antwort #11 am: 10. September 2004, 21:21 »
      Hallo

      Danke an alle. Ihr seid klasse  :klatschen:

      ich hab meiner Freundin den Link hierher per Mail geschickt. Dann kann sie es sich durchlesen und selbst entscheiden.

      ich habe festgestellt, dieser Thread ist verhängnisvoll....

      ....denn nun habe ich auch Lust dieses Projekt weiter zuverfolgen.
      zum Glück habe ich einige der genannten Büchern bereits im Regal stehen.

       :sonne:
      Maria
      Aktuell:

      Offline Steffi

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      « Antwort #12 am: 13. September 2004, 08:29 »
      Hallo !

      In diesem Zusammenhang fallen mir noch die Bücher von Edward Rutherfurd ein, z.B. Sarum oder the forest.

      Er verquickt jahrhundertlange historische Entwicklungen einer Stadt oder Region mit dort lebenden Familien und deren Entwicklung.

      Lesen sich leicht und fesselnd !

      Gruß von Steffi
      Gruß von Steffi

      Offline Bluebell

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      « Antwort #13 am: 14. September 2004, 09:31 »
      Zitat von: Steffi
      In diesem Zusammenhang fallen mir noch die Bücher von Edward Rutherfurd ein, z.B. Sarum oder the forest.

      Er verquickt jahrhundertlange historische Entwicklungen einer Stadt oder Region mit dort lebenden Familien und deren Entwicklung.


      Hallo Steffi,

      ich habe die Bücher von Edward Rutherfurd einmal etwas genauer unter die Lupe genommen, und sie interessieren mich ziemlich!
      Kennst du vielleicht noch weitere Autoren, die in Romanform verpackt die Entwicklung eines bestimmten Gebietes über einen längeren Zeitraum schildern?

      Liebe Grüße
      Bluebell
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      Offline Imrahil

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      Familienromane/Familiensaga
      « Antwort #14 am: 14. September 2004, 10:48 »
      Mir fällt da spontan noch "Der Stille Don" ein, eines meiner absoluten Lieblingsbücher. Es geht um eine Familie im Gebiet der Donkosaken in Russland zur Zeit des 1.Weltkrieges. Soweit ich mich erinnere sind schon häufig Kriegssequenzen eingestreut, doch der zentrale Punkt bleibt die Familie und das drumherum, als Beziehungen, Verstrickungen etc. Ein sehr berührendes Buch mit zahlreichen sehr interessanten Charakteren, ein typischer, dicker, russischer Wälzer eben  :zwinker:

      Imrahil
      "Die Kunst des Nachdenkens besteht in der Kunst..., das Denken genau vor dem tödlichen Augenblick abzubrechen. - Thomas Bernhard, Gehen